Samstag, 29. August 2020

Auf Virusjagd mit fast 190.000 Tests

Covid-19-Träger ausfindig machen, aus dem Verkehr ziehen und isolieren: Das versucht der Sanitätsbetrieb seit Beginn der Pandemie. Erstmals liegen nun Zahlen vor. Seit Beginn der Corona-Pandemie Ende Februar wurden in Südtirol über 134.000 PCR-Tests und 5000 Antigen-Schnelltests zum Direktnachweis der Infektion durchgeführt. Und zudem seit Ende April über 50.000 Antikörper-Tests.

Es wird weiter auf Hochtouren getestet.
Badge Local
Es wird weiter auf Hochtouren getestet. - Foto: © shutterstock
Allein mit den 134.717 Nasen-Rachen-Abstrichen (Stand gestern) wurden bis dato 71.480 Personen auf eine akute Infektion getestet. Dass die Abstriche weit mehr sind als Köpfe, beruht darauf, dass ein Infizierter mitunter mehrmals getestet werden muss, bis ein zweifaches negatives Ergebnis vorliegt. Einem PCR-Test unterzogen werden auch die Erntehelfer, um eine Akutinfektion ausschließen zu können. „Bis heute (gestern, Anm. d. Red.) wurden 2053 Erntehelfer mittels Abstrich gestestet, dabei wurden 3967 Abstriche genommen“, sagte gestern Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler auf Nachfrage. Kostenpunkt für die bisher durchgeführten PCR-Tests: über 10 Millionen Euro.

Wo es schnell gehen musste, kam in den letzten Wochen der Antigen-Schnelltest oder salopp gesagt, der „kleine Abstrich“ 5000-mal zum Einsatz, und zwar in den Notaufnahmen und den Notarzthubschraubern. Dabei wird ebenfalls nach einer akuten Infektion gesucht, indem Proteine des Virus nachgewiesen werden. Kosten: rund 60.000 Euro.

Dazu kommen noch insgesamt 50.192 Antikörpertests unter verschiedenen Berufsgruppen (siehe obenstehende Grafik). „Insgesamt wurden also über 125.000 Köpfe getestet. Wenn man bedenkt, dass wir im Februar mit weniger als 30 PCR-Tests gestartet sind, und am 22. August 1840 Tests an einem Tag gemacht wurden, dann wird ersichtlich, was das Gesundheitspersonal auf den Weg gebracht und bisher geleistet hat“, sagt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann.

Auch Florian Zerzer, Generaldirektor des Sanitätsbetriebs ist überrascht. „Ich habe die Summe noch nie gemacht. Es war und ist für den Sanitätsbetrieb eine große Herausforderung, neben den PCR-Tests auch exponierte Berufsgruppen durchzutesten“, so Zerzer. Neben der Disziplin der Südtiroler sei es auch den Tests zu verdanken, „dass wir die Sache gut unter Kontrolle haben“, sagt Florian Zerzer.

Widmann verweist darauf, dass, wie berichtet, der Sanitätsbetrieb jetzt weitere 300.000 Antigen-Schnelltests für den Herbst ankauft. „Wir wollen gerüstet sein, damit wir, wenn sich die Menschen wieder vermehrt in Räumen aufhalten, Infektionsherde möglichst schnell erkennen, um sie sofort eingrenzen zu können und möglichst viel des ,Eisbergs„ an Infektionen erfassen zu können“, sagt Widmann.

Rückblickend, so Widmann, sei es auch für die hochkarätigsten Experten nicht absehbar gewesen, wie sich diese Pandemie ausbreiten würde. „Das gilt weltweit. Im nachhinein ist man auch in dieser komplexen Geschichte immer gescheiter.“ Um den Status quo zu halten, „braucht es weiterhin die Kooperation der Bürger mit dem Gesundheitsbetrieb“, so der Landesrat.

d/lu

Alle Meldungen zu: