Nach dem tödlichen Angriff der Bärin JJ4 auf den 26-jährigen Andrea Papi wird im Trentino fieberhaft nach einer Lösung für das Bärenproblem in der Provinz gesucht. <BR /><BR />Dabei geht es der Regierung um Landeshauptmann Maurizio Fugatti nicht nur darum, die Gefahr, die von Problembären wie JJ4 oder MJ5 ausgeht, zu bannen, sondern vielmehr darum, die Bärenpopulation im Trentino zu reduzieren: <a href="https://www.stol.it/artikel/politik/fugatti-zusammenleben-von-baer-und-mensch-so-nicht-moeglich" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">„Bei der aktuellen Anzahl von Bären im Trentino ist eine Koexistenz von Bären und Menschen nicht möglich“, hat Fugatti kürzlich unterstrichen.</a><BR /><BR />Schwierigkeiten bereitet bisher, die Umsetzung dieses Vorhabens. Problembären oder „überschüssige Exemplare“ zu töten, ist einfacher gesagt als getan: <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/verwaltungsgericht-setzt-auch-abschussverordnung-fuer-mj5-aus" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Das beweisen die durch das Verwaltungsgericht Trient ausgesetzten Abschussverordnungen für JJ4 und MJ5.</a><BR /><BR />Auch die Umsiedelung von Bären aus dem Trentino in andere italienische Regionen oder ins Ausland erweist sich als schwierig: <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/niemand-will-die-baeren-aus-dem-trentino" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">So hat das italienische Umweltministerium kürzlich in Slowenien angefragt, ob das Land einige Bären aus dem Trentino aufnehmen könne – und eine Absage erhalten.</a> Die slowenischen Behörden sind selbst mit einer Überzahl lokaler Bären konfrontiert. Mindestens 200 Bären zu viel zählt Slowenien, berichteten italienische Medien.<BR /><BR />In dieser Situation des Stillstandes meldet sich nun eine Gruppe von Tierärzten zu Wort und schlägt dem Trentiner Landeshauptmann einen gänzlich anderen Lösungsansatz vor, um das Bärenproblem im Trentino in den Griff zu bekommen: Sterilisation.<h3> Mit Sterilisation aggressivem Verhalten vorbeugen</h3>„Wir sind bereit der Autonomen Provinz Trient unsere Fachkenntnisse und unser Personal zur Verfügung zu stellen, um einen Beitrag zur Lösung des Problems der Überpopulation von Bären in diesem Gebiet zu leisten. Ohne Euthanasie oder Abschuss“, lautet es in dem Schreiben einer Gruppe von Tierärzten, die von Dr. Vincenzo Mulè koordiniert wird. Mulè ist als Veterinärmediziner für Wildtiere sowohl in Bozen als auch in Sarnonico im Trentino tätig und ist Repräsentant der Organisation „Südtirol Exotic Vets“. <BR /><BR />Konkret schlagen die Tierärzte vor, die Bären im Trentino zu sterilisieren. Damit könnte nicht nur die Zahl der Bären kontrolliert werden. „Wenn die Tiere keinen Nachwuchs bekommen, zeigen sie auch nicht das aggressive Verhalten, um die Jungen zu verteidigen“, erklärt Mulè. „Gerade die unkontrollierte Fortpflanzung hat das Zusammenleben von Mensch und Bär im Trentino erschwert.“<BR /><BR />Nach Angaben der Tierärzte ist die Sterilisation durch einen minimalinvasiven Eingriff möglich: Die Laparoskopie ist eine Operationsmethode unter Vollnarkose, die beispielsweise bei der Kastration von Hündinnen angewendet wird. „Wir sprechen von einer praktikablen Lösung, die sowohl Tierschützer als auch Behörden zufrieden stellt und gleichzeitig einen maximalen Schutz der öffentlichen Sicherheit gewährleistet“, heißt es in dem Schreiben an die Trentiner Landesregierung. <BR /><BR />Gestützt wird dieser Vorschlag auch durch die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Bologna und das Animal Rescue Team Italia mit Sitz in der Provinz Ravenna.<h3> Kein neuer Vorschlag</h3><BR />In der aktuellen Debatte ist dieser Lösungsansatz neu. Allerdings wurde er bereits in der Vergangenheit diskutiert. „In einem wissenschaftlichen Artikel, der 2017 in der Zeitschrift Zoo and Wildlife Medicine veröffentlicht wurde, werden die Vorteile der Sterilisation sowohl aus veterinärmedizinischer als auch aus ethologischer Sicht ausführlich erläutert. Was hindert uns daran, auch hier die Nase vorn zu haben?“, fragt der Brief an Landeshauptmann Fugatti.<BR /><BR />Interessant auch: Bereits 2021 wurde im Trentino darüber nachgedacht, JJ4 zu sterilisieren, um aggressivem Verhalten vorzubeugen. Damals wurde jedoch nichts unternommen, „weil es einfach nicht möglich war“, wie Raffaele De Col, Generaldirektor der Abteilung für Zivilschutz, Forstwirtschaft und Fauna im Trentino, gegenüber italienischen Medien erklärte.<BR /><BR />Laut De Col gab es dafür mehrere Gründe: Neben der fehlenden veterinärmedizinischen Expertise sei auch der Ort der Operation problematisch gewesen. In einem veterinärmedizinischen Bericht heißt es, „dass die Operation nicht vor Ort durchgeführt werden kann, da sie chirurgische Instrumente erfordert, die Strom und eine sterile Umgebung benötigen“. Der Bericht fügte hinzu: „Das Verhalten von JJ4 gegenüber Menschen würde sich nicht ändern. Nur die Tatsache, dass es keine Nachkommen zu verteidigen gäbe, würde sich ändern“.<BR /><BR />Auch der italienische Senat hat sich bereits mit der Sterilisation von Bären und Wölfen befasst: Die Senatorin Donatella Conzatti von Forza Italia brachte 2018 einen Gesetzesentwurf ein, der das bestehende Gesetz dahingehend ändern sollte, dass die laparoskopische Sterilisation von Wölfen und Bären zur Eindämmung ihrer Ausbreitung eingesetzt werden kann. <BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/tag/B%C3%A4renangriff%20Trentino" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr zur Bärenproblematik lesen Sie hier.</a></b>