Freitag, 04. Mai 2018

Ausbeutung und Schwarzarbeit: 7 Anzeigen

Der Finanzwache von Neumarkt ist ein Schlag gegen die Vermittlung von Schwarzarbeit gelungen: Sie entlarvten eine Gesellschaft mit Sitz in Vicenza, die Männer ausländischen Ursprungs mit Wohnsitz in Südtirol und Trentino für Botengänge rekrutierte. Ihre Entlohung: Eine schmuddelige Unterkunft, lange Stunden, schlechte Bezahlung und komplette Überwachung.

In maroden Lieferwagen wurde die Zustellboten samt alten Fahrrädern und Werbeflyer zu ihren "Arbeitsstellen" gefahren. - Foto: Finanzwache
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In maroden Lieferwagen wurde die Zustellboten samt alten Fahrrädern und Werbeflyer zu ihren "Arbeitsstellen" gefahren. - Foto: Finanzwache

Schon seit Längerem hatten die Männer der Finanzwache auf Betreiben der Staatsanwaltschaft von Vicenza mehrere Zustellboten unter Beobachtung, die auf Fahrrädern Flyer und Werbematerial in Südtirol verteilten.

Im Zuge weiterer Ermittlungen kristallisierte sich heraus, dass die Boten - hauptsächlich aus Indien, Pakistan und Algerien mit Wohnsitz im Südtiroler Unterland und im Trentino - von einer Firma mit Sitz in Rosà (Provinz Vicenza) angeworben und anschließend in schmuddeligen Behausungen untergebracht wurden.

Regelmäßig brachte man die Boten samt den Fahrrädern aus der Provinz Vicenza mit alles andere als fahrtüchtigen Lieferwagen - die auch in mehrere schwere Unfälle verwickelt waren - zu ihren Arbeitsstellen, wo sie bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten mussten - und das 6 Tage in der Woche.

Hinzu kam, dass sie per GPS-Gerät überwacht wurden und Entlassungsdrohungen ausgesetzt waren. Den Arbeitern wurden die Dokumente abgenommen, sei es Ausweis als auch Aufenthaltsgenehmigung, um sie abhängig und vor allem gefügig zu halten. Ihr Verdienst betrug lediglich zwischen 500 und 700 Euro im Monat. Insgesamt arbeiteten 41 Schwarzarbeiter für die Gesellschaft.

5 Inder und 2 Italiener angezeigt

Nach ausführlichen Ermittlungen und der Auswertung von mehr als 50 Zeugenaussagen wurden 7 Personen angezeigt. Es handelt sich um 5 Inder (34,38 und 44 Jahre alt) und 2 Italiener (65 und 21 Jahre alt), allesamt mit Wohnsitz in Vicenza. Sie müssen sich der kriminellen Vereinigung, der illegalen Vermittlungstätigkeit sowie der Ausbeutung der Arbeit verantworten.

Einer der Angezeigten muss sich zudem wegen der missbräuchlichen Ausübung des Berufs verantworten. Er gab vor, ein eingetragener Steuerberater zu sein und fälschte die Geschäftsbücher der Firma, indem er sämtliche Arbeiten als regulär verbriefte, obwohl der Großteil der Angestellten Schwarzarbeit leistete.

Für die Vermittlung von Schwarzarbeitern sieht das Strafgesetzbuch eine Haftstrafe von 1 bis 6 Jahren vor, außerdem eine Geldstrafe von 500 bis 1000 Euro pro Schwarzarbeiter. Bei schwerwiegenderen Fällen (wenn etwa Gewalt angewandt wird) drohen eine Haftstrafe von 5 bis 8 Jahren sowie eine Strafe von 1000 bis 2000 Euro pro Schwarzarbeiter.

stol/liz

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