Mittwoch, 20. Januar 2021

Auf Suche nach Fotomotiv abgestürzt – Trauer um Erika Gamper

Ihre Leidenschaft für besonders schöne Fotos hat Erika Gamper, ehemalige Fotografin der „Dolomiten“, am Dienstag das Leben gekostet. Auf der Suche nach dem besonderen Motiv hat sie sich zu weit über das schneebedeckte Geländer einer Brücke über die Plima im Martelltal gelehnt und ist abgestürzt.

Die Fotografie war ihre Leidenschaft: Erika Gamper starb am Dienstag bei einem tragischen Unfall im Martelltal.
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Die Fotografie war ihre Leidenschaft: Erika Gamper starb am Dienstag bei einem tragischen Unfall im Martelltal.
Erika Gamper hatte sich am Dienstag auf den Weg ins Martelltal gemacht – mit Hund und Fotokamera. Das Auto stellte sie auf einem Parkplatz am Talschluss ab.

Dann machte sich die 57-Jährige auf den Weg – wie immer auch auf der Suche nach besonders schönen Fotomotiven. Denn ihr ehemaliger Beruf ist auch nach der Pensionierung ihre Leidenschaft geblieben. Die verschneite Winterlandschaft bot jede Menge Motive.

Tief verschneites Geländer führte zu fataler Täuschung

Vom ehemaligen Hotel „Paradiso“ führt ein Forstweg zum Parkplatz am Ende der Straße im Talschluss. Kurz vor dem Parkplatz ist eine Holzbrücke, die über die Plima führt. Von der Brücke geht der Blick zu einer Bergspitze, die beim Sonnenuntergang ein besonders schönes Motiv abgibt. Dort hat Erika Gamper den Hund ans Geländer angehängt, um ungestört fotografieren zu können.

Das Geländer war tief verschneit und erschien dadurch wohl wesentlich höher als es war. Eine fatale Täuschung. Denn sie verleitete Erika Gamper dazu, sich zu weit nach vorne zu lehnen. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte rund 20 Meter ab.

Nachdem sie auch am späten Abend noch nicht wieder daheim war, schlug die Familie Alarm, und gegen 23.30 Uhr wurde die Bergrettung Martell für die Suchaktion alarmiert.

Die Bergretter fuhren in Richtung Hintermartell, zunächst bis zum Stausee und dann weiter bis zum Talschluss. Dort hatten in der Zwischenzeit die Carabinieri das Auto von Erika Gamper gefunden. Schon kurze Zeit später wurde auch der Hund von Gamper gefunden, noch immer an das Geländer der Holzbrücke angeleint.

Mit Scheinwerfern wurde daraufhin die Umgebung abgesucht und der Körper der Vermissten schließlich in der Plima gefunden. Bergretter stiegen ab und bargen die Leiche von Erika Gamper.


Im Einsatz standen neben den Carabinieri auch die Feuerwehr Martell, die die Bergretter unterstützte, sowie die Notfallseelsorge, die die Angehörigen betreute.

Um Erika Gamper trauern Erwin Hofer, ehemaliger RAI-Journalist, und die Söhne Mathias und Florian.

Erika Gamper bei den „Dolomiten“

1985 begann der berufliche Werdegang von Erika Gamper bei den „Dolomiten“. Gesucht war ein Fotograf/Fotografin mit dem richtigen Blick für das besondere Foto. Und da war Erika Gamper genau die richtige, sie hatte immer den besonderen Blickwinkel, das ausgefallene Motiv und vor allen Dingen sehr viel Geduld. Bis sie nicht das „richtige“ Foto hatte, gab sie keine Ruhe. Dabei machte es ihre offene und lebensfrohe Art, jedem „Fotomodell“ leicht, mit einem Lächeln im Gesicht abgelichtet zu werden.

Gefragt waren ihre Fotos für die Tagezeitung „Dolomiten“, aber auch für den Wiku, die Südtiroler Frau, ja auch im Reimmichl-Kalender waren sie zu finden. Im Laufe ihrer insgesamt 27,5 Jahre als Fotografin im Hause Athesia war sie bei so manchem wichtigen Ereignis dabei, so machte Gamper etwa Fotos vom Urlaub von Papst Benedikt XVI. in Südtirol, und hatte so manchen Promi vor der Kamera. Mit Ende April 2013 ging Gamper in den Frühruhestand – und fotografierte fortan nur mehr privat.

ih

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