Michael Moroder zeichnet ein düsteres Bild: „Es ist eher 5 nach 12 als 5 vor 12. Wir haben in der öffentlichen Behindertenbetreuung seit 16 Jahren keine Gehaltsanpassung mehr erhalten – und enorm an Kaufkraft verloren. Mitarbeiter, die wie ich Familie haben, kündigen – und neue findet man unter diesen Umständen kaum“, sagt er und fürchtet: „Wenn das so weiter geht, folgt der Kollaps.“ <BR /><BR />Moroder ist gelernter Tischler und Pädagoge, gearbeitet hat er bis Ende des vergangenen Monats in der Tischlerei einer Geschützten Werkstatt. Mit viel Überzeugung und Empathie hat er sich für das Wohl der beeinträchtigten Personen eingesetzt – trotz zunehmender Bürokratie, der dünnen Personaldecke und immer wieder fehlender Arbeitsmaterialien. <h3> Wertschätzung und Anerkennung seitens der Politik fehlt</h3>Doch in jüngster Zeit sei das alles zusammen immer anstrengender geworden. Auf uns kommt immer mehr Arbeit zu, doch die – auch finanzielle – Wertschätzung und Anerkennung seitens der Politik fehlt. Immer mal wieder Einmalzahlungen als Inflationsausgleich, das kann es nicht sein. Wie soll ich denn bei den aktuellen Preisen mit diesem Gehalt über die Runden kommen? Als Familienvater wäre es schön, den Kindern was bieten zu können“, erklärt er. <BR /><BR />Was ihn besonders wurmt: „Für alles andere ist Geld da, sei es für kräftige Gehaltserhöhungen für Führungskräfte oder die vielen Millionen Euro für Olympia. Für unsere Menschen mit Beeinträchtigung ist kein Geld da“, schimpft er. Es scheine ihm, so sagt er, als fänden Menschen mit Problematiken in „unserer Kultur keinen Platz mehr“. <h3> Menschen mit Behinderung sind die Leidtragenden</h3>Denn die Leidtragenden der sich zuspitzenden Personalsituation in den Einrichtungen, das ist ihm schmerzlich bewusst, sind letztendlich diese Menschen: „Wenn immer weniger Personal da ist, dann müssen Dienste gestrichen werden, Menschen mit Beeinträchtigung zu Hause bleiben.“<BR /><BR />Er ist sich sicher: „Die Politik muss an der Basis die Gehälter erhöhen, nicht an der Spitze. Andernfalls kracht das System zusammen.“