Manchmal begegnet man Menschen, die trotz schwerer Schicksalsschläge nicht zerbrechen, sondern wachsen und Licht ausstrahlen. Marianne Unterkofler Zöggeler Wwe. Reiterer ist eine solche Frau. Man spürt ihre Herzlichkeit und Offenheit – nicht ahnend, wie viele Lasten sie getragen hat und wie viel Mut dahintersteckt. <BR /><BR />Marianne wurde 1958 in Meran geboren. Acht Tage nach der Geburt wurde Marianne von einem Paar in Vöran adoptiert. Den Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter verlor Marianne aber nie. Ihre Adoptiveltern waren ihr größtes Glück. „Bessere Eltern hett i mir nie vorstelln gekennt!“, sagt sie. Als einziges Kind wuchs sie beim Eggwieser auf. <h3> Ein starkes Team, das alles gemeinsam entschied</h3>Doch mit nur zwölf Jahren verlor sie ihren Adoptivvater – ein tiefer Einschnitt. Marianne gab ihre Träume auf, Sprachen zu lernen und Reisebegleiterin zu werden, und begann im Gastgewerbe zu arbeiten. Später machte sie den Führerschein, um unabhängig zu sein und der Mutter den Alltag zu erleichtern. Durch diesen Führerschein lernte sie ihren späteren Mann Ignaz kennen, den Egger Sepp. Er machte ihr Mut und feierte mit ihr die bestandene Prüfung. Aus anfänglicher Zurückhaltung wurde ein starkes Team, das alles gemeinsam entschied. <BR /><BR />1980 heirateten sie. Auf eine Fehlgeburt folgten die Kinder Friederika, Wally, Josef und später Stefan. Die ersten Jahre lebten sie mit Ignaz’ Eltern und seinen 15 Geschwistern zusammen – nicht immer einfach, erzählt Marianne. Als ein Bruder von Ignaz eine Pizzeria eröffnete, zog die Schwiegermutter mit den Kindern dorthin. Der Alltag wurde zwar ruhiger, doch manchmal hätte Marianne die Hilfe am Hof gebraucht. <h3> „Wenn man will und muss, dann geht’s“</h3>1987 traf das Paar ein schwerer Schlag: Ignaz erkrankte an einer unheilbaren Infektion. Von da an prägten Höhen und Tiefen sein Leben – und das von Marianne. Sie trug nun fast alles allein: die vier Kinder, die Kühe im Stall, die Garten- und Feldarbeit, die Gäste bekochen, denn am Hof wurden Zimmer mit Halbpension vermietet. 1989 begann der dringend notwendige Stallumbau. Ignaz wollte helfen, musste aber immer wieder ins Krankenhaus. Marianne besuchte ihn täglich, betend, dass sie ihre Angst und Sorgen vor ihm verbergen könne. „Wenn man will und mues, nor geht’s.“ <BR /><BR />1994 kam überraschend Tochter Maria zur Welt – eine große Freude für Ignaz. Marianne musste aber stets alles alleine stemmen. Ein Umbau im Stall und die Hilfe ihrer Halbschwester und Nachbarn erleichterten vieles, trotzdem war die viele Arbeit eine schwere Last. Auch im Haus folgten Umbauten. Das Geld wurde von Marianne streng eingeteilt, damit sie über die Runden kamen. Und sie schaffte es auch. Neben all dem Engagement am Hof arbeitete Marianne im SBO-Ortbäuerinnenrat und auch im Pfarrgemeinderat – sie brauchte diese Abwechslung. Und den Hof aufzugeben, stand nie zur Debatte: „Sell hot mi dr Stolz net glossn.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1294302_image" /></div> <BR />Viele Jahre kämpfte Ignaz um sein Leben, 2010 verstarb er. „Dr Glabm hot ins gerettet.“ Mit Unterstützung ging es weiter, doch ihre Kräfte ließen nach. Und es war für Marianne eine große Erleichterung, 2016 den Hof an Sohn Josef zu übergeben, der ihn heute im Vollerwerb führt. In neuerbauten Stall stehen 40 Melkkühe und Jungvieh, zudem Ferienwohnungen und Hofaufschank. Marianne ist dankbar und freut sich, dass es Josef mit seiner Familie gelingt, den Hof weiterzuführen, ganz im Sinne von Ignaz. <h3> „I geh gern in dr Welt ausi“</h3>Marianne hilft noch immer mit, wo sie kann. Doch nun gehört ihre Leidenschaft dem Reisen. „I geh gern in dr Welt ausi.“ Offenbleiben, neugierig bleiben – das ist ihr wichtig. Ebenso das Pflegen der bäuerlichen Kultur und die Liebe zu ihren fünf Enkeln. Auch den Nachbarn steht sie jederzeit zur Seite, wenn sie Hilfe brauchen. Fragt man die 68jährige Marianne, was ihr geholfen hat, den Hof vorbildlich weiterzuführen, antwortet sie ohne Zögern: Glauben, Ehrlichkeit, Mut und Vertrauen. „Wenn man meint es geht nicht mehr, kommt doch von irgendwo ein Lichtstrahl her.“