Montag, 23. März 2020

Ausgangsbeschränkungen für eine Milliarde Menschen weltweit

In mehr als 50 Ländern wurde im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Für mehr als eine Milliarde Menschen gelten Ausgangssperren oder -beschränkungen.

Weltweit leere Straßen.
Weltweit leere Straßen. - Foto: © APA (AFP) / JOHAN ORDONEZ
Weltweit schränkten mittlerweile mehr als 50 Länder und Gebiete die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger ein. In mindestens 34 Ländern und Gebieten, unter anderem in Italien, Frankreich und im US-Bundesstaat Kalifornien, sind die Ausgangssperren verpflichtend.

Diese betreffen mehr als 659 Millionen Menschen. In den meisten Ländern dürfen die Menschen aber immer noch in die Arbeit, Einkaufen und zum Arzt gehen. Einige Länder riegelten Großstädte ab. Ein- und Ausreisen sind etwa in den 27 größten Städten in Bulgarien, in Almaty und Nur-Sultan in Kasachstan sowie in Baku in Aserbaidschan verboten.

Zugespitzt hat sich die Krise in den USA. Von New York bis Los Angeles an der Westküste unterliegt nun fast ein Drittel der 330 Millionen Amerikaner Ausgangsbeschränkungen. Der Bundesstaat New York ist bisher mit mehr als 15.000 SARS-CoV-2-Infektionen landesweit am schlimmsten betroffen. In der Metropole New York sind die meisten Geschäfte und viele Restaurants geschlossen, die Krankenhäuser sagen alle nicht-notwendigen Eingriffe ab. Die Stadt bemühte sich verzweifelt, mehr Intensivbetten zu schaffen.

Viele Gouverneure klagen, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump nicht genug tue und dass es zum Beispiel an Masken und Schutzkleidung fehle. Trump schlug daraufhin - entgegen geltender Vorschriften - vor, Krankenhäuser könnten Masken einfach desinfizieren und wiederverwenden. Der Präsident hatte die Epidemie noch bis Ende Februar kleingeredet und muss sich daher inzwischen den Vorwurf gefallen lassen, die Krise durch zu spätes Handeln angefacht zu haben.

Tschechien schließt seine Grenzen nun auch für tägliche Berufspendler, die in die Nachbarstaaten zur Arbeit fahren. Sie könnten entweder daheimbleiben oder sich für mehrere Wochen eine Unterkunft im jeweiligen Land suchen, sagte Innenminister Jan Hamacek nach der Kabinettssitzung am Montag in Prag. In letzterem Fall müssten sie sich nach ihrer Rückkehr nach Tschechien in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben.

In Großbritannien werden Streitkräfte bei der Verteilung von Hilfsgütern an medizinisches Personal der staatlichen Kliniken eingesetzt. Ärzte und Krankenpfleger sollen mehr Schutzausrüstungen wie Masken, Schürzen, Sicherheitsbrillen und Handschuhe bekommen.

In Spanien steigt die Zahl der Corona-Infizierten trotz aller bisherigen Maßnahmen weiter an. Bis Montagmittag wurden von den Behörden rund 33.000 Fälle bestätigt, 14 Prozent mehr als am Vortag. Die Zahl der Toten kletterte auf knapp 2200, von 1720 am Sonntag. Allein in der Region Madrid, dem Zentrum der Krise in Spanien, lag die Zahl der Todesopfer bei rund 1200. Nach Italien ist Spanien das am heftigsten betroffene Land Europas. Spaniens König Felipe VI. stellte der Regierung im Kampf gegen das Corona-Virus seine königliche Garde zur Verfügung, diese umfasst etwa 1500 Männer und Frauen, die normalerweise für den Schutz des Königs und seiner Familie verantwortlich sind.

Nach Unstimmigkeiten zwischen Italien und Prag wegen einer Lieferung von Atemschutzmasken aus China, die in Lovosice konfisziert worden war, ist diese am Montag schließlich doch nach Italien gestartet. Masken und sanitäre Geräte fuhren von der Tschechischen Republik Richtung Rom. Die Ausrüstung befand sich an Bord eines Busses mit rund 40 Italienern, die ebenso in ihre Heimat zurückkehren. Mit laut JHU-Zählung 59.138 Infizierten und 5406 Toten gehört der Stiefelsaat neben China zu den Hauptbetroffenen der Coronakrise.

In Griechenland trat am Montag eine landesweite Ausgangssperre wegen der Coronavirus-Pandemie in Kraft. In der Hauptstadt Athen waren am Morgen fast keine Menschen auf der Straße. Es war auch deutlich weniger Verkehr als in den Vortagen oder an einem normalen Montag. Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hatte die Ausgangssperre am Sonntag in einer Fernsehansprache angekündigt. Griechenland werde „jede angebrachte Maßnahme“ im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus ergreifen, sagte Mitsotakis.

Die Niederlande verschärften die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie erheblich. Alle Veranstaltungen und Zusammenkünfte seien bis zum 1. Juni verboten, kündigte Justizminister Ferdinand Grapperhaus an. Bisher hatte ein Verbot von Veranstaltungen ab 100 Personen bis zum 6. April gegolten. Bei Zuwiderhandlungen könne die Polizei eingreifen und hohe Geldstrafen verhängen. „Mir ist bewusst, dass das sehr hart ist“, sagte der Minister. „Aber wir haben keine Wahl.“ In den Niederlanden wurden bisher 4749 Corona-Infizierte gemeldet und 213 Todesfälle (Stand 23. März).

Zuhause bleiben oder in die Datscha aufs Land fahren - das hat der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin allen Bürgern über 65 Jahren verordnet. Die älteren Moskauer sowie chronisch Kranke müssten ab Donnerstag bis zum 14. April daheimbleiben, erläuterte Sobjanin am Montag in einem Video auf seiner Website. Nur Einkäufe und der Gang zur Apotheke seien gestattet. Der Moskauer Bürgermeister koordiniert Russlands Maßnahmen gegen die Pandemie.

Auch in Neuseeland spitzt sich die Corona-Krise zu. Dort hat es mutmaßlich die ersten beiden Virusübertragungen innerhalb des Landes gegeben. Premierministerin Jacinda Ardern kündigte die Schließung von Bars, Cafes und Geschäfte für den nicht dringend notwendigen Bedarf an.

Hongkong hat allen Menschen, die nicht in der chinesischen Sonderverwaltungszone leben, die Einreise verboten. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate schotten sich ab. In Taiwan muss man umgerechnet bis zu 31.000 Euro für Verstöße gegen angeordnete Selbstisolation zahlen.

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apa