Dienstag, 06. Januar 2015

Ausgebrannte Fähre: Weitere Rätsel um Zahl der Toten und Vermissten

Die süditalienischen Staatsanwälte, die nach dem am 29. Dezember ausgebrochenen Brand an Bord der Autofähre „Norman Atlantic“ in der Adria ermitteln, klagen über mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der griechischen Behörden.

Foto: © LaPresse

Wegen Kommunikationsproblemen gebe es immer noch keine offizielle Zahl von Todesopfern und Vermissten. 

Die notwendigen Dokumente für die Obduktion der griechischen Opfer seien noch nicht eingetroffen, sagte Staatsanwalt Giuseppe Volpe.

Die Familien der Todesopfer protestieren, weil sich aus diesem Grund die Begräbnisse verzögern, berichtete die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ am Dienstag.

Kurzschluss soll Auslöser gewesen sein 

Die Ermittler in der süditalienischen Stadt Brindisi vermuten, dass ein Kurzschluss die Katastrophe ausgelöst habe, bei der nach derzeitigem Erkenntnisstand elf Passagiere sowie zwei Rettungskräfte ums Leben gekommen sind.

Der Kurzschluss ist wahrscheinlich durch die große Anzahl von Lkw mit Kühlanlagen verursacht worden, die an die Stromleitungen der Fähre angeschlossen waren. An Bord befanden sich nach Angaben der Behörden 60 Laster, deutlich mehr als üblich. Viele waren mit Fisch für Silvester beladen.

In Teilen des Wracks wurden zuletzt noch Temperaturen von 200 Grad gemessen, was die Arbeit der Bergungsteams auf der Suche nach weiteren Opfern im Autodeck erschwert.

Jedes einzelne Fahrzeug muss durchsucht werden. Das Wrack wird daher entgegen früheren Plänen nicht in den Hafen von Bari geschleppt, um den kleineren Hafen Brindisi zu entlasten.

Das Schiff würde den Transport bis Bari möglicherweise nicht aushalten, erklärte Staatsanwalt Volpe.

„Hätte nicht abfahren dürfen“

Inzwischen wurde in Griechenland Kritik an der Hafenbehörde der Stadt Igoumenitsa laut, wo die „Norman Atlantic“ abgelegt hatte. Die Fähre hätte wegen der schlechten Wetterlage und mangelnder Sicherheitsvorkehrungen nicht abfahren dürfen, lautet der Vorwurf.

Griechische Medien berichteten, dass mehrere Hubschrauber der griechischen Rettungsteams nicht einsatzfähig waren.

apa

stol