Samstag, 04. Januar 2020

Australien setzt gegen Brände zunehmend Militär ein

Im Kampf gegen die verheerenden Buschbrände in Australien ruft die Regierung zunehmend das Militär zu Hilfe.

Im Südosten des Landes gilt der Ausnahmezustand.
Im Südosten des Landes gilt der Ausnahmezustand. - Foto: © APA (AFP) / SAEED KHAN

Premierminister Scott Morrison kündigte am Samstag den Einsatz eines dritten Kriegsschiffs, der HMAS „Adelaide“, zur Unterstützung der Evakuierung aus Küstenstädten an. Zudem sollen bis zu 3000 Reservisten einberufen werden und Militärstützpunkte als Notunterkünfte dienen.

Die „Adelaide“ soll den Bewohnern der Bundesstaaten New South Wales and Victoria bei der Evakuierung helfen. 2 weitere Schiffe, die MV „Sycamore“ und die HMAS „Choules“, sind bereits vor der Stadt Mallacoota im Einsatz.

Wegen der Buschfeuer wurden Tausende Menschen aus mehr als 2 Dutzend Küstenstädten im Südosten des Landes in Sicherheit gebracht. Den Behörden zufolge war dies die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Australiens in Friedenszeiten.

Bereits 23 Menschen bei Bränden gestorben

Bei den schweren Bränden sind Morrison zufolge seit September 23 Menschen ums Leben gekommen Bei einem Brand in einem Nationalpark auf der bei Touristen beliebten Känguru-Insel waren zuletzt zwei Todesopfer hinzugekommen. Mehr als fünf Millionen Hektar Land sind zerstört worden - eine Fläche von der Größe Belgiens. Hunderte Häuser und Gebäude wurden vernichtet.

Ein Zwei-Sterne-General sei mit der Beaufsichtigung der Bekämpfung der Buschbrände durch das Militär beauftragt worden, sagte Morrison. Zudem komme der Hubschrauberträger HMAS Adelaide der Armee zum Einsatz.

„Die Regierung hat diese Entscheidung nicht leichtfertig gefällt“, betonte Verteidigungsministerin Marise Payne. Es sei das erste Mal in der Geschichte Australiens, dass Reservisten in so großer Zahl herangezogen würden.

„Die heutige Entscheidung bringt mehr Füße auf die Erde, mehr Flugzeuge in die Luft, und mehr Schiffe auf See“, sagte Morrison. Die australische Armee unterstützt die Einsatzkräfte im Kampf gegen die Buschbrände bereits seit Monaten mit rund 2.000 Soldaten sowie mit Erkundungsflügen und Logistik.

Regierungschef unter Beschuss

Wegen seiner Reaktion auf die dramatischen Brände war Morrison zuletzt unter Beschuss geraten. Der Regierungschef war zunächst auf Urlaub nach Hawaii geflogen. Bei einem Besuch der halb zerstörten Stadt Cobargo wurde er am Freitag ausgebuht. Eine weinende Schwangere und ein freiwilliger Feuerwehrmann weigerten sich, Morrison die Hand zu geben. Schließlich drehte der Premier um, die Bewohner riefen ihm Beschimpfungen nach.

Am Samstag verteidigte Morrison seinen Umgang mit der Krise. Dem Vorfall in Cobargo wollte er keine größere Bedeutung beimessen. „In dieser Situation haben Menschen gemischte Gefühle“, betonte er. Er habe bereits „viele Umarmungen“ verteilt, fügte er hinzu

Morrison gilt als Kohle-Förderer. Er sieht die Brände als Naturkatastrophe und lehnt es ab, seine Klimapolitik deswegen zu ändern.

Die Polizei teilte mit, dass ein Buschbrand den Flinders-Chase-Nationalpark auf der Känguru-Insel nahezu zerstört habe. Die zwei Menschen seien ums Leben gekommen, als die Flammen auf ihr Auto übergegriffen hätten. Sie seien noch nicht identifiziert worden.

Der Premier von Südaustralien, Steven Marshall, sagte, durch den Brand auf der Känguru-Insel gebe es auch „erhebliche Verluste“ unter den Wildtieren. In dem Nationalpark leben unter anderem Kängurus, Koalas und Ameisenigel.

Für dieses Wochenende wird eine neue Zuspitzung der Lage erwartet, wenn die Temperaturen auf bis zu 46 Grad Celsius steigen sollen. Nahezu im gesamten Südosten des Landes gilt der Ausnahmezustand.

apa