Samstag, 17. Oktober 2015

„Auch unsere Politiker haben die Schließung beschlossen“

Sanitätsreform und kein Ende: Bereits seit über einem Jahr wird über die Reform das Sanitätswesens in Südtirol diskutiert – Ergebnisse gibt es noch wenige. Dies schüre Unsicherheit und führe in der Folge dazu, dass viele Fachärzte sich nach einem neuen Job umsehen würden. Das bemängelten am Samstag die Initiativgruppen für die drei Kleinspitäler Innichen, Schlanders und Sterzing bei einer gemeinsamen Tagung in Brixen.

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„Ich beobachte den Fortgang der Reform mit großer Sorge“, sagte Anton Theiner, ärztlicher Leiter des Krankenhaus Schlanders. Bereits die bloße Ankündigung, die drei Kleinspitäler würden zu Tageskliniken umgewandelt, hätte zu einer immensen Unsicherheit innerhalb der Ärzteschaft geführt. So sei es wenig verwunderlich, dass gar einige Fachärzte und Primare sich nach einem neuen Arbeitgeber umgesehen hätten. „Die Ankündigung der Landespolitiker in den vergangenen Jahren, dass alle sieben Krankenhäuser erhalten bleiben, sind bloße Lippenbekenntnisse geblieben“, polterte Theiner.

In dieselbe Kerbe schlug auch Robert Pfitscher, Primar am Krankenhaus Sterzing: „Wenn die Reform in der geplanten Art und Weise umgesetzt wird, dann wird sich kein qualifizierter Facharzt mehr auf Arbeitssuche in den Spitälern von Innichen, Schlanders oder Sterzing begeben“, so Pfitscher. „Diese drei Krankenhäuser bluten innerlich aus.“

Nicht nur „das böse Rom“ ist Schuld

Dann ging die Diskussion auf die Geburtenabteilungen über, die immer noch nicht gesichert seien. Der Grund: Die Staat-Regionen-Konferenz habe beschlossen, dass all jene Geburtenabteilungen, in denen es jährlich weniger als 500 Neugeborene gibt, geschlossen werden müssen.

„Das stimmt zwar, man müsse aber auch die volle Wahrheit sagen“, ärgerte sich ein ehemaliger Bediensteter an der Innichner Geburtenabteilung. Es sei nämlich nicht nur das böse Rom gewesen, das die Schließung der Geburtenabteilungen beschlossen habe, sondern auch Südtirols Politiker selbst, so der pensionierte Facharzt. Beschlossen worden sei dies durch den „accordo stato-regioni“ im Jahr 2010, betonte der pensionierte Facharzt. Man dürfe also nicht immer nur die römische Regierung dafür verantwortlich machen, dass man nun Geburtenabteilungen schließen soll.

Plangger will nicht plaudern

Der Vinschger Kammerabgeordnete Albrecht Plangger sagte in seiner abschließenden Stellungnahme, Südtirols Politiker hätten dieses Abkommen im Jahr 2010 in der Meinung  unterschreiben, dass Südtirol ohnehin autonom sei, und daher tun könne, was es wolle. Da dem scheinbar nicht so ist, hoffe man nun darauf, dass Rom nun doch nicht auf die exakte Einhaltung dieses Abkommens bestehe.

Plangger sagte diese Sätze wohl in der Meinung, dass kein Pressevertreter im Saal anwesend sei. Als ihn STOL nämlich anschließend um ein Interview bat, sagte er, dass er öffentlich nichts dazu sagen möchte.

Besagtes Abkommen zwischen der Region und den beiden Provinzen Südtirol und Trentino mit dem Staat, wurde am 16. Dezember 2010 vom Ministerrat in Rom verabschiedet – unterschrieben vom damaligen Regionenminister Raffaele Fitto.

sor

stol