Freitag, 24. Mai 2019

Auch in Österreich Schülerprotest für mehr Klimaschutz

Im Zuge der 2. weltweiten „FridaysForFuture”-Proteste für mehr Klimaschutz am Freitag sind auch in Österreich vor allem Schüler auf die Straße gegangen. Am Wiener Heldenplatz versammelten sich hunderte Demonstranten, um dann gemeinsam durch die Innenstadt zu ziehen. „Heute haben wir noch Hoffnung - in zehn Jahren nicht mehr”, sagte eine Sprecherin.

Klima-Demo auf dem Wiener Heldenplatz Foto: APA
Klima-Demo auf dem Wiener Heldenplatz Foto: APA

Die laut Polizei rund 1.500 Demonstranten taten ihren Unmut auch in vielen Schildern kund, auf denen etwa „Make the climate cool again”, „Keine Ausreden mehr” oder „Wir streiken, bis ihr handelt” zu lesen war. Die Redner bei der Anfangskundgebung riefen die - bereits wahlberechtigten - Teilnehmer dazu auf, bei der EU-Wahl mitzumachen: „Stimmt im Sinne von uns allen”. Bei dem Protest konnten aber alle eine „Wahlkarte für die Zukunft” ausfüllen, die dann in einer gläsernen Urne vor dem Haus der Europäischen Union gesammelt und an einen Kommissionsvertreter übergeben wurden.

Anschließend wurde vor dem Rathaus die Forderung nach der Ausrufung des Klimanotstands an die Wiener Stadtregierung herangetragen. „Dies bedeutet eine Selbstverpflichtung, die Klimakrise als solche anzuerkennen, an die Bevölkerung zu kommunizieren und Klima- und Umweltschutzmaßnahmen in allen Belangen vorrangige Priorität einzuräumen”, hieß es.

Um 13.00 Uhr war dann am Wiener Heldenplatz die Schlusskundgebung angesetzt. Die Organisatoren kündigten aber an, die Proteste weiterhin solange fortzusetzen „bis die Politiker reagieren”. Am nächsten Freitag wird erneut - wenn auch in kleinerem Rahmen - der Schulstreik fortgesetzt. Doch bereits am Dienstag wird es wohl erneut zu einem Massenaufmarsch am Heldenplatz kommen: Hier wird beim „Austrian World Summit” die Initiatorin der „FridaysForFuture”-Bewegung, die 16-jährige Greta Thunberg, nach Wien kommen. Ab 17.00 Uhr soll sie dann - gemeinsam mit Gastgeber Arnold Schwarzenegger - eine frei zugängliche Rede halten.

Neben Wien wird auch in Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Bregenz, Eisenstadt, Gmunden, Ried im Innkreis sowie in Pöllau demonstriert. Im Fokus des neuerlichen Klimastreiks stehen die anstehenden Europawahlen. Beim ersten großen Klimastreik am 15. März gingen in Österreich mehr als 20.000 Schüler und Studenten auf die Straße.

Rund 1.000 Schüler und Schülerinnen sowie Erwachsene haben am Freitag bei der Demonstration in Graz teilgenommen. Sie zogen ab 12.00 Uhr vom Mariahilferplatz über die Radetzkybrücke Richtung Hauptplatz und forderten: „Listen to us children.” Diesmal mit dabei war ein E-Auto, das voran fuhr - es sei der erste „klimaneutrale Streik”, so die Demo-Sprecher. Großer Andrang herrschte in Linz, wo die Polizei rund 2.000 Teilnehmer schätzte. Waren sie bei der letzten großen Fridays-for-Future-Demo Mitte März im strömenden Regen gestanden, kamen diesen Freitag so manche Demo-Teilnehmer ins Schwitzen

Unterstützung gab es erneut von den Umwelt-NGOs: „Viele Schülerinnen und Schüler, die heute für ihre Zukunft auf die Straße gehen, können bei der bevorstehenden EU-Parlamentswahl nicht mitreden. Daher liegt es in den Händen aller Wahlberechtigten, am 26. Mai auch zugunsten der kommenden Generationen ein gerechtes, ökologisches und unabhängiges Europa zu wählen”, sagte Greenpeace-Klimaexperte Adam Pawloff. Auch Global 2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller forderte „eine soziale und ökologische Ausrichtung der EU, damit wir die Klimakrise lösen können”. Der WWF Österreich verlangte von allen Parlamentsparteien, „noch vor der Neuwahl ein ambitioniertes Klimaschutz-Programm mit konkreten Maßnahmen auf Schiene zu bringen”.

Mit Protesten Zehntausender Schüler ist auch in Neuseeland der sogenannte weltweite Klimastreik am Freitag in die zweite Runde gegangen. In der Hauptstadt Wellington sowie in mehr als 20 anderen Städten blieben Schüler dem Unterricht fern und gingen stattdessen auf die Straße.

Die Sprecherin der Kampagne in Neuseeland, Sophie Handford, forderte die Regierung des Pazifikstaats auf, einen „Klima-Notstand” auszurufen. Zwei Tage vor dem Haupttag der Europawahl plant die Gruppe „FridaysForFuture” Kundgebungen an mehr als 1.600 Orten in rund 120 Ländern weltweit. Dabei sind auch Schüler in mindestens 215 deutschen Städten - so viele wie in keinem anderen Land. Auch in Österreich sind mehrere Demos angesetzt, die größte ab 9.00 Uhr auf dem Heldenplatz. Besonders viele Protestaktionen sind außerdem in Italien, Großbritannien, den USA und der schwedischen Heimat der Klimaschützerin Greta Thunberg angekündigt.

An der ersten Auflage eines globalen Klimaprotesttages hatten sich am 15. März weltweit etwa 1,9 Millionen Menschen beteiligt. Nach Thunbergs Vorbild gehen Schüler und junge Erwachsene seit Monaten immer freitags auf die Straße - meist während der Schulzeit. Mittlerweile haben sich auch viele Erwachsene den Demonstranten angeschlossen.

apa

stol