Montag, 12. September 2016

Auschwitz-Prozess gegen 95-Jährigen

In der ostdeutschen Stadt Neubrandenburg hat am Montag ein Prozess gegen einen früheren SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz begonnen.

Der Prozess war zuvor bereits 3 Mal aus gesundheitlichen Gründen des Mandanten gescheitert.
Der Prozess war zuvor bereits 3 Mal aus gesundheitlichen Gründen des Mandanten gescheitert. - Foto: © shutterstock

Der 95 Jahre alte Beschuldigte erschien vor dem Landgericht im Rollstuhl. Es ist bereits der vierte Anlauf in dem Verfahren. Kurz vor Verhandlungsbeginn wurde der Angeklagte noch einmal amtsärztlich untersucht. Dem Mann aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten.

Bereits 2 Prozesse am Laufen

Zuletzt hatte es in Deutschland 2 Prozesse gegen hoch betagte ehemalige SS-Männer aus dem KZ Auschwitz gegeben: Das Landgericht Detmold (Nordrhein-Westfalen) verurteilte einen Ex-KZ-Wachmann wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen zu 5 Jahren Haft, das Landgericht Lüneburg (Niedersachsen) den als „Buchhalter von Auschwitz“ bezeichneten 94-jährigen Oskar Gröning zu 4 Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Dass die Angeklagten erst so spät vor Gericht kommen, liegt an einer Änderung in der deutschen Rechtsauffassung. In früheren Jahrzehnten wurden nur diejenigen angeklagt, denen eine direkte Beteiligung an der Tötung der KZ-Gefangenen nachgewiesen werden konnte. Nach heutigem Verständnis gilt dagegen jeder als schuldig, der durch seinen Dienst in einem Vernichtungslager zum Funktionieren der Mordmaschinerie beitrug.

apa/dpa

stol