Mittwoch, 26. Februar 2020

Asylanträge steigen erstmals seit 2015

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Asylanträge in der EU erstmals seit dem Krisenjahr 2015 wieder gestiegen. 714.200 Personen suchten 2019 in der EU, Norwegen und der Schweiz („EU+“) um Asyl an - das sind um 13 Prozent mehr als 2018, wie das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) am Mittwoch mitteilte.

Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Asylanträge in der EU um 13 Prozent gestiegen.
Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Asylanträge in der EU um 13 Prozent gestiegen. - Foto: © Shutterstock
Der Anstieg ist vor allem auf die starke Zunahme von Anträgen von Personen aus Lateinamerika - so können etwa Venezolaner oder Kolumbianer visafrei in Spanien einreisen - zurückzuführen. Mit 45.000 verdoppelte sich die Zahl der Anträge aus dem Krisenland Venezuela, sprunghaft stieg auch die Zahl der Anträge aus Kolumbien und El Salvador an.

Aber auch Afghanen stellten um ein Drittel mehr Anträge als noch im Vorjahr. Aus Syrien kamen mit über 72.000 erneut die meisten Asylanträge. In den „Top 10“ der Herkunftsländer findet sich neben Syrien, Afghanistan, Venezuela und Kolumbien auch der Iran, Pakistan, die Türkei, der Iran, Nigeria und Albanien. Starke Zuwächse - ausgehend von einem niedrigen Niveau - gab es bei Anträgen aus Kuba, der Republik Moldau, der Demokratischen Republik Kongo, Angola und China.

Insgesamt kam ein Viertel aller Asylgesuche von Menschen, die visafrei in den Schengenraum einreisen können. Allerdings haben diese auch - mit der Ausnahme von El Salvador (37 Prozent) - eine relativ niedrige Anerkennungsquote. Die höchste Anerkennungsrate haben Syrer (85 Prozent), Jemeniten (82 Prozent) und Eritreer (81 Prozent).

Nordmazedonier und Moldauer haben am wenigsten Chancen auf einen positiven Bescheid (1 Prozent). Albanien ist Anwärter für EU-Beitrittsgespräche. Auch venezolanische und afghanische Staatsbürger haben derzeit eine relativ niedrige Anerkennungsquote. Insgesamt führte ein Drittel der Anträge laut EASO zu positiven Entscheidungen.

Großteil der Anträge sind Folgeanträge

Bei 10 Prozent aller Anträge handelt es sich um Folgeanträge im gleichen Land, sie wurden also von Personen gestellt, denen schon einmal Asyl verwehrt wurde. Insgesamt wurden in erster Instanz über 570.000 Asylentscheidungen getroffen.

Die aktuellen EASO-Zahlen geben noch keine Auskunft darüber, wie viele Asylanträge in welchem EU-Land gestellt wurden. Wie die spanische Tageszeitung „El Pais“ berichtete, ist Spanien aufgrund des starken Anstiegs aus Lateinamerika erstmals das Land mit der höchsten Zahl von Asylanträgen.

Derzeit stammen rund 35 Prozent der Anträge von Venezolanern, 25 Prozent von Kolumbianern, 5,8 Prozent von Honduranern, 5 Prozent von Nicaraguanern und 4 Prozent von Salvadorianern. Im Rest der EU sind Syrer, Afghanen und Iraker die Top-Nationalitäten.

apa