Seit 20 Jahren bin ich nun Journalist. In dieser Zeit hat sich dieser Beruf massiv, geradezu grundlegend verändert. Heute ist die Geschwindigkeit der Nachricht entscheidend. Der Druck, der Erste zu sein, um Reichweite und Abonnenten zu gewinnen, ist enorm. Dabei gerät man leicht in Versuchung, reißerischer zu formulieren und manchmal sogar über das Ziel hinauszuschießen. All das kann zu Fehlern führen, die nicht passieren sollten. Dennoch bin ich überzeugt - insgesamt machen wir Journalistinnen und Journalisten nach wie vor einen guten Job.<BR /><BR />Doch nicht nur die Medien haben sich gewandelt, auch die Gesellschaft - und mit ihr die Art und Weise, wie Politik gemacht wird.<BR />Früher gab Politik die Richtung vor, heute wirkt sie teilweise beinahe unterwürfig, so als würde sie den Menschen nach dem Mund reden. Das kann nicht funktionieren. Das bringt nichts, und schon gar nicht eine Gesellschaft voran.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75050059_quote" /><BR /><BR />Diese Entwicklung hängt wohl damit zusammen, dass das Ansehen der Politik seit Jahren leidet. Früher war es eine Ehre, wenn ein Landesrat oder gar der Landeshauptmann ein Südtiroler Dorf besuchte. Die Menschen kamen, um ihn zu sehen, vielleicht sogar ein paar Worte mit ihm wechseln zu können.<BR /><BR />Heute hingegen werden Politiker nicht nur im Internet, sondern auch im realen Leben beschimpft. Vielleicht gerade deshalb neigen manche – vor allem aus der populistischen Ecke – dazu, den Bürgern lieber nach dem Mund zu reden. Sie sagen das, von dem sie glauben, dass es gut ankommt - fremdenfeindliche Parolen, Pauschalkritik an „denen da oben“, obwohl sie selbst Teil dieses Systems sind. Es wird über alles geschimpft, was vermeintlich Stimmen bringen könnte.<BR /><BR />Das soll Politik sein? Nein, das kann es nicht sein. Im Gegenteil: Es ist beschämend.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75051990_quote" /><BR /><BR />Natürlich gibt es sie auch weiterhin – die ernsthaften, verantwortungsvollen Politiker, die sachlich arbeiten und etwas bewegen. Zum Glück. Doch sie geraten oft in den Hintergrund, übertönt von jenen, die lieber laut und populistisch auftreten, statt Lösungen anzubieten, die nur das sagen, was viele Bürger hören wollen.<BR /><BR />Ich frage mich: Warum sollte ich einen Politiker wählen, der lediglich das nachplappert, was er glaubt, dass ich hören will?<BR /><BR />Jeder Mensch sollte für das einstehen, was er für richtig hält – auch wenn er mit Widerstand rechnen muss. Zumindest praktiziere ich das so, auch wenn es nicht immer angenehm ist – bei der Arbeit wie im Privaten. Aber ich kann in den Spiegel schauen, wenn ich für meine Meinung und meine Ideen einstehe.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75051991_quote" /><BR /><BR />Gerade von Politikern sollte man erwarten, dass sie Kritik nicht scheuen. Sie dürfen Konflikte und Gegenwind nicht tunlichst vermeiden – auch wenn sie dadurch kurzfristig an Zustimmung verlieren. Denn nur so besteht die Chance, wirklich etwas zu verändern. Am Ende braucht eine funktionierende Demokratie keine angepassten Menschen, sondern solche mit Haltung. Und das gilt nicht nur für Politiker, sondern für alle.<BR /><BR /> <a href="mailto:arnold.sorg@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">arnold.sorg@athesia.it</a>