Referatsleiter Jörg Randl und sein Mitarbeiter Manuel Reindl vom ÖAV-Referat Bergsport gewährten einen Blick hinter die Kulissen infolge des fatalen Lawinenunglücks im Pongau am 17. Jänner. 4 Teilnehmer einer ÖAV-Weiterbildung für Tourenführer starben. <h3> „Super-GAU für jeden Verein“</h3>So ein Fall ist der Super-GAU für jeden Verein. Beide ÖAV-Experten waren vor ihrer Aufgabe beim ÖAV Alpinpolizisten und konnten daher auf ein gutes Netzwerk, Ermittlungserfahrung, aber auch eine Ausbildung im Krisenmanagement zurückgreifen. Randl führte im Detail die einzelnen Schritte des Krisenmanagements des ÖAV vom ersten Moment bis heute aus. „Der ÖAV war von allen Seiten stark gefordert. Mediale und rechtliche Aspekte sowie die psychologische Betreuung musste berücksichtigt und koordiniert werden“, erklärte Randl.<BR /><BR />Alpenvereinsintern gab und gibt es zahlreiche Gespräche und einen engen Austausch. „Als besonders wichtig hat sich die Kommunikation mit den Überlebenden und mit den Hinterbliebenen herauskristallisiert. Das Angebot muss da sein, jeder reagiert in solchen Fällen anders und das muss respektiert werden. Die Betroffenen müssen aber wissen, dass jemand da ist, der sie begleitet – psychologisch, aber auch in praktischen Fragen“, erklärte Randl. <BR /><BR />Auch der AVS hat bereits seit 15 Jahren für seine ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Notfall-Hotline, um bei Unfällen bei Vereinsveranstaltungen Unterstützung zu geben. „Wir werden am Thema dranbleiben und den Austausch mit dem ÖAV und auch dem DAV suchen. Wir hoffen zwar, dass wir diese Strategien niemals brauchen werden, aber wir können nie ausschließen, dass es Unfälle gibt“, sagt Peter Warasin, Leiter des AVS-Referats Bergsport & HG. <h3>Bergsport: Das war 2025</h3>Das abgelaufene Jahr Revue passieren ließen die zwei Referatsleiter. Der AVS hat eine Grundnutzungsvereinbarung mit dem Südtiroler Bauernbund ausgearbeitet, womit die Nutzung von Privatgrund für Klettersteige und Klettergärten geregelt ist. Bei Klettersteigen fehlt für ein einheitliches Vorgehen die gesetzliche Basis.<BR /><BR /> „Der AVS fordert, dass das Land endlich die Kompetenz in die Hand nimmt und gemeinsam mit allen Partnern die Klettersteigthematik regelt, damit Sanierungsmaßnahmen gefördert werden und neue Projekte seriös und koordiniert behandelt werden. Der AVS hat seine Hausaufgaben erfüllt und wird mitarbeiten, nun ist die Politik gefordert“, sagte Warasin.<BR /><BR /> Im digitalen Bereich ist das Referat Bergsport gut unterwegs: Die alpine Wissensdatenbank soll im Winter online gehen und auch über die AVS-App für alle einsehbar sein. Die Klettergärten sind digital erfasst – jene, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind, werden eigens gekennzeichnet. <BR /><BR />Rückblick hielten auch die Hochtouren-Gruppen (HG). Der Vertreter im Referat Thomas Mair ist stolz darauf, dass es in fast allen Landesteilen solche Gruppen gibt – aktuell sind es 5, die jüngste wurde vor einem Jahr im Vinschgau gegründet und hat bereits die Mitgliederzahl verdoppelt. Thomas Mair gab bei der gestrigen Versammlung nach über 20 Jahren sein Amt an Kathrin Zischg, Leiterin der HG Bozen ab – per Akklamation wurde sie ins Amt geklatscht.<BR /><BR /> Rückblick hielt auch Stefan Plank für das Vorzeigeprojekt Alpinist. Stolz ist er darauf, dass mittlerweile ein Drittel der Teilnehmerinnen Frauen sind. Im abgelaufenen Jahr wurde zum2. Mal das ALPINIST-Team ins Leben gerufen. 8 junge Alpinist wurden nach 4 Sichtungstagen ausgewählt und werden nun 2 Jahre lang begleitet. Sie haben bereits viele Alpintage gemeinsam absolviert und auch schon zahlreiche Touren unternommen. <BR /><BR />Höhepunkt wird eine Expeditionsreise nach Bolivien sein, welche derzeit in Planung ist. Bergsteigen im Alpenverein hat auch viel mit Ethik zu tun – Kletterethik. In der Szene gibt es immer wieder Diskussionen, wie Routen abzusichern sind. Hierzu gab es im abgelaufenen Jahr mehrere Treffen mit Bergführern, um einen Konsens zu finden.<BR /><BR /> Im Hochpustertal gibt es bereits Lösungsansätze, die ohne Regeln von lokalen Alpinisten und Bergführern gelebt werden: „Auf Normalwegen ist es aus unserer Sicht akzeptabel, dass Standplätze oder Abseilpunkte, teils auch Sanduhren, mit Bohrhaken ausgestattet werden. Klassische Routen hingegen sollten im Geist des Erstbegehers begangen werden und Normalhaken benutzt werden. Dabei kann jeder Alpinkletterer seinen Beitrag leisten, in der der alte Normalhaken mit neuen ersetzt.“, sagte Erwin Steiner, Bergführer und aktuell Bergsportreferent der Sektion Hochpustertal. <BR /><BR />Für Erstbegehungen hingegen sollte, so die Auffassung der Alpinkletterszene, die Sicherungsmethode wie in der Umgebung gelten und lokale Ethiken respektiert werden. <h3> Rückblick Alpine Führungskräfte</h3>Positive Stimmung gibt es auch im Referat Alpine Führungskräfte, zu welchen Tourenleiter, Mountainbike-Gruppenleiter und AVS-Wanderführer zählen. In allen drei Gruppen ist Weiter- und Fortbildung das Um und Auf. Zahlreiche Kurse werden organisiert und sie sind in der Regel auch sehr gut besucht. <BR /><BR />In allen Bereichen wurden die Ausbildungswege abgeschlossen und die neuen alpinen Führungskräfte sind in den verschiedenen Sektionen des AVS ehrenamtlich im Einsatz. Michele Ferrara, Sprecher der Wanderführer im AVS, berichtete von 14 neuen Wanderführern und 5 Gruppenleitern Schneeschuhwandern, 11 neue Anwärter sind für die Ausbildung zum Wanderführer angemeldet.<BR /><BR /> „Sehr wichtig ist in unserem Bereich das Wissen um erste Hilfe, aber natürlich auch Kenntnisse in den Bereichen Geologie und Fauna und Flora“, berichtete Ferrara. Im Alpenverein gibt es mittlerweile auch 40 Gruppenleiter Mountainbike, berichtete Markus Tröger, Sprecher der Gruppenleiter Mountainbike im AVS. <BR /><BR />Die Kurse werden mittlerweile in den Sektionen angeboten, vor allem die kleinen Sektionen nehmen das Angebot stark an. Spannend wird der heurige Ausflug nach Graubünden: Dort gibt es Fairtrails für Mountainbiker, die zu bestimmten Uhrzeiten geöffnet sind, um das Miteinander der verschiedenen Wegnutzer respektvoll zu gestalten. „Wir holen uns Einblick in das Konzept und möchten ausloten, was wir für Südtirol übernehmen könnten“, sagte Tröger. <BR /><BR />Positiv zurück blickte Michael Grünfelder auch auf den Bereich Tourenleiter. „Besonders freut es mich, festzustellen, dass die Mitglieder der neu gegründeten HG Vinschgau allesamt Tourenleiter sind. Das bedeutet, dass die Ausbildung funktioniert und die Intention, Netzwerke daraus zu knüpfen, funktioniert“, meinte Grünfelder. In der Ausbildung werde großer Wert auf Sicherheitsaspekte gelegt, aber auch auf die Organisation von Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Gern angenommen werden die Kurse zum Thema „Unterwegs mit Kindern“, Nachholbedarf gibt es im Bereich Klettern“, stellte er fest.