„Ich kann mich daran erinnern, als es im Vinschgau noch sehr viele Diskos gab. Heute bin ich fast der Einzige, der übrig geblieben ist“, erklärt Hubert Frischmann, Pächter der Diskothek Hölle in Schlanders. Er betrachtet das Diskothekensterben in Südtirol mit Sorge. „Inflation, kürzere Öffnungszeiten bei gleichzeitig steigenden Kosten und immer weniger Kunden machen uns zu schaffen.“<h3> „Reibereien sind in den wenigen verbleibenden Lokalen vorprogrammiert“</h3>Viele junge Südtiroler würden besonders im Sommer eher auf Dorffesten, Bällen oder anderen Veranstaltungen statt in Diskotheken verkehren. Mit dem Winter komme wieder etwas mehr Leben zurück in die Schlanderser Diskothek. „Doch die Jungen gehen seltener feiern als früher“, schildert der Betreiber. „Darüber hinaus studieren mehr junge Menschen, weniger arbeiten und das in Zeiten starker Teuerungen. Das ist auch nicht förderlich fürs Geschäft.“<BR /><BR />Und dann wäre da noch die immer lauter werdende Sicherheitsfrage: „Ich mache meine Arbeit seit 1983, früher hatten wir keine Türsteher. Das hat sich erst in den letzten Jahren so eingebürgert“, erklärt Frischmann. „Das Nachtleben hat sich komprimiert. Während man früher von Donnerstag bis Sonntag feierte, geht die Jugend heute nur einmal pro Woche in die Diskothek – wenn überhaupt. Da kann es schnell passieren, dass jemand übertreibt. Reibereien sind so in den wenigen verbleibenden Lokalen vorprogrammiert.“ <h3> Früher hatten wir von Donnerstag bis Sonntag geöffnet – Heute nur noch samstags</h3>Simon Rabensteiner, Betreiber des Badhaus 14 in Klausen, betrachtet das Schrumpfen der Diskothekenlandschaft in Südtirol ebenfalls mit Besorgnis. „Momentan ist es schwierig, es gibt immer weniger Unterhaltungslokale“, weiß der Betreiber des ehemaligen Klub Nachtigall. Das wundere ihn nicht, bei stetig wachsenden Spesen und immer kürzeren Öffnungszeiten sowie weniger Kundschaft. „Früher hatten wir von Donnerstag bis Sonntag geöffnet - als reine Diskothek. Heute betreiben wir meist nur mehr samstags das B14 neben dem Restaurant. In der Törggele-Saison haben wir zusätzlich auch freitags geöffnet“, erklärt er. In der heutigen Zeit sehe er in einer Diskothek als reine Haupttätigkeit wenig Potenzial.<BR /><BR />„Besonders seit der Corona-Pandemie ist das Nachtleben zunehmend aus Südtirols Diskotheken verschwunden - stattdessen trifft man sich immer häufiger in privaten Partykellern, bei einem ,Watter' zu Hause oder auf privaten Almhütten“, beobachtet Rabensteiner. Auch die starken Teuerungen der letzten Jahre machen sich im Badhaus 14 bemerkbar: „Viele bringen ihren Alkohol selbst mit und trinken diesen vor dem Lokal, um Geld zu sparen. Bei laufenden Kosten für Reinigungspersonal, Türsteher, DJs, Getränke usw. bleibt den Betreibern so noch weniger übrig.“ Dass die Pandemie eine wesentliche Rolle in Sachen „Diskothekensterben“ spielt, zeigen auch die Zahlen des HGV: Rund ein Drittel der Südtiroler Diskotheken haben seit 2019 ihren Betrieb eingestellt. In Zahlen gesprochen: Während es 2019 noch rund 32 Diskotheken im ganzen Land gab, sind es 2024 noch rund 21, die regulär geöffnet sind.<h3> „Damals lernte man den Partner beim Tanzen kennen, heute auf Tinder“</h3>Einen Trend, den es laut Frischmann dringend zu stoppen gilt. Denn „Diskotheken sind nicht nur Orte zum Feiern, sondern auch zum Knüpfen neuer Kontakte – und meist sicherer als private Veranstaltungen.“<BR />Etwas optimistischer blickt Wolfgang Mair in die Zukunft. Auch der Betreiber des „Derby“ in Sterzing sieht in einer reinen Diskothek ohne zusätzliche Angebote derzeit wenig Potenzial, da die Kundschaft ausbleibt. Dennoch weiß Mair, dass das Nachtleben schnelllebig und wandelbar ist – und sich die Situation jederzeit wieder ändern könnte.<h3> „Mit den Generationen ändert sich auch das schnelllebige Nachtleben“</h3>„Es mag sein, dass die jungen Leute derzeit weniger in Diskotheken feiern gehen. Vieles läuft mittlerweile über das Handy; während man früher den Partner oder die Partnerin beim Tanzen in der Diskothek kennengelernt hat, wird heute auf Tinder geswiped.“ Besonders seit Covid spiele sich Vieles im Privaten ab. Mit den Generationen ändere sich auch das schnelllebige Nachtleben. Jedoch sei man nicht dazu verdammt zuzusehen und auf einen Wendepunkt zu warten. Man könne auch mit der Zeit gehen. <BR /><BR />Anders als früher, als in den Diskotheken von Donnerstag bis Sonntag bis in die frühen Morgenstunden getanzt wurde, locken heute hauptsächlich große Events die junge Generation in Diskotheken. „Ein oder 2 Mal pro Monat ein größeres Event kommt auch bei der jungen Generation noch gut an“, erklärt Mair. Eine reine Diskothek ohne Nebentätigkeit, ergebe laut ihm heutzutage wenig Sinn, früher sei das hingegen noch lukrativer gewesen.<h3> Zukunft ungewiss</h3>Wie sich das schnelllebige Nachtleben und die damit verbundenen Diskotheken hier im Land entwickeln werden, lasse sich laut Mair nicht genau sagen. Nichtsdestotrotz verheißen die Zahlen des HGV trotz Unterschiede zwischen den Generationen und der Wandelbarkeit der Ausgehkultur nichts Gutes. „Denn wer gut wirtschaftet, der schließt seine Tore nicht“, so Mair.