Die Ermittler glauben inzwischen nicht mehr, dass es eine kriminelle Vereinigung gab, auch der Mafia-Verdacht ist wie eine Seifenblase geplatzt. Die Staatsanwaltschaft will 35 Vorhaltungen zu den Akten legen. Vorwürfe zu 21 Einzeldelikten sind aber noch aufrecht.<BR /><BR />Dass der Mafia-Vorwurf kippen dürfte, hatte sich bereits nach der Entscheidung des Trienter Freiheitsgerichtes im Februar abgezeichnet: Dieses hatte festgestellt, dass höchstens bei einigen wenigen Handlungen mafiöse Methoden zum Einsatz gekommen sein könnten. <BR /><BR />Doch nun haben die Trienter Anti-Mafia-Ermittler (DDA) eine noch radikalere Kehrtwende gemacht: Auch der Verdacht auf eine kriminelle Vereinigung an sich ist ihrer Ansicht nach hinfällig. Die Staatsanwaltschaft soll nämlich zum Schluss gekommen sein, dass es zwischen einigen Personen zwar durchaus enge Kontakte und gemeinsame Interessen gegeben habe – wie beispielsweise bei Bauvorhaben wie dem Waltherpark und Gries Village in Bozen oder bei der Sanierung des Ex-Cattoi-Geländes in Riva del Garda –, aber sie hätten nie im kriminellen Zusammenschluss gehandelt. Damit ist das ursprüngliche Verdachtsgerüst eingestürzt. <BR /><BR />Sollte der Trienter Untersuchungsrichter Enrico Borelli das auch so sehen, wäre damit der gefallene Signa-Gründer René Benko ganz aus dem Schneider. Ihm waren keine Einzeldelikte zur Last gelegt worden, sondern „nur“, Kopf einer mutmaßlich kriminellen Vereinigung zu sein. <BR /><BR />Dieser hätten – so zumindest der Anfangsverdacht – Heinz Peter Hager, Paolo Signoretti, die Bozner Architekten Fabio Rossa und Andrea Saccani, die Bozner Gemeindebedienstete Daniela Eisenstecken, der Bozner Publizist Lorenzo Barzon, die Bürgermeisterin von Riva, Cristina Santi, sowie der frühere Senator Vittorio Fravezzi angehört. <BR /><BR />Für diese Vorhaltung und 34 weitere hat die Trienter Staatsanwaltschaft jetzt die Einstellung des Ermittlungsverfahrens beantragt. Dem Vernehmen nach sollen Fabio Rossa und der Bozner Publizist Lorenzo Barzon in den Augen der Staatsanwaltschaft gänzlich entlastet sein. <BR /><BR />Auch gebe es den Ermittlern zufolge keine Beweise, wonach Daniela Eisenstecken sich zugunsten von Heinz Peter Hager eingesetzt habe. Vielmehr habe sie ausschließlich auf Anweisung und im Interesse der Stadtverwaltung gehandelt. <BR /><BR />Erst, wenn der U-Richter über alle Vorhaltungen, für die die Archivierung beantragt wurde, entschieden hat, wird die Trienter Staatsanwaltschaft die Ermittlung für die 21 Punkte abschließen, die sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt offenbar nicht fallen lassen möchte. Die meisten betreffen Heinz Peter Hager und Paolo Signoretti. <BR /><BR />Weitere Vorhaltungen, an denen die Ermittler festhalten wollen, richten sich u.a. gegen Architekt Saccani und Ex-Senator Fravezzi. <BR /><BR /> Im Rahmen der Aktion Romeo waren ursprünglich insgesamt 77 Personen ins Visier der Ermittler geraten. Rund 60 (!) Positionen sollen archiviert werden oder wurden es bereits im Sommer – wie jene des Rechtsanwalts und Ex-Kammerabgeordneten Siegfried Brugger oder des Unternehmers Ernst Gostner. <BR /><BR />Unter den Personen, für die jetzt die Einstellung des Verfahrens beantragt wurde, befindet sich auch SkyAlps-Chef Josef Gostner. Er war verdächtigt worden, die zivile Luftfahrtbehörde ENAC bezüglich des Grundwasserspiegels unter der Landebahn am Bozner Flughafen in die Irre geführt zu haben. Doch die Verdachtsmomente haben sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft als völlig haltlos erwiesen.