Der Mediziner erklärt, warum sich das Problem nun verschärft hat – und wie man es am besten langfristig in den Griff bekommt. Der Koordinator des Netzwerkes erklärt auch, bei welchen Anzeichen Eltern hellhörig werden sollten. <BR /><BR /> Ursache dafür sei der Lockdown und damit verbunden der fehlende soziale Kontakt für Mädchen, die in dieser Zeit vor allem mit sich selbst und den modernen Medien beschäftigt waren, in denen sich gertenschlanke Vorbilder tummeln.<BR />In Österreich und anderen Ländern weisen bis zu 50 Prozent mehr Kinder und Jugendliche psychosoziale Probleme auf, darunter auch Essstörungen, berichtet Dr. Markart. „Soziale Kontakte sind entscheidend für die Stabilität – das hat sich genauso bei uns gezeigt.“ Etwa 2 Prozent der Bevölkerung leide unter Essstörungen – in etwa 90 Prozent der Fälle seien es Mädchen oder Frauen. „Wir behandeln 590 Patienten im Jahr“, sagt Markart.<h3> Hilfe für Jugendliche in der Villa Eea</h3>In der Villa Eea in Bozen, Carduccistraße 19, einem neuen Therapiezentrum für Essstörungen, bekommen Jugendliche ab 14 Jahren Hilfe: Dort gibt es ein Day Hospital, Ernährungstherapeuten, Psychologen, Psychiater und Ernährungsmediziner. <BR />Zur Villa Eea gehört auch ein Unterstützungstisch. Und es gibt viele Therapieangebote, erklärt Dr. Markart. Junge Patienten werden dort auch stationär aufgenommen: 8 Plätze stehen bereit. Im April hat das Zentrum seine Tätigkeit aufgenommen. Die organisatorische Leitung hat Pfleger Antonello Sanna über. Die Zuweisung erfolgt in Bozen über Mitarbeiter der Psychosomatik-Ambulanz der „Città Azzurra“ in der Sparkassenstraße 8/2 und ansonsten über die Fachleute des Netzwerks für Essstörungen. Die Wohngemeinschaft steht Patienten aus ganz Südtirol offen, das Tageszentrum ist – weil nur untertags geöffnet – Patienten aus dem Großraum Bozen-Leifers-Meran vorbehalten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="799745_image" /></div> <BR />In der Regel werden Essstörungen ambulant behandelt, sagt Dr. Markart. Die Dauer der Behandlung sei lange – und erstrecke sich über 3 bis 5 Jahre. <BR />Vielen Mädchen ist nicht bewusst, welches Risiko sie durch den absichtlich herbeigeführten Gewichtsverlust eingehen. Wer schnell abnimmt, setzt seinen Körper großem Stress aus, erklärt Dr. Markart. Die Folgen reichen von Verstopfung bis zum Darmverschluss und vom Herzbeutelerguss bis zu Osteoporose in der zweiten Lebenshälfte, wenn dem Körper in jungen Jahren zu lange zu wenig Kalzium zugeführt wurde. Unter einem gewissen Körpergewicht beginnt sich das Denken umzustellen, warnt Markart. <h3> Der Teufelskreis der Essstörung</h3>Essstörungen sind typisch für Mädchen ab 12 Jahren. „Der kindliche Körper entwickelt sich in der Pubertät hin zu einem weiblichen Körper, dieser hat andere Formen und ein anderes Gewicht. Ein Körper, der sich verändert, macht Angst und sorgt für Unsicherheit“, erklärt der Koordinator des Netzwerks Essstörungen. Hellhörig werden sollten Eltern zum Beispiel, wenn Mädchen sich vermehrt fürs Essen interessieren, für die ganze Familie kochen, aber dann selbst nicht mitessen wollen. Oder wenn es beim Einkaufen Streit gibt, weil es unbedingt Null-Fett-Produkte sein müssen. <BR /><BR />Typisch für Mädchen mit Essstörungen ist es, dass sie auch viel Sport betreiben. „Das ufert dann aber aus, sie laufen stundenlang, oder 30 Mal die Treppen rauf und runter und machen viele Bauchmuskel- und andere Übungen“, weiß Dr. Markart zu berichten. „Ihr Interessensgebiet engt sich dann ein auf das Essen, auf Kalorien und das Kalorien-Loswerden. Sie vereinsamen immer mehr, suchen sich dann die Bestätigung in der Schule, haben sehr gute Noten, aber ein sehr schlechtes Selbstwertgefühl.“<BR /><BR /> „Magersüchtige hungern zähe, obwohl sie pausenlos an Essen denken“, erklärt Dr. Roger Pycha, stellvertretender Leiter des Netzwerks für Essstörungen. „Im Stress verbraucht das Gehirn bis zu 35 Prozent der gesamten Energie des Körpers, und dauerndes Hungern ist massiver Stress. Gleichzeitig wird aber durch das Fasten deutlich weniger Energie zugeführt, sodass das Gehirn in ein konstantes Kraftdefizit gerät, das wieder den Stress vergrößert. Ein Teufelskreis entsteht“, warnt Dr. Pycha.<BR /><BR /><BR />