Montag, 30. September 2019

Ausgang für Verurteilten in Mordfall Kercher in Italien

Im nie aufgeklärten Mordfall der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien ist dem einzig rechtskräftig Verurteilten Ausgang gewährt worden.

Der einzig rechtskräftig Verurteilte im Mord der Studentin Meredith Kercher, Rudy Guede, darf nun Untertags das Gefängnis verlassen. - Foto: ANSA
Der einzig rechtskräftig Verurteilte im Mord der Studentin Meredith Kercher, Rudy Guede, darf nun Untertags das Gefängnis verlassen. - Foto: ANSA

Der 32-jährige Rudy Guede, der in Viterbo nördlich von Rom eine Haftstrafe von 16 Jahren verbüßt, darf tagsüber die Strafanstalt verlassen, berichtete die Nachrichtenagentur ANSA am Montag.

Guede wird tagsüber in einem Zentrum kriminologischer Studien in Viterbo arbeiten und die Nacht in der Strafanstalt verbringen. Der Italiener ivorischer Abstammung, der stets seine Unschuld beteuert hat, war 2010 in einem Schnellverfahren wegen Beihilfe zum Mord an der damals 21-jährigen Britin verurteilt worden.

Die Austauschstudentin war im November 2007 in Perugia ermordet worden. Die Suche nach Täter und Motiv entwickelte sich zu einer jahrelangen Justiz-Saga, blieb aber am Ende erfolglos. Kerchers damalige Mitbewohnerin, die US-Amerikanerin Amanda Knox, und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito waren von Beginn an unter Verdacht geraten und festgenommen worden, hatten ihre Schuld aber stets bestritten.

Beide wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, 2011 jedoch freigesprochen. Knox – wegen ihres Aussehens „Engel mit den Eisaugen“ genannt – kehrte in die USA zurück. Der Fall ging durch weitere Instanzen, Knox und Sollecito wurden erneut verurteilt, das oberste Gericht Italiens sprach sie im März 2015 aber endgültig frei.

In Guedes Fall waren sich die Ermittler einig, dass er nicht alleine gehandelt haben konnte. Nach dem Freispruch von Knox und Sollecito hatte auch er angekündigt, einen neuen Prozess anstreben zu wollen. Das ist aber schwierig. Denn er war im Schnellverfahren verurteilt worden, das keine weitere Berufung mehr zulässt.

apa

stol