Zwischen 1942 und 1945 wurden auf dem Gräberfeld vermutlich rund 220 Opfer des NS-Euthanasieprogramms in Hall begraben. Die Experten erwarten, dass nach der Exhumierung der Leichen die Identifizierung und auch die Bestimmung der Todesursachen möglich sein wird, hieß es am Mittwoch bei der Pressekonferenz zum Bergungsbeginn in Hall.Mit ersten Skelettfunden wird in den nächsten Tagen gerechnet Mit ersten Skelettfunden werde in den nächsten Tagen gerechnet. Vorerst müsse lokalisiert werden, wo die Toten liegen. Es konnte bisher nur ein ungefährer Standort des Friedhofs ausgeforscht werden. Zuerst sollen die Gräber freigelegt werden, danach müsse mit der Dokumentation der Funde begonnen werden. Etwa zehn bis 15 Personen sind an den Grabungen beteiligt. Neben den Experten nehmen auch Studenten aus Innsbruck und München an dem Projekt teil, erklärte Alexander Zanesco, Leiter des Projektteams und Verantwortlicher für die Ausgrabungen.Die wichtigste Aufgabe sei die Identifizierung der Toten. „Das Herausfinden der Todesursachen sei dabei fast nebensächlich, da man aus der Geschichte wisse, wie behinderte Menschen der damaligen Zeit getötet wurden“, betonte George McGlynn, der als Konservator für Anthropologie und Paläoanatomie an der Universität in München tätig ist und der die Leichen untersuchen wird. Es sei davon auszugehen, dass sie durch Vernachlässigung gestorben seien. Zudem soll auch geklärt werden, ob die Toten mit Respekt begraben oder einfach in ihre Gräber geworfen worden seien. Fingernägel und Haare könnten Aufschluss darüber geben, ob man die Menschen verhungern ließ. Vermutlich werde im Juni oder Juli mit den biomolekularen Analysen begonnen. Aufschluss über Todesursachen: Mehr Informationen in bis zu drei Wochen Die Analysen, die Aufschluss über die Todesursache geben können, sollen etwas zwei bis drei Wochen dauern, erklärte McGlynn.Nach Abschluss der Untersuchungen sollen die Skelette voraussichtlich in einer Zeremonie wieder auf dem Gräberfeld auf dem alten Anstaltsfriedhof in Hall bestattet werden. Einige Angehörige würden ihr Verwandten aber auch in Familiengräbern beisetzen wollen, sagte McGlynn.Nicht nur Tiroler sollen sich unter den Toten finden. Es sei davon auszugehen, dass auch 15 Südtiroler in Hall begraben sind, erklärte der Historiker Oliver Seifert. Etwa 100 Angehörige, hätten sich seit Bekanntwerden des Friedhofs im Jänner dieses Jahres, bei ihm gemeldet. Viele würden wissen wollen, was mit ihren Verwandten passiert sei und wo sie begraben seien. Die Identifizierung der Opfer sei auch für diese Menschen wichtig, betonte Seifert.