Sich überlagernde Krankheiten, chronische Schmerzen, ein Mix aus Medikamenten mit zum Teil starken Nebenwirkungen … Schlafstörungen, Ängste und Depressionen. Insbesondere Senioren im höheren Alter kennen das nur allzu gut. Die Lebensqualität der Betroffenen sinkt enorm – und das in einer Phase, in der oft nicht mehr viel Zeit zum Leben bleibt.<BR /><BR />Auf ein neues Therapiekonzept – eben insbesondere für ältere Menschen – möchte deshalb die Patientenvereinigung „Cannabis Social Club Bozen“ hinweisen. Und zwar mit einer Vortragsreihe zum Einsatz von medizinischem Cannabis, deren Ausgangspunkt der „Tag der Senioren“ (bzw. „Internationaler Tag der älteren Menschen“) am 1. Oktober war.<BR /><BR />„Insbesondere Senioren suchen nach Lösungen für ihre Beschwerden. Cannabis kann dabei eine gute Alternative darstellen“, so Peter Grünfelder, Koordinator der Vortragsreihe und Gründer der Patientenvereinigung. Diese Woche fanden mehrere Vorträge mit spezialisierten Ärzten in Al<?TrVer> ters- und Seniorenheimen im ganzen Land statt, bei denen vor allem Aufklärungsarbeit geleistet werden sollte. Aufklärungsarbeit für Patienten, Angehörige, Pflegepersonal und auch Ärzte.<BR /><h3>„Greise auf Gras“? Der Kampf gegen Vorurteile</h3>Denn es gilt, einer Reihe von Vorurteilen und Fehleinschätzungen entgegenzutreten, wie Peter Grünfelder erklärt. Etwa der Vorstellung, dass Opa oder Oma auf der Altersheimterrasse einen Joint rauchen könnte. „Medizinisches Cannabis wird meist als Öl angewendet und nicht geraucht. Es wird in Tropfen verabreicht und kann ganz präzise dosiert werden.“ Im Gegensatz zu Opiaten sei medizinisches Cannabis „ein Wässerchen“, unterstreicht Grünfelder. Und illegal sei medizinisches Cannabis bei Verschreibung im Rahmen einer Therapie durch den Arzt auch nicht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948289_image" /></div> <BR /><BR />Weil hier viel Aufklärungsarbeit notwendig sei, hat die Patientenvereinigung „Cannabis Social Club Bozen“ umfassende Informationen zum Einsatz von Cannabis bei Senioren und Patienten mit chronischen Krankheiten in einer eigenen Broschüre gebündelt, die auch von der Landesabteilung Gesundheit unterstützt wurde. Medizinisch federführender Autor ist der deutsche Facharzt für Anästhesie, Schmerztherapie und Palliativmedizin Dr. Knud Gastmeier, der seit 20 Jahren mit Cannabis-Arzneimitteln arbeitet und dazu forscht.<h3> Vorteile von medizinischem Cannabis: Das sagt der Arzt</h3>„Ich sehe den großen Gewinn im Umstand, dass man in die Homöostase eingreift. Wir haben ja ein Endocannabinoid-System, das Stimmung, Schmerz, Appetit, Angst, Depression, Schlaf usw. regelt. Und das scheint bei älteren Leuten außer Kraft gesetzt oder durch andere Medikamente unterdrückt zu sein. Und da kann man mit sehr niedrigen Dosen ganz effektiv therapieren“, erklärt Dr. Knud Gastmeier.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948292_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Nebenwirkungen gebe es bei guter Einstellung kaum, so Dr. Gastmeier. Zudem betont er: „Starke Medikamente – wie Opiate und Psychopharmaka – können außerdem durch medizinisches Cannabis reduziert werden. Es gibt also einen doppelten Gewinn. Wir minimieren das Risiko der etablierten Therapie und können die Symptome – vom Schmerz über Schlafstörungen bis zur Depression – sehr effektiv therapieren.“<h3> „Cannabis als Medikament und nicht als Suchtmittel“</h3>Ebenso wie Peter Grünfelder sah Dr. Gastmeier die Vortragsreihe neben der medizinischen Aufklärung vor allem als Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. Es gehe um den Einsatz von medizinischem Cannabis, ärztlich kontrolliert, verordnet und überwacht. „Das hat nichts mit Kiffen zu tun. Und es ist auch kein Lustgewinn, den die Patienten da haben.“ Wichtig zu unterstreichen sei also die Bedeutung von „Cannabis als Medikament – und nicht als Suchtmittel“.<BR /><BR />Dies gelte es nicht nur bei Patienten und Angehörigen zu unterstreichen, sondern nicht zuletzt bei Pflegepersonal und Ärzten, die einen Therapieplan in Betracht ziehen und umsetzen müssten.<h3> Wie der Einsatz funktioniert</h3>Konkret erstellt der Facharzt einen individuellen Therapieplan, verschreibt das Cannabis (kann vom Hausarzt fortgesetzt werden) und passt die Dosierung an, wie Dr. Alexander Angerer, Komplementärmediziner mit Praxis in Naturns und Vorstandsmitglied beim „Cannabis Social Club Bozen“ erklärt. Entgegen mancher Vermutung trage das Gesundheitssystem auch die Kosten dafür <I>(Anm.: in den zugelassenen Anwendungsbereichen: Erkrankungen mit Spastik, chronische Schmerzen, Übelkeit/Erbrechen bei z.B. Chemotherapie, Kachexie/Anorexie/Appetitlosigkeit, Tourette-Syndrom, Augendrucksenkung bei Glaukom)</I>. Vereinzelt wird medizinisches Cannabis schon in heimischen Seniorenheimen eingesetzt.