Das Therapiezentrum Bad Bachgart wurde im Jahr 2001 in Betrieb genommen und war zunächst lediglich eine Anlaufstelle für Suchtkranke. Die vorhandenen 30 Betten wurden durch die Zusammenarbeit mit den Diensten für Abhängigkeitserkrankungen schnell gefüllt. „Eigentlich wäre im zweiten Gebäude ein Weiterbildungszentrum für Gesundheitspersonal geplant gewesen“, erinnert sich Helmut Zingerle, der ehemalige und langjährige Leiter. Er setzte sich dafür ein, dass stattdessen eine psychosomatische Abteilung eingerichtet wird. So wurde diese im März 2003 eröffnet. <BR /><BR />Das brachte jedoch Schwierigkeiten mit sich: „Zum einen war Bad Bachgart nun im ganzen Land lediglich als Suchtklinik bekannt. Zum anderen war es zur damaligen Zeit verpönt, psychiatrische Dienste mit jenen für Suchtkranke zu kombinieren“, erklärt er. Vor allem die psychiatrischen Dienste seien anfangs stark dagegen gewesen. Im Laufe der Jahre hätte sich das Modell jedoch bewährt.<BR /><BR />Zu Beginn wurden im Therapiezentrum für Suchtkranke ausschließlich Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit behandelt. Im Laufe der Zeit kamen Patientinnen und Patienten mit Medikamentenabhängigkeit oder problematischem Glücksspielverhalten dazu. <h3> Wandel kam in 2010-er Jahren</h3>2003, als die psychosomatische Abteilung eingerichtet wurde, bestanden die Therapiegruppen fast ausschließlich aus Frauen. Gegen Ende der 2010er-Jahre zeichnete sich ein deutlicher Wandel ab: Die Patientinnen und Patienten waren zunehmend von Mehrfachabhängigkeiten und psychischen Begleiterkrankungen betroffen, wurden immer jünger und stammten aus allen gesellschaftlichen Schichten.<BR /><BR />Diese Entwicklung zieht sich heute noch fort: „Die Komplexität der Störungsbilder ist stark gestiegen und damit auch die Herausforderungen in der Behandlung“, weiß Dr. Martin Fronthaler, Leiter des Therapiezentrums Bad Bachgart. Das bedeutet, dass es immer mehr Patientinnen und Patienten gibt, die eine Kombination an Persönlichkeitsstörungen haben oder abhängig von mehreren Substanzen sind. <BR /><BR />„Das macht es schwieriger, auf die verschiedenen Bedürfnisse einzugehen“, erklärt er. Auch das Alter der Patientinnen und Patienten variiert mittlerweile stärker. „Der Altersdurchschnitt hat sich über die Jahre nicht großartig verändert. Er ist in dieser Hinsicht wenig aussagekräftig. Während früher eine bestimmte Altersgruppe sehr stark vertreten war, kommen die Patienten nun aus allen Altersgruppen“, weiß er.<h3> Beziehungen stehen im Mittelpunkt</h3>Für Fronthaler steht bei den Patientinnen und Patienten vor allem ein Thema im Mittelpunkt: Beziehungen. „Bei Abhängigkeiten oder psychischen Störungen geht es häufig um die Beziehung zu sich selbst oder zu anderen Menschen“, sagt er. Gerade die sozialen Medien würden dabei eine immer größere Rolle spielen. „Der soziale Druck ist heute sehr hoch. Verschiedene Abhängigkeiten oder psychische Belastungen können dadurch verstärkt werden“, sagt er. Auch der zunehmende Individualismus und der ständige Vergleich mit anderen würden manche Probleme zusätzlich begünstigen. <BR /><BR />Eine große Entwicklung konnte man über die Jahre beobachten: Menschen mit Abhängigkeiten und psychischen Erkrankungen wurden weniger abgelehnt und mehr verstanden. „Vor allem junge Leute sehen das heute nicht mehr als Tabu. Sie reden frei darüber und holen sich Hilfe, falls sie sie brauchen“, sagt Fronthaler. <h3> KI soll stärker eingesetzt werden</h3>Auch im Therapiezentrum selbst hat sich einiges verändert. Die Zimmer wurden renoviert, um den Bedürfnissen von mehrgewichtigen Menschen besser gerecht zu werden. Gleichzeitig wurde das medizinische Team erweitert: Eine Ernährungstherapeutin und eine Internistin ergänzen mittlerweile das Team, um den wachsenden gesundheitlichen Herausforderungen der Patientinnen und Patienten begegnen zu können.<BR /><BR />Die Zahl der Betten ist mit 65 hingegen gleich geblieben – und das soll vorerst auch so bleiben. „In Zusammenarbeit mit den anderen Diensten in Südtirol ist der Bedarf gut gedeckt“, erklärt er. Auch die Behandlungsmethoden wurden laufend weiterentwickelt. <BR /><BR />So hält mittlerweile auch Künstliche Intelligenz Einzug in die Therapie bei Bad Bachgart. „Es gibt Bestrebungen, die KI noch stärker einzubinden, weil diese neuen technischen Möglichkeiten sehr hilfreich sein können“, sagt Fronthaler.