Mittwoch, 03. Juli 2019

„Bahnhofsareal ist Meilenstein für Bozen und Südtirol“

Die Unterzeichnung des Programmabkommens für das Bahnhofsareal am Mittwoch stellt für die städtebauliche Entwicklung der Landeshauptstadt Bozen den Startpunkt für eine neue Phase dar. Vorausgegangen war eine jahrelange Vorbereitungszeit, in der zahlreiche Verhandlungen und Treffen stattgefunden sowie Studien und Projekte erstellt wurden. Einfach war dieser Weg keineswegs: Zuletzt ist wegen des Projekts Christoph Baur als Bozner Vizebürgermeister zurückgetreten.

Im Bereich Infrastruktur und Mobilität sind die Erneuerung des Bahnhofs und die Verlegung der Gleise im Wohngebiet vorgesehen. Die Gesamtkosten des Bahnhofsprojekts betragen um die 200 Millionen Euro.
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Im Bereich Infrastruktur und Mobilität sind die Erneuerung des Bahnhofs und die Verlegung der Gleise im Wohngebiet vorgesehen. Die Gesamtkosten des Bahnhofsprojekts betragen um die 200 Millionen Euro. - Foto: © LPA

Seit 13 Jahren gibt es nun bereits die Idee, den Bozner Bahnhof zu verlegen, zahlreiche alte und ungenutzte Gleise zu entfernen und damit auf 48 Hektar Grund ein komplett neues Stadtviertel zu schaffen. Was viele stets als unrealistisch oder unfinanzierbar betrachtet haben, ist seit Mittwoch beschlossene Sache. Dass das Vorhaben eine Schwergeburt war,  wurde vor wenigen Wochen klar, als Christoph Baur zurückgetreten ist, weil er das Projekt gerade wegen des einzigen Großinvestors nicht mittragen konnte (STOL hat berichtet).

Die  beteiligten Akteure haben am Nachmittag im Palais Widmann ein Abkommen unterzeichnet, das an Komplexität kaum zu überbieten ist. Die Unterschriften von Landeshauptmann Arno Kompatscher, des Bozner Bürgermeisters Renzo Caramaschi, der Vizepräsidentin von ARBO Areal Bozen – ABZ AG, Silvana Giancane, sowie der Vertreter der Eisenbahngesellschaft, Maurizio Gentile, (Generaldirektor RFI), Umberto Lebruto (Sistemi Urbani) und Roger Hopfinger (Regionaldirektor Trenitalia) sind die Basis für die nächsten Schritte.

Das gemeinsame Ziel - die Aufwertung des Bahnhofareals in Bozen für die Stadt, für die Bürger, aber auch als Verkehrsknotenpunkt - wird nun konkret. Es gehe hier um viel mehr als um ein reines Infrastrukturprojekt: „Für uns ist dies ein Meilenstein, der mit dieser Unterschrift auf den Weg gebracht wird. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass wir einen neuen Bahnhof mit vielen begleitenden Möglichkeiten und Chancen für die Landeshauptstadt, aber nicht nur, sondern vielmehr für unser Land schaffen. Dies ist von internationaler Bedeutung, vor allem aufgrund der Qualität, die hier an den Tag gelegt wird“, betonte Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Eines der wichtigsten Projekte der Stadt Bozen der vergangenen 10 bis 15 Jahre

Das Projekt sei für die Gemeinde Bozen und deren Entwicklung von fundamentaler Bedeutung, unterstrich auch Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi. Dadurch könne ein neues Viertel im Herzen der Stadt entstehen, das sich nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem auch sozial auswirke. Dies sei eines der wichtigsten Projekte der Stadt Bozen der vergangenen zehn bis 15 Jahre, er sei außerordentlich froh, dass man nun in die Umsetzung gehen könne, so Caramaschi.

Das heutige Abkommen sei das Ergebnis einer gewinnbringenden Synergie und stelle einen konkreten Schritt zur Aufwertung der Eisenbahnzone in Bozen dar, hob RFI-Generaldirektor Maurizio Gentile hervor. Die Entscheidungsphase sei eine lange gewesen, doch sei er zuversichtlich, dass die Realisierungsphase nun wesentlich schneller abgeschlossen werde, so Gentile. „Durch die Verlegung des Eisenbahnverkehrs in Richtung Süden können wir dazu beitragen, die städtische Entwicklung und die Entstehung eines neuen Stadtviertels zu begünstigen“, sagte Gentile am Mittwoch bei der feierlichen Unterzeichnung des Abkommens in Bozen. Die geplanten Maßnahmen würden, zusammen mit jenen hinsichtlich der Zugangsstrecken zum transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-T), erhebliche Vorteile in Bezug auf Quantität und Qualität des Eisenbahnangebots bringen.

Die nächsten Schritte: 2020 Ausschreibung, 2021 Baubeginn

Durch die Unterzeichnung des Abkommens kann nun die Umgestaltung des Bahnhofsareals angegangen werden. So muss nun der Bozner Gemeinderat bis zum 2. August eine Bauleitplanänderung behandeln und gutheißen. Daran anschließend wird innerhalb September ein Markttest durchgeführt. Bis Frühjahr 2020 soll die europaweite Ausschreibung veröffentlicht sein, die Zuschläge sollen bis Jahresende folgen, durch die ein Investor (oder eine Bietergemeinschaft) für jene 30 Hektar gefunden werden soll, die auf dem Gelände gewinnbringend verbaut werden können. Interesse dafür haben bereits international tätige Investoren wie  Renè Benkos Signa Holding angemeldet. Sobald feststeht, wer dieses realisiert, werden das Land und die Gemeinde Bozen als öffentliche Teilhaber von ARBO Areal Bozen ihre Anteile veräußern. Die Gesellschaft wird dadurch privatisiert.

48 Hektar, 1 Milliarde Euro und 1,2 Millionen Kubikmeter

Innerhalb des Jahres 2021 dürften die Arbeiten zur Umgestaltung des Bahnhofsareals beginnen. Vom Abkommen betroffen sind 48 Hektar, auf denen sich momentan der Bahnhof sowie weitere Eisenbahninfrastrukturen befinden. Der Wert dieses Geländes beläuft sich auf eine Milliarde Euro. Was den Bereich Infrastruktur beziehungsweise Mobilität mit einem geschätzten Wert von 200 Millionen Euro angeht, so sieht dieser die Verlegung der Gleise in Richtung Virgl vor. In der freiwerdenden Zone wird ein neues Stadtviertel mit einem Bauvolumen von 1,2 Millionen Kubikmetern entstehen. Darauf sollen Büroräumlichkeiten ebenso ihren Platz finden wie Handelsflächen und öffentliche Einrichtungen (Autobusbahnhof, Intermodalitätszentrum, Kulturzentrum, Schwimmbad, Grünflächen und öffentliche Plätze). Die vorangeschlagenen Kosten hierfür betragen 500 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere 300 Millionen Euro für Enteignungen, Landgewinnung und Maßnahmen der öffentlichen Hand.

lpa/stol

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