<BR />Selten genug kommt es vor, dass man beim Franz – so nennt sich der aus einem kleinen Raum bestehende Salon an der Bozner Weggensteinstraße – sofort drankommt. <BR /><BR /><BR />Meistens sitzen 2, 3 oder auch mehr Männer zeitungslesend oder gedankenverloren in den Stühlen und warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Oder sie vertreiben sich die Zeit, indem sie angeregt über das Tagesgeschehen diskutieren. <BR />„Seit ich im Jahre 1990 als Friseur selbstständig geworden bin, habe ich es ohne Vormerkungen und ohne Telefon durchgezogen und bin damit immer gut gefahren“, sagt der 64-Jährige verschmitzt. Auf diese Weise vermeide man jeglichen Stress, müsse nicht immerzu Telefonanrufe entgegennehmen und könne sich auf die Kunden konzentrieren. <BR /><BR /><b>Kunden aus halb Südtirol kommen zum Franz</b><BR /><BR />Er gibt zu, dass man eine derartige Linie wohl nur als reiner Männerfriseur durchziehen könne und dabei sehr wohl auf einige aufwendigere Dienste wie beispielsweise das Färben verzichtet. Das scheint aber noch nie jemanden gestört zu haben, denn wer zum Franz geht, weiß, was ihn erwartet. „Natürlich tauchen auch immer wieder mal neue Gesichter auf, aber ich würde mal behaupten, zu 99 Prozent Stammkunden zu bedienen“, lässt er wissen. Nun ist der in Steinegg wohnhafte Franz Lantschner zwar nicht der einzige Friseur in Südtirol, der ohne Vormerkkalender und ohne Telefon sein Geschäft durchzieht, aber ein Unikum ist er allemal. <BR /><BR /><b>Der Weggensteinstraße immer treu geblieben</b><BR /><BR />Als junger Bub hat er 1975 seine Lehre gemacht, somit darf er im kommenden Jahr sein 50-jähriges Jubiläum als Friseur feiern. Seit seinem ersten eigenen Salon in Bozen ist er immer in der Weggensteinstraße geblieben – insgesamt hat er dort 4 mal den Standort gewechselt. Auf die Frage, ob er denn nicht langsam genug habe, meint seine Tochter Katharina: „Stuff wird mein Vater ganz gewiss nicht, der freut sich jeden Tag aufs Neue, seiner Arbeit nachgehen zu können. Er hat sein Hobby tatsächlich zum Beruf gemacht.“ <BR /><BR />Franz lächelt dazu nur, überhaupt ist er ein besonnener und ruhiger Zeitgenosse. Und einer, der zwischendurch gerne einen flotten Spruch oder eine Lebensweisheit platziert und zu jedem seiner Kunden einen speziellen Draht hat. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass ihm eigentlich immer das Gesprächsthema vom letzten Mal einfällt, sobald er dem Kunden das klassische Friseurmantele umlegt. „Es ist schon erstaunlich, dass die Leute von überall herkommen, sogar von Truden und aus dem Gadertal“, gerät der 64-Jährige selbst ins Staunen. Der älteste Kunde ist ein Bozner des Jahrganges 1926, tatsächlich kommt dieser noch 98-jährig mit dem Fahrrad zum Haareschneiden, die Jüngsten dagegen sind noch im Kindesalter. <BR /><BR /><b>Man mag es wohl wieder schlicht und unkompliziert</b><BR /><BR />Tochter Katharina (25) ist auch schon seit 10 Jahren als Friseurin tätig. Sie ist zunächst auswärts dem Handwerk nachgegangen, ehe sie sich während der Coronazeit entschloss, beim Vater zu arbeiten. Zum Glück, denn als die Friseure im Sommer 2020 wieder ihre Tätigkeit aufnehmen durften, rannten die Leute dem Franz gewissermaßen die Bude ein. Seither führen beide zusammen den Salon Franz.<BR />Derzeit schlägt sie sich mit einer Verletzung am Arm herum, natürlich hofft sie, ihren Vater schnellstmöglich wieder unterstützen zu können. „Das besondere Konzept meines Vaters finde ich toll, allerdings tue ich mich schwer, auf Hintergrundmusik zu verzichten“, räumt sie ein. <BR />Gut möglich, dass genau diese Schlichtheit und Unkompliziertheit einem neuen Zeitgeist entspricht – und damit der Franz voll im Trend liegt.<BR />