Sonntag, 21. Februar 2021

AstraZeneca kürzt Lieferungen, Sorge in Italien

In Italien wächst die Sorge um die Fortsetzung der Corona-Impfkampagne. Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat weitere Kürzungen seiner Lieferungen nach Italien angekündigt. In der nächsten Woche sollen die vereinbarten Zustellungen um bis zu 15 Prozent reduziert werden. Damit kommt es zu weiteren Verzögerungen. Ursprünglich war die Immunisierung von 11 Millionen Bürgern bis Ende März vorgesehen.

Einige Regionen haben bereits mit der Impfung des Schulpersonals begonnen.
Einige Regionen haben bereits mit der Impfung des Schulpersonals begonnen. - Foto: © ANSA / CIRO FUSCO / FU
Die Lieferkürzungen sorgen für Unmut unter den 20 italienischen Regionen, die bereits mit der Impfung des Schulpersonals und der Sicherheitskräfte beginnen wollten. Auch in Südtirol werden an diesem Wochenende Lehrpersonen zwischen 40 und 55 Jahren geimpft.

Die Präsidenten der Regionen machen Druck auf die Zentralregierung in Rom, damit sich diese um mehr Impfstoffdosen für Italien bemühe. Die Ungewissheit rund um die Lieferungen sei unzumutbar, protestierte der lombardische Regionalpräsident Attilio Fontana. Er forderte, dass Ministerpräsident Mario Draghi die Initiative bei der EU in Brüssel ergreift, damit die Impfkampagne in Italien zügiger umgesetzt werden könne.

Inzwischen bemühen sich die italienischen Regionen, eigenständig auf dem Markt Impfdosen aufzutreiben. Der Präsident Venetiens, Luca Zaia, erklärte, er habe ein Angebot für den Erwerb von 27 Millionen Dosen Impfstoff erhalten. Er forderte von dem für die Impfkampagne zuständigen Regierungskommissar Domenico Arcuri Grünes Licht, um zusätzliche Vakzindosen für die Bürger seiner Region erwerben zu können. In Italien ist das Gesundheitssystem auf regionaler Basis organisiert. Die Regionen verfügen über Eigenständigkeit beim Erwerb von Pharmamitteln und Vakzinen.

Eigenständige Produktion von Vakzinen

Zugleich wächst der Druck in Italien, dass es im eigenen Land zu einer eigenständigen Produktion von Vakzinen kommt. Italien verfüge über das notwendige Know-how dazu, hieß es in Regierungskreisen. Die italienische Pharmabehörde gab inzwischen Grünes Licht für die zweite Testphase des italienischen Impfstoffes Reithera. Das Anti-Covid-Vakzin, von dem ab September 100 Millionen Dosen pro Jahr hergestellt werden sollen, wurde bisher an Freiwilligen im römischen Krankenhaus Lazzaro Spallanzani getestet.

Wegen steigender Corona-Zahlen sind 3 italienische Regionen – Kampanien, Emilia Romagna und Molise – seit dem heutigen Sonntag orange eingestuft. Restaurants und Bars müssen wieder schließen. Lediglich Take-Away-Dienste sind erlaubt. Auch die Reisefreiheit wird stark eingeschränkt. Die Reproduktionszahl lag italienweit zuletzt bei 0,99.

Der ganz von Italien umschlossene Kleinstaat San Marino hat unterdessen den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V zugelassen. In den kommenden Tagen erwarte die Republik bereits die ersten Dosen, teilte das Staatssekretariat für auswärtige Angelegenheiten am Freitag mit. In dem Kleinstaat leben rund 33.000 Menschen. San Marino ist kein Mitglied der Europäischen Union.

apa/jot