<h3> Aber worum geht es konkret?</h3>Laut eines kürzlich veröffentlichten Eurostat-Berichts liegt das Armutsrisiko in Südtirol bei 6,6 Prozent ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/armutsrisiko-in-suedtirol-so-niedrig-wie-sonst-nirgendwo-in-europa" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>). Damit ist man Spitzenreiter in der EU, vor Bratislavský kraj in der Slowakei (8,6 Prozent) und Jihozápad in Tschechien (8,8 Prozent). „Dass Südtirol auf europäischer Ebene recht gut dasteht, überrascht nicht“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini. <BR /><BR />„Der gut dotierte Landeshaushalt, die weitreichenden Sozialleistungen und der vorbildlich etablierte Dritte Sektor sowie das Ehrenamt sind dafür verantwortlich, dass soziale Härtefälle stets aufgefangen und gemildert werden können“, so Perini. <BR /><BR /><embed id="dtext86-71944646_quote" /><BR /><BR />Dennoch handle es sich bei den 6,6 Prozent um eine statistische Zahl, die auf dünnem Eis stehe. „Sehr wahrscheinlich ist die Stichprobe sehr klein, was zu einem großen Stichprobenfehler führt“, erklärt er.<BR /><BR /> Dies werde durch den Umstand untermauert, dass derselbe Indikator in den Vorjahren für Südtirol sehr stark schwankte. So lag das Armutsrisiko 2021 bei 9,2 Prozent, 2022 bei 11,7 Prozent und 2023 bei 5,8 Prozent. „Ich denke, die Erhebung von Eurostat ‚gibt es schlichtweg nicht her‘, Daten auf Südtirol und Trentino herunterzubrechen.“ Je kleiner das untersuchte Gebiet, desto größer die Schwankungen. <h3> Andere Erhebungen zeichnen anderes Bild</h3>Der AFI-Direktor und die Caritas-Direktorin weisen zudem auf Erhebungen hin, die ein anderes Bild zeichnen: Laut einer Studie des gesamtstaatlichen Statistikamts ISTAT beträgt die relative Armutsquote der Südtiroler Familien etwa 15 Prozent. Eine Erhebung des Südtiroler Landesamts für Statistik ASTAT geht davon aus, dass fast 12 Prozent der Südtiroler, die in der Privatwirtschaft arbeiten, weniger als 9 Euro brutto pro Stunde verdienen. <BR /><BR />„Jeder fünfte Haushalt in Südtirol ist armutsgefährdet. Das sind circa 40.000 Familien“, weiß Mairhofer. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen) der Bevölkerung verdient. Das betreffe laut Mairhofer insbesondere Alleinlebende, Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern, Nicht-EU-Bürger und Rentner. „In Südtirol haben wir zwar eine hohe Beschäftigungsquote, aber viele Menschen, die von Armut bedroht sind, weil sie ein geringes Einkommen haben.“ <BR /><BR />Detail am Rande: Am unteren Ende der Statistik rangieren Kalabrien (48,8 Prozent) und Kampanien (43,5 Prozent). Sie weisen damit die höchste Armutsgefährdungsquote in der EU auf.