Mittwoch, 15. April 2020

Ausgedehnte Polizeikontrollen in Italiens Altersheimen

Angesichts der hohen Zahl von Covid-19-Todesopfern in den Altersheimen hat die Polizei mit ausgedehnten Kontrollen in den Senioreneinrichtungen begonnen. 600 Altersheime wurden bisher von den Carabinieri kontrolliert, bei 17 Prozent davon wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt, vor allem bei der Lieferung von Schutzmaterial an das Personal.

Die Ermittlungen der italienischen Polizei konzentrieren sich jetzt besonders auf Mailands größtes Seniorenheim „Pio Albergo Trivulzio“.
Die Ermittlungen der italienischen Polizei konzentrieren sich jetzt besonders auf Mailands größtes Seniorenheim „Pio Albergo Trivulzio“. - Foto: © ANSA / Matteo Corner
15 Heime wurden geschlossen und die Bewohner in andere Einrichtungen eingeliefert, berichteten italienische Medien am Mittwoch. Bei den Kontrollen wurden 61 Personen angezeigt, gegen 157 weitere wurden Strafen verhängt.

345 Senioren sind in den 300 Heimen in der norditalienischen Region Venetien bereits mit oder an Coronavirus-Infektionen gestorben. 1.857 Senioren wurden positiv auf Covid-19 getestet. Das sind sechs Prozent aller getesteten Menschen. Von circa 30.500 Mitarbeitern in Seniorenheimen wurden 920 positiv getestet, das sind rund drei Prozent.

Die Südtiroler Seniorenwohnheime melden bis zum heutigen Tag insgesamt 82 Todesfälle. In mehreren Südtiroler Altersheimen sind Heimbewohner und Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden. Besonders in Kastelruth, St. Ulrich, St. Pauls und Terlan gibt es zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter, die sich mit Covid-19 infiziert haben.

Die Ermittlungen der italienischen Polizei konzentrieren sich jetzt besonders auf Mailands größtes Seniorenheim „Pio Albergo Trivulzio“. Hier sind seit März 143 Senioren gestorben. Schon Anfang März hatten sich die Gewerkschaften bei der Leitung der Einrichtung beschwert, weil dem Personal kein Schutzmaterial geliefert wurde. Familienangehörige der Toten und Mitarbeiter des Heims hatten Anzeige erstattet, weil Sicherheitsvorkehrungen ignoriert worden sein dürften. Gegen den Direktor der Einrichtung wurden Ermittlungen eingeleitet.

Unter anderem wird geprüft, warum aus Spitälern entlassene, infizierte Coronavirus-Patienten in Abteilungen des „Pio Albergo Trivulzio“ eingeliefert worden seien. Dadurch sei die Gesundheit der Heimbewohner aufs Spiel gesetzt worden, lautet der Verdacht der Mailänder Staatsanwaltschaft. Von den über 10.000 Todesopfern, die in der Lombardei mit oder an der vom Erreger SARS-CoV-2 ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben sind, lebten 1.822 in Seniorenheimen, berichtete der Präsident von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut, Silvio Brusaferro, am Freitag.

apa/stol