So fuhr schließlich der Neffe Gottfried Obkircher im Privatauto zum Zahnarzt nach Bozen.<BR /><BR />Gottfried Obkircher, Radlerbauer in Durnholz, ist nach einem Unfall im Jahr 2019 querschnittsgelähmt und nur mit dem Rollstuhl mobil. Es ist ein elektrisches Gerät, mit dem Obkircher gut zurechtkommt. Wenn da nicht andere Hürden wären. <BR /><BR />Es war am vergangenen Montag. Gottfried Obkircher hatte um 11.30 Uhr einen Zahnarzttermin in Bozen, zu dem ihn seine Frau Maria begleitete. „Wir haben seit März ein neues Auto mit einer Heckrampe. Diese kann mein Mann eigenständig mit dem Rollstuhl befahren“, sagt Maria Obkircher. Im Stadtverkehr fühlt sie sich aber noch nicht sicher genug. Auch hätte sie vorab eine Bewilligung einholen müssen, um in die verkehrsberuhigte Zone einzufahren. Deshalb wollte das Paar mit dem Bus nach Bozen fahren und fand sich zeitig am Bahnhof in Sarnthein ein. „Man weiß ja nie, ob nicht etwas dazwischenkommt“, sagte die Frau – als hätte sie Ungemach geahnt. <h3> Hebebühne funktionierte – trotz Bemühungen – nicht</h3>Der Bus kam pünktlich um 9.25 Uhr, und es sah auf den ersten Blick gut aus. Er war mit einer Hebebühne ausgestattet. „Sie funktionierte aber nicht, sosehr sich der Fahrer auch bemühte“, erzählt Maria Obkircher. Nach mehreren missglückten Versuchen beschloss das Paar, auf den nächsten Bus zu warten. <BR /><BR />Doch auch da kam Obkircher mit dem Rollstuhl nicht in den Bus. Kollegen kamen dem Fahrer zu Hilfe, und es gelang nach längerem Herumprobieren, die Hebebühne zu aktivieren. Sie blieb aber – mit Obkircher auf dem Rollstuhl – auf halber Höhe stecken. Es ging weder hinauf noch zurück. <BR /><BR />Schließlich musste die Feuerwehr anrücken. Es dauerte eine halbe Stunde, bis Obkircher mit seinem 300 Kilogramm schweren Rollstuhl zurück auf den Boden gehievt werden konnte. Die Fahrgäste waren mittlerweile in einen anderen Bus umgestiegen. <BR /><BR />Trotz der missglückten Aktionen wagte das Paar einen dritten Versuch. Diesmal kam ein Bus mit herausklappbarer Rampe. Da es aber dem Fahrer nicht gelang, den Bus abzusenken, war die Rampe zu steil, um sie mit dem Rollstuhl zu befahren. <BR /><BR />„Somit waren wir zu guter Letzt gezwungen, mit dem Privatauto nach Bozen zu fahren. Ein Neffe meines Mannes bot sich als Fahrer an“, erzählt Maria Obkircher. Das war ein Glück – wie auch die Tatsache, dass der Zahnarzt den Patienten – trotz Verspätung – noch behandelte. <h3> Busse technisch ausstatten und Fahrer einweisen</h3>Von Barrierefreiheit wird viel geredet, und die meisten Busse sind auch entsprechend ausgestattet. Allerdings funktionierte die Technik in diesem Fall nicht. „Auch müssten die Fahrer in die Handhabung eingewiesen werden“, meint Obkircher. Sonst nütze all die Technik nichts. Die Fahrer hätten sich aber sehr bemüht: Dieser positive Eindruck bleibt Gottfried und Maria Obkircher auch in Erinnerung. <BR /><BR />Dass dieses Erlebnis kein Einzelfall ist, bestätigte ihnen der Landsmann Josef Ainhauser. Auch er ist im E-Rollstuhl unterwegs und hat ähnliche Erfahrungen gemacht.