3.488 Personen haben sich in der ersten Jahreshälfte an der Umfrage beteiligt und (bis zu) 52 Fragen rund um das Thema Vereinbarkeit beantwortet. Die Ergebnisse stellte Alexandra Tomaselli (Eurac Research) gestern im Rahmen einer Tagung zum Thema vor. <BR /><BR />Die Umfrage zeigt: Sorgearbeit ist nach wie vor Frauensache – und das mit den bekannten Auswirkungen auf Karriereverläufe, Einkommen und Rente. Zudem fordern Familien mehr finanzielle Unterstützung und größere Flexibilität am Arbeitsplatz. <BR /><BR />Teilgenommen haben überwiegend Frauen (91 Prozent). 96 Prozent der Befragten besitzen die italienische Staatsbürgerschaft. Insgesamt haben nur elf Personen teilgenommen, die keine EU-Staatsbürgerschaft haben. Schon die Antwort auf die Frage nach der Arbeitszeit zeigt das Dilemma mit der viel gepriesenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Von den Müttern geben 17,5 Prozent an, Vollzeit zu arbeiten. 61 Prozent arbeiten hingegen Teilzeit. Bei den Männern arbeiten 74 Prozent Vollzeit und nur 9,5 Prozent Teilzeit. 73 Prozent der Mütter gaben an, nach der Mutterschaft/Elternzeit wieder arbeiten zu wollen bzw. wieder in den Beruf zurückgekehrt zu sein. Doch ohne Einschränkungen war dies nur für 13 Prozent möglich. In 72 Prozent der Fälle gab es hingegen Anpassungen wie Teilzeit oder Smartworking. <BR /><BR />Begleitet wird die Elternschaft vielfach von finanziellen Sorgen. So geben 63 Prozent der Befragten an, sich wegen der geschlechtsspezifischen Rentenlücken Sorgen zu machen. 41 Prozent sprachen im Zusammenhang mit der Elternzeit von finanziellen Schwierigkeiten. Von diesen Personen hat die Mehrheit die Ersatzleistung von 30 Prozent des Einkommens während des Großteils der Elternzeit als unzureichend empfunden. <BR /><BR />Belastet sind Familien nach wie vor durch fehlende Betreuungsangebote, insbesondere während der langen Sommerferien. 57 Prozent gaben an, damit Schwierigkeiten zu haben. Und knapp 60 Prozent würden sich kürzere Sommerferien von nur sechs bis acht Wochen wünschen. 58 Prozent sind unzufrieden mit der Sommerschließung der Kindergärten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1376127_image" /></div> <BR /><BR />Zu den Referenten gehörte gestern auch Barbara Poggio, Professorin für Arbeitssoziologie an der Uni Trient. Sie bemängelte an der aktuellen Situation, dass die Betriebe Arbeitsbedingungen (z. B. Arbeitszeiten) entlang ihrer Bedürfnisse organisierten und die politisch Verantwortlichen Infrastrukturen mit Öffnungszeiten, Zugangsbeschränkungen etc. errichteten: „Aber es sind die Familien, die die fehlende Abstimmung der beiden Systeme ausgleichen müssen.“ In der Regel gehe dies nur, weil zumeist die Mütter auf Teilzeit umstellen oder ihre Berufstätigkeit ganz unterbrechen. Und auch, weil Großeltern einspringen. „Wie wäre es, wenn wir das System anders denken?“ Sprich: Sollten sich Betriebe und Infrastrukturen an den Bedürfnissen der Familien orientieren?<BR /><BR />Zum Schluss der Tagung fand ein Runder Tisch mit Teilnehmenden aus Wirtschaft und Gesellschaft statt. Dabei betonte Katrin Höller, Vizepräsidentin des Unternehmerverbandes: „Wir müssen es schaffen, Bildungseinrichtungen ganzjährig und ganztägig anzubieten. Sonst haben wir alle ein Problem, denn uns fehlen in den kommenden Jahren in Südtirol 30.000 Arbeitskräfte. Ohne sie werden wir in Südtirol unseren Wohlstand nicht aufrechterhalten können.“<BR /><BR />Florian Niedermayr (General Manager Intercable Tec) berichtete von Arbeitszeitmodellen, die in „seinem“ Betrieb gut funktionierten. Dabei hob er das Modell der Zeitkontingente hervor. Aber auch mit Gleit- und Kernzeit habe man gute Erfahrungen gemacht. Man setze mittlerweile, wenn auch nicht für alle, auf das Vertrauensmodell: absolute Gleitzeit. <BR /><BR /><BR />Laut WIFO-Direktor Georg Lun hinkt Südtirol in Sachen Vereinbarkeit hinterher. Im Trentino gebe es z. B. doppelt so viele Betreuungsplätze für Kinder bis zwei Jahre. Und in Norditalien besuchten 60 bis 80 Prozent der Grund- und Mittelschüler eine Ganztagesschule. In Südtirol seien dies in der italienischen Schule 30 Prozent, in der deutschen nicht einmal sechs Prozent.<BR /><BR /><BR />„Familienfreundliche Arbeitswelt“ – darum sei es auch schon bei Veranstaltungen vor 20 Jahren gegangen, kritisierte Monica Devilli, Präsidentin von Coopbund: „Dass wir noch immer darüber reden, ist kein gutes Zeichen.“ Mit Blick auf die Umfrageergebnisse meinte sie, die Daten könnten noch schlimmer werden, „denn die Antworten für die Familien sind nicht genug.“