Montag, 18. Juli 2016

Asbest-Prozess: Fünf Jahre Haft für Verleger De Benedetti

Der italienische Großindustrielle und Verleger Carlo De Benedetti und sein Bruder Franco sind am Montag von einem Gericht in der norditalienischen Stadt Ivrea zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ihnen wird fahrlässige Tötung in Zusammenhang mit zehn Asbesterkrankungen vorgeworfen.

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Der ehemalige CEO des Informatik-Konzerns Olivetti und Ex-Industrieminister, Corrado Passera, erhielt ein Jahr und elf Monate Haft. Die drei Angeklagten wurden darüber hinaus zu Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen verurteilt.

Die Angeklagten mussten sich wegen des angeblich durch Asbest hervorgerufenen Todes mehrerer Arbeiter in Werken Olivettis verantworten. De Benedetti, Eigentümer der Tageszeitung „La Repubblica“, war mehrere Jahre lang Olivetti-Chef. Der Prozess wurde gegen insgesamt 17 Personen geführt.

„Ich bin über dieses Urteil überrascht und verbittert. Ich hatte nicht damit gerecht, dass das Gericht die offenkundig haltlosen Forderungen der Staatsanwaltschaft akzeptieren würde. Ich bin für ein Verbrechen verurteilt worden, das ich nicht begangen haben“, erklärte Carlo De Benedetti.

Beim Prozess ging es um den Tod von rund 20 Olivetti-Arbeitnehmern, die nach ihrer Pensionierung in den Jahren 2008 bis 2013 erkrankt sind. Sie hatten von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre über längere Zeit Kontakt mit Asbest. Die Betroffenen litten an Lungen-Mesotheliomen, einer Form von Krebs, die fast immer durch Asbestbelastung verursacht wird.

Laut den ermittelnden Staatsanwälten wussten die Angeklagten über die Gesundheitsrisiken Bescheid, denen die Arbeitnehmer ausgeliefert waren. Sie hätten daher Vorkehrungen treffen müssen.

apa

stol