Freitag, 22. Mai 2015

Ausländeranteil im Land: alle Daten, alle Fakten

46.045 Ausländer aus 138 verschiedenen Nationen sind in Südtirol ansässig (Stand: Dezember 2014). Das entspricht einem Zuwachs von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser kommt jedoch nicht mehr aufgrund neuer Zuwanderung zustande, sondern aufgrund der Geburten.

Die Ausländerinnen in Südtirol sind jung und gebärfreudig.
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Die Ausländerinnen in Südtirol sind jung und gebärfreudig. - Foto: © D

Am 31.12.2014 sind offiziell 46.045 ausländische Staatsbürger in Südtirol ansässig, knapp 1,3% mehr  als im Vorjahr. Ende 1994 waren es etwa 7.250 Menschen. Damit hat sich der Bestand der ausländischen Wohnbevölkerung in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als versechsfacht.

Dies ergeben die amtlichen Bevölkerungsdaten des Landesinstituts für Statistik.

Der Höhepunkt des Zuwachses wurde mit einem Plus von 16% im Jahr 2007 erreicht. Das ist das Jahr, in dem Bulgarien und Rumänien der EU beitraten und in Italien die Neuregelung des freien Niederlassungsrechts der EU-Bürger rechtskräftig wurde.

Zudem konnten zahlreiche illegale Einwanderer in dieser Zeit ihren Rechtsstatus sanieren.

Ansässige sind nicht auffindbar

Das Jahr 2011 ist von einem markanten Rückgang gekennzeichnet, da zum Zeitpunkt der Volkszählung zahlreiche ansässige Ausländer unauffindbar waren.

 

Im Jahr 2014 ist der Zufluss von Ausländern fast zum Stillstand gekommen: Erstmals seit fast 30 Jahren trägt der Wanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung ein negatives Vorzeichen, während der bescheidene Zuwachs ausschließlich auf ihre positive Geburtenbilanz zurückzuführen ist.

Zuwachs durch Geburtenüberschuss bedingt

War in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Migrationskomponente für das Anwachsen der Ausländerpopulation verantwortlich, wird es nunmehr vom natürlichen Wachstum bestimmt.

Von Jahr zu Jahr kommen mehr Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit zur Welt. Waren es in den 90er-Jahren durchschnittlich etwas über 100 Neugeborene im Jahr, beträgt ihre Zahl im Bezugsjahr 789. Die Geburtenrate liegt derzeit bei 17,2 Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner (10,0‰ beträgt sie bei den Einheimischen).

Jung und fruchtbar

Eine Ausländerin bringt im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 2,5 Kinder zur Welt, bei den einheimischen Frauen liegt die Gesamtfruchtbarkeitsziffer bei 1,6 Kindern. Hauptgrund für die deutlichen Fertilitätsunterschiede liefert der beträchtlich höhere Anteil von ausländischen Frauen im fruchtbaren Alter (62,4%) gegenüber jenem der einheimischen Frauen (42,9%).

Mehr Abwanderer, als Zuwanderer

Erstmals seit drei Jahrzehnten fällt die Wanderungsbilanz der ausländischen Bevölkerung negativ aus, d.h. dass im Bezugsjahr die Anzahl der Abwanderungen jene der Zuwanderungen übersteigt: 5.237 Bürger mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft wanderten nach Südtirol zu - rund die Hälfte davon vom Ausland -, während etwas mehr abwanderten (5.354), vorwiegend in andere italienische Gemeinden.

Ausländerquote liegt über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt

Der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung Südtirols ist im Laufe des Jahres 2014 nur mehr leicht angestiegen (von 8,8% auf 8,9%).

Diese Quote liegt über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt von 8,3%, jedoch unter jenem Mittel- und Norditaliens, wo 85% der ansässigen Ausländer leben. In den Regionen Emilia-Romagna, Lombardei, Umbrien, Latium, Toskana sowie Venetien ist bereits einer von zehn Einwohnern nicht italienischer Staatsbürger.

Die Lombardei verzeichnete dabei mit mehr als einer Million ausländischer Bürger den absolut höchsten Bestand (ISTAT, Schätzung für 2014).

Mehr als 60% der ansässigen Ausländer leben in den Ballungszentren

Die ausländische Wohnbevölkerung stammt größtenteils aus Europa und lebt vorzugsweise in den städtischen Gemeinden. Am 31.12.2014 lebt in der Landeshauptstadt mit 15.343 Personen etwa ein Drittel aller in Südtirol ansässigen Ausländer.

 

Betrachtet man den prozentuellen Anteil der ausländischen an der gesamten Wohnbevölkerung in den einzelnen Gemeinden, weisen neben Bozen (14,5%) und Meran (16,0%) auch einige kleinere Ortschaften einen beträchtlichen Wert auf. Dabei handelt es sich um Franzensfeste (24,9%), Salurn (20,7%), Brenner (14,6%), Waidbruck (12,6%) und Mühlbach (12,5%).

17 Gemeinden verzeichnen einen Ausländeranteil, der über dem Landesdurchschnitt liegt.

Im Großteil der Gemeinden sind ausländische Staatsbürger im Verhältnis zur Gemeindebevölkerung jedoch unterdurchschnittlichvertreten, in 29 davon ist das Phänomen kaum nennenswert (unter 3%). Laurein ist die einzige Gemeinde, in der keine ausländischen Staatsbürger leben.

Kulturelle Vielfalt

Menschen aus 138 verschiedenen Ländern leben derzeit in Südtirol. Dadurch wird die kulturelle Vielfalt der Südtiroler Gesellschaft immer facettenreicher.

Rund 15.000, ein Drittel aller in Südtirol ansässigen Ausländer, kommen aus einem der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Ein weiteres Drittel entfällt auf die anderen europäischen Länder, die nicht zur EU zählen, während 18,0% der Migranten aus Asien und 12,4% aus Afrika stammen.

In der Rangliste der Herkunftsländer nimmt Albanien mit rund 5.600 Personen den ersten Platz ein. Es folgen Deutschland mit etwa 4.400 und Marokko mit 3.600 Personen. Zusammen stellen diese drei Gruppen knapp 30% aller Einwohner ausländischer Nationalität. Die Pakistaner (3.384) sind die zahlenmäßig stärkste asiatische Gemeinschaft im Lande.

Inländer oder Ausländer?

Zur ausländischen Wohnbevölkerung zählen alle meldeamtlich erfassten Personen, die nicht im Besitz der italienischen Staatsbürgerschaft sind.

Diejenigen hingegen, die im Laufe der Zeit eingebürgert worden sind - das sind an die 8.000 Personen im vergangenen Zehnjahreszeitraum -, gelten als Inländer. In der Ausländerstatistik werden sie nicht mehr berücksichtigt, genauso wenig wie Personen aus Nicht-EU-Staaten, die sich ohne gültigen Rechtstitel auf italienischem Staatsgebiet aufhalten.

stol/ker

stol