Der gebürtige Trentiner und passionierte Läufer vergleicht seine Zeit im Polizeidienst mit einer Rennstrecke: „42 – so viele Kilometer hat ein Marathon. Es war ein wunderbarer Marathon und ein tolles Abenteuer. Aber jetzt bin ich auch gerne im Ruhestand.“<BR /><BR /><b>Sie waren über 14 Jahre lang Leiter Post- und Kommunikationspolizei Bozen – heute Sektion der Cyber-Sicherheit Bozen. Was ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?</b><BR />Ivo Plotegher: Ich möchte mich zunächst bei meinen Vorgesetzten und meinen Mitarbeitern bedanken, denn nur durch eine effektive Teamarbeit werden bestimmte Ergebnisse erzielt. Der Verdienst steht also sicherlich mehr ihnen als mir zu. Einer der wichtigsten Ermittlungserfolge betrifft sicher die Online-Kinderpornografie: Bei der Aktion „Black Shadow“ im Jahr 2017 konnten 10 Personen auf frischer Tat verhaftet werden. Die Ermittlungen gingen damals vom Pustertal aus und betrafen insgesamt 13 Regionen Italiens mit insgesamt 48 Ermittlungsverfahren wegen Besitz/Verbreitung von kinderpornografischem Material.<BR /><BR /><b>Sie haben aber auch stets viel Wert auf Prävention gesetzt...</b><BR />Plotegher: Ja, in der Tat. Wir haben zum Beispiel zahlreiche Sensibilisierungsveranstaltungen in Schulen und bei Vereinen – auch in den entlegensten Orten Südtirols – abgehalten. Die haben vor allem die Aufgabe, eine Reihe von Informationen zu übermitteln, um dadurch eine sicherere und bewusstere Verwendung des Internet-Netzwerkes zu gewährleisten. Aber auch die Prävention und Abwehr von Cyberangriffen auf die IT-Infrastrukturen von Unternehmen gehören dazu. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63741795_quote" /><BR /><BR /><b>Glauben Sie, dass die Bürger heute beim Surfen im Internet vorsichtiger geworden sind?</b><BR />Plotegher: Ich würde sagen, dass es unter den Benutzern sicherlich mehr Informationen gibt, auch dank der Sensibilisierungs-und Informationsaktivitäten, die mehrere Personen/Organisationen, darunter die Staatspolizei, seit mehreren Jahren in diesem Bereich durchführen. Das hat sicherlich dazu beigetragen, dass es glücklicherweise bisher zu keinen alarmierenden Situationen gekommen ist.<BR /><BR /><b>Junge Menschen fühlen sich zunehmend von der virtuellen Welt angezogen. Was raten Sie ihnen als Polizist, aber auch als Vater?</b><BR />Plotegher: Man soll sich nicht zu sehr in das virtuelle Leben eintauchen, sondern stets an das berühmte lateinische Sprichwort „Est modus in rebus“ (Es gibt immer ein Maß in allen Dingen) denken; man soll sich also auch dem wirklichen Leben widmen, den persönlichen Kontakt pflegen sowie ganz allgemein Sport und Freizeitaktivitäten ausüben. Und schließlich: Man soll nicht immer alles glauben, was im Netz geschrieben steht, sondern man soll das Netz nutzen, jedoch sich nicht vom Netz benutzen lassen. Dies ist eine Regel, die auch für Erwachsene gilt, was soviel heißt, Technologie ist neutral, es liegt an uns, ob sie eine positive oder negative ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1003550_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie fühlen Sie sich und was werden Sie als Rentner tun?</b><BR />Plotegher: Ich war 42 Jahre im Polizeidienst – 42, so viele Kilometer hat auch ein Marathon. Es war ein wunderbarer Marathon und ein tolles Abenteuer. Aber jetzt bin ich auch gerne im Ruhestand. Ich habe derzeit kein bestimmtes Projekt. Ich werde damit beginnen, in aller Ruhe das zu tun, was ich früher in Eile tun musste oder aufzuschieben gezwungen war. Was dann den Rest anbelangt, so werden wir sehen.<BR /><BR /><b>Erlauben Sie mir eine letzte Frage: Sie sprechen perfekt deutsch, woher kommt das?</b><BR />Plotegher: Mein Vater stammte aus Folgaria, aber meine Mutter Dorothea Gebert – übrigens die Schwester von Waltraud Gebert Deeg – aus Bruneck. Wir Kinder – Alois, Silva und ich – sprachen mit der Mutter deutsch und mit dem Vater italienisch. Dafür und für vieles mehr bin ich meiner Mutter sehr dankbar. Das Gleiche haben meine Frau und ich mit unseren Töchtern Laura und Julia gemacht, ich auf Deutsch, meine Frau Lidia auf Italienisch. Dank dessen beherrschen beide beide Sprachen fließend.<BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />Der gebürtige Trientner (mit Südtiroler Mutter) Ivo Plotheger (60) hat nach der Schule im Alter von 16 Jahren zunächst eine Ausbildung zum Schmied, später zum Facharbeiter gemacht. 1982 ist er in den Polizeidienst eingetreten. Seine Karriere führte bis hinauf zum Titel eines stellvertretenden Kommissar-Koordinators. <BR />Seine Einsatzgebiete reichen vom Ausbilder in der Polizeianwärterschule über die Grenzpolizei (Como/Ponte Chiasso) und die Verkehrspolizei Bozen bis hin zur Bozner Post- und Kommunikationspolizei/Abteilung für Cybersicherheit, deren Leiter er 2010 wurde. <BR />Plotegher wurde mehrfach ausgezeichnet und geehrt, so wurde ihm u. a. 2016 die „Verdienstmedaille des Landes Tirol verliehen.