Die Bilder in der Bozner Bahnhofsallee sollen Passanten einladen, inne zu halten und über Armut zu reflektieren. Die abgebildeten Frauen und Männer sind von materieller und/oder sozialer, psychischer oder emotionaler Armut betroffen. Alle Geschichten sind aus dem Alltag gegriffen und erzählen von Menschen, die es ohne Unterstützung nicht mehr schaffen.„Armut kann jeden treffen“, unterstrichen die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Pio Fontana am Freitag auf einer Pressekonferenz in Bozen.„Jeder von uns kann von der Mitte des Lebens an den sozialen Rand gedrängt werden. Diese Menschen brauchen Verständnis und Hilfe.“ Die Figuren in der Bahnhofsallee bleiben bis Ende Dezember, Infokarten mit beschriebenen Fallbeispielen werden über das Verteilernetz von „Dear Mama“ in Gasthöfen und Beherbergungsbetrieben, über das Tourismusbüro, den Bürgerschalter der Gemeinde Bozen und an verschiedenen Ständen des Weihnachtsmarktes an Interessierte verteilt. “Genau hinsehen“„Es geht darum“, so die Caritas-Direktoren „Schwächere in die Gesellschaft hereinzuholen, ihre Ressourcen sichtbar zu machen und ihre Stärken zu fördern.“ Dafür brauche es genaues Hinsehen, Achtsamkeit und Respekt, oft nur kleine Handreichungen. „Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Aber auch die Beziehungsarmut der Menschen steigt, viele fühlen sich überfordert und einsam oder leiden unter Depressionen. Die Caritas macht darauf aufmerksam, dass es nicht nur um finanzielle Unterstützung geht. Oft reiche ein kleines Zeichen, ein Gruß, ein Besuch, ein Telefonat. Für viele Alleinerziehende sei es hilfreich, wenn sie die Kinder bei jemandem abgeben können oder wenn sich ein Nachbar oder eine Bekannte zur Hausaufgabenhilfe bereit erklärt. Letztendlich, so die Caritas, gehe es darum, die gegenseitige Mitverantwortung bei allen Beteiligten unserer Gesellschaft zu wecken und zu fördern“, betonte Heiner Schweigkofler.In der Telefonseelsorge stehen rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr 75 Freiwillige als aktive Zuhörer am Telefon zur Verfügung; 189 Freiwillige der Hospizbewegung begleiten südtirolweit schwerkranke und sterbende Menschen, mehr als hundert Freiwillige helfen in der Mensa für Nicht-EU-Bürger oder in den Obdachlosenhäusern bei der Essensausgabe, mehrere hundert Freiwillige fahren im Burggrafenamt „Essen auf Rädern“ aus. Armut in Südtirol: Daten Wurden im Jahr 2003 laut ASTAT noch 14 Prozent der Südtiroler Bevölkerung als armutsgefährdet eingestuft, sind es jetzt 16 Prozent. Fast jeder sechste Südtiroler lebt an oder unter der relativen Armutsgrenze. Aus der Studie geht weiters hervor, dass 17,9 Prozent der Südtiroler Haushalte als armutsgefährdet einzustufen sind. 2003 waren es noch 17,3 Prozent.Das heißt, dass in Südtirol mehr als 80.000 Menschen in 36.000 Haushalten von Armut betroffen sind. Gäbe es Sozialleistungen der öffentlichen Hand nicht, läge die Armutsgefährdungsschwelle bei 25,3 Prozent der Bevölkerung. Diese Schwelle beträgt in Südtirol für einen Einpersonenhaushalt 10.257 Euro im Jahr.