Bettina Kofler ist eine von vielen Tausenden Bäuerinnen im Land. Sie steht in ihrer modernen Küche und öffnet den Backofen. In einer Auflaufform brutzelt Fleisch. „Ich habe den Rücken vom Schwein zu einem Gericht verarbeitet. Wir verwenden alles“, erklärt sie. Das Kochen ist Teil ihres Berufs. <h3> „Die Bäuerin von heute ist innovativ und vielseitig“</h3>Seit einigen Jahren betreibt die 35-jährige Bäuerin ein Catering und verarbeitet dafür eigene Produkte wie Milch, Eier, Speck, Kräuter oder Obst. „Meine Rolle auf dem Hof ist vielseitig“, sagt sie. Zu den Aufgaben der dreifachen Mutter gehören auch die Reinigung des Milchlagertanks, die Unterstützung bei der Stallarbeit oder die Heuarbeit. <BR /><BR />Der Stall des Vieiderhofs in Steinegg wurde erst kürzlich umgebaut. Dort ist das Grauvieh untergebracht, einige produzieren Heumilch. Vor ihrer Heirat hatte Bettina Kofler mit dieser Welt kaum etwas zu tun. Der Liebe wegen wurde sie zur Landwirtin, davor war sie im Gastgewerbe tätig. <BR /><BR />Kofler war neugierig, wollte jeden Bereich des Betriebes kennenlernen. Dazu gehören neben der Arbeit im Stall und mit den Tieren auch die Wälder, Felder und eine Alm. Überall bekam sie Einblicke, ihre Freude und ihr Interesse wuchsen. Mit dem Catering erfand sie sich schließlich neu. <h3> „Wichtig ist, dass man sich getraut“</h3>Der Anfang war dabei nicht einfach. „Man muss innovativ sein und auch ein Risiko eingehen“, sagt sie. Das Catering sei ihre Leidenschaft, „dafür nimmt man auch etwas in Kauf.“ Das Veredeln der eigenen Produkte macht ihr Spaß. Sie plädiert dafür saisonal und regional einzukaufen.<BR /><BR /> „Jede Bäuerin hat ihre eigenen Fähigkeiten und jede Bäuerin ist anders“, ist sie überzeugt. Ihre Rolle hat sich gewandelt, sie geht oft einer Arbeit außerhalb des Hofes nach. Heutzutage, so Kofler, sei eine Bäuerin innovativ, aber auch Wissensvermittlerin. Sie gibt Bräuche und Traditionen weiter. Zu Ostern wird am Vieiderhof stets „Fochaz“ gebacken, ein mit Anis gewürztes Osterbrot. <BR /><BR />Kofler, die sich auch im Landesbäuerinnenrat engagiert, weiß, dass immer mehr Frauen in Südtirol einen Hof übernehmen. „Wichtig ist, dass man sich getraut“, sagt sie. <h3> Südtirols Bäuerinnen in Zahlen</h3><b>14.400 Frauen</b> hat die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) als Mitglieder. Sie alle arbeiten auf Bauernhöfen in irgendeiner Form mit. <BR /><BR /><b>Nur 17 Prozent</b><BR /><BR /><b>Bei fünf Prozent</b><h3>Hintergrund: Das „Jahr der Bäuerin“</h3>Die Vereinten Nationen (UNO) haben 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt. In den nächsten Monaten soll hervorgehoben werden, welch wichtige Rolle Frauen in Agrar- und Ernährungssystemen spielen. Dies werde häufig nicht anerkannt, so die UNO. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72888754_quote" /><BR /><BR />„Die Rolle der Bäuerin war seit jeher am Hof unabdingbar, endlich erfährt die Bäuerin die verdiente Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft“, sagt Südtirols Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher. „Hoffentlich sind wir durch dieses internationale Jahr imstande, diese Rolle der Bäuerinnen auf den Höfen und in der Gesellschaft noch besser aufzuzeigen. Bäuerinnen sind für unser Land eine ganz große Stütze und Bereicherung, vielleicht sogar ausschlaggebend, wenn wir wichtige Werte erhalten und weitergeben wollen.“ <BR /><BR />Laut UNO soll das Aktionsjahr dazu beitragen, geschlechtsspezifische Ungleichheiten zu verringern und die Lebensbedingungen von Frauen weltweit zu verbessern.