Samstag, 25. April 2015

Auch zwei Schlepper im Unglücksschiff ertrunken

An Bord des am vergangenen Sonntag in libyschen Gewässern gekenterten Flüchtlingsschiffes mit mindestens 850 Menschen an Bord befanden sich auch vier Schlepper, zwei davon ertranken. Dies geht aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Catania hervor.

Archivbild
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Bei den ertrunkenen Schleppern handelt es sich um zwei Somalier. Sie hatten die Schlüssel des Laderaums, in dem über 700 Menschen, darunter mehrere Kinder, eingepfercht waren. Sie alle kamen beim Schiffsuntergang ums Leben.

Inzwischen gibt es weitere schwere Vorwürfe gegen den nach seiner Landung in Catania festgenommenen tunesischen Kapitän. Der 27-Jährige sei mit Pistole und Stöcken bewaffnet gewesen. Er hielt per Satellitentelefon Kontakt zu einem Schlepper auf dem Festland, der die Flüchtlingsreise organisiert haben soll, berichteten die Staatsanwälte. Die U-Haft für den Kapitän und das Besatzungsmitglied wurden am Freitag verlängert.

Nur 28 Menschen konnten sich retten

Laut den Justizbehörden auf Sizilien sei der Kapitän für die Kollisionen gegen das portugiesische Handelsschiff verantwortlich, das dem Notruf der Flüchtlinge gefolgt war. Als der Tunesier das Schiff „King Jakob“ sichtete, habe er einen Fluchtversuch unternommen. Dabei sei es zu drei Kollisionen gekommen, das heillos überladene Flüchtlingsschiff sei umgekippt.

Personal des Schiffes der italienischen Marine „Gregoretti“, das den Migranten Hilfe leistete, berichtete, über 100 Leichen im Meer gesichtet zu haben. Lediglich 28 Menschen – darunter der Kapitän des Flüchtlingsschiffes und das Besatzungsmitglied – konnten sich retten. 24 Leichen wurden geborgen und nach Malta gebracht.

Die Staatsanwälte berichteten auch, dass einige Flüchtlinge schon vor dem Kentern des Schiffes gestorben seien. Vor der Abfahrt sollen Schlepper einen jungen Migranten mit Stöcken totgeschlagen haben. Laut Berichten von Überlebenden waren die Schlepper auf den jungen Migranten im Schlauchboot, das die Flüchtlinge zu dem Frachter brachte, losgegangen. Der Grund: Er hatte es gewagt, im Boot aufzustehen. Die Leiche wurde demnach ins Meer geworfen. Andere Migranten seien während der Fahrt an Hunger und Erschöpfung gestorben, ihre Leichen wurden ins Wasser geworfen.

Identifizierung der Opfer schwierig

Der Staatsanwalt von Catania, Giovanni Salvi, erklärte, er habe aus Malta Dokumente zu den Todesopfern des Schiffbruchs erhalten. Er bemühe sich um die Identifizierung der Toten dank Aussagen der Überlebenden. Die Identifizierung sei jedoch problematisch, räumte Salvi ein.

Inzwischen werde nach dem Wrack gesucht. Die Hoffnung sei, die Leichen der im Laderaum eingesperrten Flüchtlinge bergen zu können.
Die Flüchtlingswelle aus Nordafrika nach Italien reißt unterdessen nicht ab. 228 Migranten wurden von der italienischen Küstenwache seit Freitag gerettet.

Zwei Flüchtlingsboote wurden circa 40 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt in Sicherheit gebracht. Weitere 80 Migranten wurden von drei tunesischen Fischerbooten gerettet. Die Flüchtlinge waren von Zaura in Libyen, 60 Kilometer von der tunesischen Grenze, abgefahren. Sie wurden nach Tunesien gebracht, wie italienische Medien berichteten.

apa

stol