Donnerstag, 09. Mai 2019

Apfeltriebsucht: Forschung und Perspektiven

Bei der Apfeltriebsucht, dem sogenannten „Besenwuchs“, handelt es sich um eine Infektionskrankheit des Apfelbaums, die große wirtschaftliche Schäden verursachen kann, da sie zu Kleinfrüchtigkeit und damit Ertragsminderung führt und infizierte Bäume sofort gerodet werden müssen.

Am Versuchszentrum Laimburg sind inzwischen 2 Projekte zur Apfeltriebsucht abgeschlossen worden.
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Am Versuchszentrum Laimburg sind inzwischen 2 Projekte zur Apfeltriebsucht abgeschlossen worden. - Foto: © D

Ausgelöst wird die Krankheit durch Bakterien, den Phytoplasmen, die von bestimmten Insekten, nämlich dem Sommerapfelblattsauger und dem Weißdornblattsauger, verbreitet werden.

In der Vergangenheit ist der Befall in Südtirol wellenförmig aufgetreten, wobei die letzte große Befallswelle im Jahr 2013 ihren Höhepunkt hatte. „Die Apfeltriebsucht ist die bedrohlichste Krankheit für die Südtiroler Landwirtschaft“, betonte der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber.

Eines der Bakterien, die die Krankheit auslösen. - Foto: Versuchszentrum Laimburg

Forschung zur Apfeltriebsucht am Versuchszentrum Laimburg

Am Versuchszentrum Laimburg sind inzwischen 2 Projekte zur Apfeltriebsucht abgeschlossen worden.

Um zielgerichtete Strategien zur Bekämpfung der Apfeltriebsucht entwickeln zu können, sind zunächst Kenntnisse über Verbreitung und Biologie der Überträgerinsekten von entscheidender Bedeutung.

In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau und der Edmund-Mach-Fondation in San Michele im Trentino forscht das Versuchszentrum Laimburg seit mehreren Jahren an der Krankheit und hat dabei Ergebnisse erreicht, die auch national und international Anerkennung finden.

Bedeutsame Erkenntnisse zur Übertragung der Krankheit

Am Versuchszentrum Laimburg wurde darüber hinaus Grundlagenforschung zur Apfeltriebsucht betrieben. Katrin Janik und ihr Team untersuchten, wie der Erreger übertragen wird und welche molekularen Mechanismen ablaufen, wenn sich die Krankheit in der Pflanze entwickelt.

Diese Erkenntnisse könnten als möglicher Angriffspunkt für eine Bekämpfung der Krankheit dienen.

Eine der bedeutsamsten Ergebnisse des Forscherteams betrifft die Übertragung der Krankheit: „Wir konnten zeigen, dass der Apfeltriebsuchterreger direkt vom infizierten Muttertier auf seine Nachkommen übertragen werden kann, ohne dass es dafür die Pflanze als Wirt braucht“, erklärte Janik. 

Gibt es weitere Überträgerinsekten?

In 50 Apfelanlagen wurden etwa 140.000 Klopfproben pro Jahr durchgeführt und auf diese Weise 31.485 Zikaden gesammelt, die dann entomologisch bestimmt wurden. „Im Agro-Ökosystem „Apfel-Ertragsanlage“ konnten wir 16 verschiedene Blattsauger- und 95 verschiedene Zikadenarten nachweisen.

„Darunter sind uns sogar einige Erstnachweise für Südtirol gelungen, wie etwa die Orientzikade, die Asymmetrasca decedens oder die Edwardsiana ulmiphagus“, berichtete Stefanie Fischnaller von der Arbeitsgruppe Entomologie.

stol

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