Schon Ende 2025 warnten australische und neuseeländische Marktüberwacher erstmals vor Sand-Produkten und starteten Rückrufe. Im Frühjahr 2026 erreichte die Welle den europäischen Spielwarenhandel.<BR /><BR /> Nach Enthüllungen einer niederländischen Zeitung griffen auch die Behörden ein: Das belgische Wirtschaftsministerium erließ Verkaufsverbote, in Deutschland warnen die Verbraucherzentrale Nordrheinwestfahlen und die Stiftung Warentest aktiv vor den belasteten Produkten.<BR /><BR />Unabhängige Labortests belegen das beträchtliche Ausmaß der Verunreinigung. Die Stiftung Warentest wies das extrem gesundheitsschädliche Mineral in fast der Hälfte aller getesteten Proben (10 von 22) nach. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1357953_image" /></div> <BR /><BR />Das gesundheitliche Risiko bewerten Experten als ernst. Schon wenige eingeatmete Asbestfasern lösen nachweislich Lungenkrebs oder schwere Erkrankungen des Rippfells aus. <BR /><BR />Beim Spielen wirbeln die Kinder den trockenen Sand auf und atmen die Fasern direkt ein. Reiner Hautkontakt gilt hingegen als unbedenklich. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung fordert jedoch weitere Untersuchungen, da verlässliche Messungen zur Faserfreisetzung in der Raumluft noch fehlen.<h3> Sandkastensand gilt als unbedenklich</h3>Das Problem betrifft vor allem feinkörnige, gefärbte Sandprodukte für den Innenbereich, wie „Magic Sand“, kinetischen Knet-Sand oder Sand für Schicht- und Klebebilder. Herkömmlicher Sandkastensand für den Außenbereich ist nach derzeitigem Erkenntnisstand asbestfrei.<BR /><BR />Auch in Südtirol haben Techniker die schädliche Substanz im Blick. Sie geben vorsichtig Entwarnung: „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand wurden in Südtirol unter den Produkten, die Gegenstand der jüngsten Meldungen waren, keine asbesthaltigen Erzeugnisse festgestellt“, teilt Flavio Ciesa, Chemiker der Sektion Umweltmedizin im Sanitätsbetrieb, auf Nachfrage mit. <BR /><BR />Im Rahmen der offiziellen Umweltkontrollen sei auch die Probenahme dieser Art von Materialien vorgesehen. So soll verhindert werden, dass gefährliche Materialien überhaupt in Umlauf gelangen.<h3> Tipp: Mit Zitronensäure testen, ob es blubbert</h3>Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch selbst überprüfen, was in der heimischen Spielecke liegt. Entscheidend ist nämlich, ob es sich beim Material um Kalksand oder Quarzsand handelt. Die Art des mineralischen Rohstoffs bestimmt, ob Gefahr droht: Kalkstein lagert in Steinbrüchen nämlich oft in direkter Nachbarschaft zu Asbestadern.<BR /><BR /> Beim Abbau und bei der Verarbeitung des Gesteins geraten die gefährlichen Asbestfasern direkt in den feinen Spielsand. Quarzsand hingegen ist hart und witterungsfest, er gibt keine Fasern frei. Zudem kommt das Gestein in der Natur meist getrennt von Asbestmineralien vor. <BR /><BR />Deshalb ist der klassische Sandkasten-Sand für den Außenbereich laut derzeitigem Wissensstand unbedenklich. Die Prüfer fanden in reinem Quarzsand für den Außenbereich bislang jedenfalls keine Verunreinigung mit Asbest.<BR /><BR /><b>Und so können Sie selbst mit einem kleinen Experiment testen, um welches Material es sich handelt: Sand aus Kalkstein wirft Bläschen, wenn er mit Säure übergossen wird. Geeignet sind Zitronen- oder Essigsäure ab 10 Prozent Konzentration.</b><BR /><BR />Die betroffenen Chargen Kalksand stammen überwiegend aus China. Dort bauen Unternehmen den Rohstoff in Gruben ab, in denen Asbestgestein vorkommt. Auf diese Weise gelangten die Fasern unbemerkt in die Lieferkette. Da der Asbestgehalt je nach Charge stark schwankt, lässt sich das Risiko nicht auf einzelne Marken eingrenzen. Auch sind auf den Packungen die Herkunftsdaten der Produkte nicht immer nachvollziehbar.<BR /><BR />Deutsche Prüfer fanden den gefährlichen Stoff sowohl bei Billig-Online-Marktplätzen wie Shein und Temu als auch im Fach- und Einzelhandel, darunter bei Bauhaus, Thalia und Idee Creativmarkt. Die gemessenen Asbestanteile lagen meist im Spurenbereich unter einem Prozent, erreichten in Einzelfällen jedoch Werte bis zu fünf Prozent. <BR /><BR />Verbraucherschützer raten Familien zu strikten Sicherheitsvorkehrungen. Eltern sollten die Nutzung des Sands sofort stoppen. Wer Reste mit dem Staubsauger aufsaugt, verteilt die mikroskopisch kleinen Fasern ungefiltert in der gesamten Wohnung. Stattdessen sollten Betroffene die Rückstände vorsichtig mit Wasser besprühen, feucht aufwischen und den Sand luftdicht verpackt über den Wertstoffhof als Sonderabfall entsorgen. Zur Sicherheit empfiehlt es sich, dabei FFP2-Maske und Handschuhe zu tragen.