Wir zeigen, wie oft es in Südtirol gekracht hat und wo sich die Unfall-Hotspots befinden.<BR /><BR />Insgesamt 455 folgenschwere Verkehrsunfälle mit in Summe 701 Verletzten und 15 Toten. Das ist die ebenso traurige wie blutige Bilanz auf Südtirols Staats- und Landesstraßen im Jahr 2021. Oder etwas bildlicher formuliert: Im Prinzip gibt es jeden Tag irgendwo im Land zumindest einen schweren Verkehrsunfall mit durchschnittlich zwei Verletzten. <BR /><BR />Nachzulesen sind diese – von Polizei und Carabinieri erhobenen und an den Italienischen Automobilclub ACI vermeldeten – Daten im alljährlichen Unfallreport, der letzthin veröffentlicht wurde (siehe Factbox). <BR /><BR /><embed id="dtext86-57175544_listbox" /><BR /><BR />Allerdings sind darin ausschließlich Unfälle auf Autobahnen und Überlandstraßen bzw. Staats- und Landesstraßen erfasst und pro jeweiligem Gemeindeabschnitt verzeichnet. Mit der Folge, dass etwa der Anteil der Gemeinde Waidbruck an der Brennerautobahn statistisch gleichwertig erscheint wie jener der Gemeine Bozen. Zudem fehlen sämtliche Verkehrsunfälle, die sich auf Gemeindestraßen und Konsortialwegen ereigneten, was einen Vergleich mit den Zahlen des Landesstatikamtes ASTAT erschwert. <BR /><BR />Denn ein Blick in dessen Jahrbücher 2018 bis 2020 zeigt: In den Zeiten vor Corona gab es landesweit etwa 1700 Unfälle im Jahr mit über 2200 Verletzten und durchschnittlich 36 Toten, davon der Großteil auf lokaler Ebene – also dort, wo die ACI-Statistik nicht greift. Ebenso fehlt darin eine Typologisierung – also ob Lkw, Pkw, Motorrad, Fahrrad oder Fußgänger in den Unfall verwickelt waren.<h3> Erstaunlich: Überlandstraßen gefährlicher als die Autobahn</h3>Diese Datensatz-„Löcher“ im Hinterkopf behaltend, lassen sich dennoch interessante Faktoren zur potenziellen Unfallgefahr für Pendler, Urlauber & Co ableiten. Etwa im Ranking der gefährlichsten Verkehrshauptadern <i>(siehe Grafik unten)</i>. Erstaunlich ist hier der Vergleich Brennerstaatsstraße (SS 12) und Brennerautobahn (A 22), der zu Ungunsten der SS 12 mit all ihren Gefahrenstellen – also Tunneln, Umfahrungen, Kreisverkehren und Kreuzungen – ausfällt. Aber auch die „gefühlte“ Gefahr auf den vom Reise- und Lieferantenverkehr geplagten Routen durch das Pustertal und durch den Vinschgau findet Niederschlag.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="837821_image" /></div> <h3>Hier ist's besonders gefährlich!</h3>Diese „Hauptachsen“ wiederum in die einzelnen Abschnitte – also die Anlieger-Gemeinden – zerlegt, offenbart sich noch eine andere statistische Erkenntnis: Meist verteilen sich die Unfall-/Verletztenzahlen relativ uniform entlang der jeweiligen Strecke; auf der SS 38 von Bozen bis zum Stilfser Joch sind sämtliche Vinschger Gemeinden betroffen – allen voran Schlanders mit 13 Unfällen (19 Verletzte) vor Laas mit acht Unfällen (20 Verletzte). Ähnlich ist das Bild auf der SS 12 von Salurn bis Brenner, wobei Neumarkt mit 11 Unfällen (17 Verletzte) noch vor Bozen mit acht Unfällen (15 Verletzte) liegt. <BR /><BR />Todesfälle hingegen waren auf allen bisher genannten Streckenabschnitten keine zu verzeichnen, sehr wohl aber andernorts auf genau diesen Staats- und Landesstraßen: Sechs Menschen kamen 2021 auf der SS 12 ums Leben, vier Personen auf der SS 49 (Pustertal) und jeweils zwei Todesopfer gab es auch auf der SS 38 sowie der A22.<BR /><BR />Nicht zu vergessen die Mendelpassstraße (SS 42) auf dem Eppaner Gemeindegebiet (also ohne den Kalterer Abschnitt!), wo im Vorjahr eine Person starb – bezeichnenderweise ein Fußgänger, wie der Blick ins Archiv zeigt. Aber auch unabhängig davon war dies der Crash-Hotspot 2021.<h3>Das ewige Leid zwischen Frangart, Pillhof und Mendel </h3>Nimmt man alle drei Parameter (15 Unfälle, 22 Verletzte, 1 Toter) zusammen, dann ist die Mendelpassstraße (SS 42) zwischen Frangart und den Mendelpass-Kehren bei der Eppaner Fraktion Gand eindeutiger Spitzenreiter, mehr Verletzte gab es 2021 nirgendwo im Land. <BR /><BR />Selbst italienweit liegt dieser Abschnitt auf Rang 347 von 6627 erfassten Abschnitten. Eine traurige Bilanz, deren Ursachen jüngst im allmorgendlichen Berufsverkehr vor Augen geführt wurden: Mehrmals krachte es wieder bei der MeBo-Ein-/Ausfahrt Eppan – trotz Entschleunigungsmaßnahmen. <BR /><BR />Darauf angesprochen, sagt der Eppaner Bürgermeister Wilfried Trettl: „Diese Zahlen machen einen natürlich betroffen und zeigen die traurige Ist-Situation. Beim Wort Mendelpassstraße haben alle nur die Motorradunfälle auf der Passstraße selbst – die dort übrigens großteils auf Kalterer Gebiet liegt – im Kopf. Tatsächlich sind die Gefahrenstellen aber auf dem Eppaner Gebiet.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="837824_image" /></div> <BR /><BR />Damit meint Trettl vor allem die gefährliche MeBo-Ein-/Ausfahrt und den blechschadengebeutelten Bereich beim Pillhof, andererseits aber auch die Fußgänger-Übergänge zwischen St. Michael und Gand: „Unsere Gemeinde ist hier immer nur Bittsteller beim Land. Mehr als einzelne Eingriffe gab es nicht.“ Dennoch hegt er die Hoffnung, dass – zumindest bei der MeBo – vielleicht etwas passiert: „Es laufen Studien, um diesen Gefahrenbereich mit zwei Kreisverkehren zu entschärfen. Und ein Speed-Check ist an anderer Stelle der SS 42 angedacht.“ <BR /><BR />Letzteres ist aber die einzige kurzfristige Maßnahme, auf die Trettl hoffen kann. Doch dass sich was ändern muss, zeigen Stimmen aus den Reihen der Einsatzkräfte. Oder wie Trettl sagt: „Ob Feuerwehr, Polizei oder Weißes Kreuz – auch für sie ist das eine enorme Belastung. Fast jeder Einsatz auf der Mendelpassstraße heißt: Es ist wieder etwas Schlimmes passiert!“<BR />