<BR /><b>STOL: An vielen Bahnhöfen sind Aufzüge seit Wochen außer Betrieb oder noch nicht kollaudiert. Wer ist in solchen Fällen zuständig – und warum dauern Reparaturen oft so lange, dass ursprünglich barrierefreie Stationen faktisch nicht mehr barrierefrei sind? Beispiele gibt es zur Genüge, etwa Meran und Bozen Süd.</b><BR /> Daniel Alfreider: Aufgrund eines Unfalls und einer Anzeige wurden in Italien vor einigen Monaten die Sicherheitsbestimmungen bei den öffentlichen Aufzügen verschärft. Der Schienennetzbetreiber RFI hat daraufhin entschieden in ganz Italien tausende Aufzüge Schritt für Schritt teils neu zu bauen, teils technisch anzupassen. Während die Reparaturarbeiten recht zügig umgesetzt wurden, haperte es an den Ressourcen für die Kollaudierung. Mit den bekannten Folgen. Dies ist für uns als Land Südtirol nicht akzeptabel. Die positive Kehrseite der Medaille ist, das noch nie in der Geschichte Südtirols so viel in die Barrierefreiheit bei Bahnhöfen investiert wurde und die Aufzüge nach den umfangreichen Modernisierungsarbeiten für viele Jahre noch sicherer und zuverlässiger sein werden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1235289_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Die RFI ist also für die Aufzüge zuständig...Wie sind die Zuständigkeiten bei Südtirols Bahnhöfen sonst verteilt? Welche Aufgaben liegen beim Land, welche bei den Gemeinden und welche bei RFI?</b><BR />Alfreider: In Südtirol gibt es 55 Bahnhöfe und Zughaltestellen. Davon gehören 38 RFI. Von den 38 wurden 32 mittels einer Vereinbarung von 2005 von RFI zur kostenlosen Nutzungsleihe an das Land und vom Land an die jeweiligen Gemeinden übergeben. Dadurch konnten viele interessante Flächen (z.B. Pendlerparkplätze, Wohnungen oder Räume für Vereine, Bars) von den Gemeinden genutzt werden. Ausgenommen sind aber immer alle Bereiche und Dienste, die für die Eisenbahnverkehrsdienste “strumentell und sicherheitssensibel“ sind, im Wesentlichen die Bahnsteige sowie die direkten Wege inklusive Aufzüge zu diesen. Diese gehören dem Infrastrukturbesitzer und -betreiber RFI und werden auch von ihnen verwaltet. <BR /><BR /><b>STOL: Lässt sich der Druck auf RFI nicht erhöhen, damit defekte Aufzüge schneller repariert werden? Hier gibt es doch bestimmt Möglichkeiten…</b><BR /> Alfreider: Ja, diesen Druck machen wir auch. Wir sind regelmäßig mit RFI in Kontakt, sowohl die Techniker als auch die höchste Ebene in Rom sind sehr stark dahinter und auch sehr bemüht. Der Engpass der Kollaudierungen betrifft leider ganz Italien – aber wir bestehen darauf, dass Südtirol hier nicht einfach mitgemeint ist, sondern spürbare Verbesserungen bekommt. <BR /><BR /><b>STOL: Wie genau läuft das Verfahren ab, wenn an einem Südtiroler Bahnhof ein Aufzug ausfällt?</b><BR />Alfreider: Die laufenden Arbeiten von RFI zielen genau darauf ab, dass die Aufzüge höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Sobald die Aufzüge für die Anpassungsarbeiten oder entsprechend den gesetzlich vorgeschriebenen Wartungszyklen außer Betrieb genommen werden müssen, veröffentlicht RFI dies auf seiner Homepage. Je nach Art und Zustand des Aufzugs variiert der Aufwand und Ablauf der Aktivitäten. Verzögerungen gibt es häufig bei der Abnahme und Wiederinbetriebnahme am Ende, den sogenannten “attività ispettive di verifica“. Diese Überprüfungen müssen im Beisein von Technikern der ANSFISA, oder alternativ von dritten, aber von ANSFISA befähigten Technikern erfolgen. Italienweit sind derzeit nur wenige Personen im entsprechenden Register eingetragen. RFI arbeitet an der Befähigung eigener interner Techniker. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei der Einführung neuer Regularien die Übergangsfrist problematisch ist. Wichtig ist aber auch, dass die Menschen respektvoll mit den Aufzügen umgehen, damit sie nicht beschädigt werden: leider mussten wir in der Vergangenheit oft feststellen, dass Leute mit Koffern, Fahrrädern oder E-Bikes nicht aufgepasst und Türen verbogen haben, was wiederum zum Ausfall geführt hat. <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Was ist am Bahnhof Brixen los? Warum wird ausgerechnet das einzige barrierefrei umgebaute Gleis 1, kaum oder gar nicht angefahren? Und wenn man das von Anfang an wusste – warum wurden dann nicht die Bahnsteige 2 und 3 zuerst entsprechend angepasst?</b><BR />Alfreider: Das Gleis 1 wird derzeit aus Zeitgründen nicht angefahren, da sonst Verspätungen im Zugverkehr drohen. Dennoch war der Umbau keineswegs umsonst: Er markierte den Auftakt zur umfassenden Modernisierung im Rahmen der Riggertalschleife. In den nächsten Bauphasen werden auch die Gleise 2 und 3 auf das gleiche Höhenniveau gebracht und über eine neue Unterführung erschlossen. Damit wird der Bahnhof Brixen künftig vollständig barrierefrei – ein zentraler Bestandteil unseres Gesamtkonzepts.<BR /><BR /><BR /><b>STOL: Weshalb befinden sich zwei Hebebühnen auf Gleis 1, statt dort, wo sie tatsächlich gebraucht würden?</b><BR /> Alfreider: In Brixen gibt es insgesamt mehrere Hebebühnen, die flexibel eingesetzt werden. Sie stehen immer dort, wo sie gebraucht werden – also auch auf den Gleisen 2 und 3, nicht nur auf Gleis 1. <BR /><BR /><b>STOL: Mit Blick auf die Olympischen Spiele, aber nicht nur: An welchen Bahnhöfen wird derzeit konkret an Verbesserungen gearbeitet – und wie lange wird es dauern, bis Aufzüge repariert bzw. kollaudiert sind, sodass alle Menschen spontan und ohne Hindernisse durchs Land reisen können?</b><BR /> Alfreider: Derzeit wird in Meran, Brixen, Bruneck, Sterzing/Pfitsch und mehreren weiteren Bahnhöfen gebaut und modernisiert. Dank der Olympia-Investitionen erleben wir in der Mobilität die größte Modernisierung der Eisenbahninfrastruktur, die es in Südtirol je gegeben hat. Viele Aufzüge warten nur noch auf die finale Abnahme durch RFI. Unser Ziel ist klar: In den kommenden Monaten sollen alle großen Bahnhöfe in Südtirol wieder funktionierende Aufzüge haben. Der Weg ist noch lang, aber für uns muss Barrierefreiheit selbstverständlich werden und nicht eine Ausnahme. Und um das zu erreichen, muss man arbeiten und auch gut verhandeln. Mit Kritik allein wurde noch nie ein Bahnhof oder ein Aufzug gebaut.<h3> Grafik zeigt aktuelle Situation</h3>Werfen Sie einen Blick auf die interaktive Grafik – sie veranschaulicht die aktuelle Situation in puncto Barrierefreiheit an Südtirols Bahnhöfen. (Hinweis: In Bozen wurden mittlerweile auch die Bahnsteige 3/4 und 5/6 an die Niederflurzüge angepasst)<BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src="https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="68f6300ba641dadb6c3a7d63" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = "https://view.genially.com/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR />Hier lesen Sie, was der <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/barrierefreie-bahnhoefe-hier-wird-klar-gegen-gesetze-verstossen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Landtagsabgeordnete Alex Ploner (Team K) </a> und ein Betroffener – <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/was-am-bahnhof-brixen-passiert-ist-absurd-aber-leider-bittere-realitaet" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hansjörg Ellemund</a> – zum Thema sagen.