Die Brennerlinie gilt als Schwerpunkt der Barrierefreiheitsprobleme im Südtiroler Bahnverkehr. Viele Bahnsteige sind nicht höhenangepasst, Aufzüge fehlen oder funktionieren nicht. Selbst barrierefrei umgebaute Gleise bleiben ungenutzt – wie etwa in Brixen.<h3> Was ist dort los?</h3>In Brixen wurde Gleis 1 mit Steuergeldern barrierefrei umgestaltet, der Bahnsteig erhöht und mit neuen Hebebühnen ausgestattet, die es dort eigentlich nicht mehr bräuchte – dennoch halten die Züge nicht auf Gleis 1, sondern weiterhin auf Gleis 2 oder 3, die nicht höhenangepasst sind. <BR /><BR />Wie kann das sein? Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider erklärt auf Alex Ploners Anfrage hin, dass man dadurch etwa eine Minute Fahrzeit einspare. Eine Antwort, die Ploner kaum fassen konnte. Auch die Erklärung der RFI, die vor wenigen Tagen eintraf, macht sprachlos: Gleis 1 dürfe nur genutzt werden, wenn die Aufzüge zu Gleis 2 und 3 defekt seien. Dass Menschen jedoch weder auf Gleis 2 noch auf Gleis 3 barrierefrei ein- oder aussteigen können, scheint der RFI entgangen zu sein. <BR /><BR />„Was bringt ein barrierefreier Umbau, wenn Züge nicht dort halten? Das ist eine Farce. Der Zustand ist nicht nur peinlich – er ist diskriminierend und menschenunwürdig“, so Ploner. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/was-am-bahnhof-brixen-passiert-ist-absurd-aber-leider-bittere-realitaet" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier ein Erfahrungsbericht eines Betroffenen.</a><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1228548_image" /></div> <BR /><BR />Doch nicht nur entlang der Brennerstrecke hapert es. Zwar sind die Linien Bozen–Meran, Vinschger Bahn und Pustertalbahn größtenteils gut ausgebaut, doch Ausnahmen wie Innichen oder der Umsteigebahnhof Franzensfeste bleiben problematisch. Im eigentlich barrierefreien Bahnhof Meran ist der Aufzug laut RFI bis 15. Februar 2026 außer Betrieb – der Termin wurde bereits mehrfach verschoben. Auch in Bozen Süd ist der Aufzug seit Wochen außer Betrieb.<h3> Zahlreiche strukturelle Probleme</h3>Ploner verweist auf grundlegende Hindernisse, die den Bahnverkehr für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen massiv erschweren: ungenutzte Hebebühnen in ÖBB-Zügen, weil italienisches Personal sie nicht bedienen darf, Lücken von bis zu 20 Zentimetern zwischen Zug und Bahnsteig, unterschiedliche Einstiegshöhen, zahlreiche defekte Aufzüge, kaum barrierefrei gestaltete Toiletten und ein Assistenzservice, der 24 Stunden im Voraus gebucht werden muss. So werden Betroffene in eine Sondersituation gedrängt, statt selbstbestimmt reisen zu können – ihre Teilhabe wird massiv eingeschränkt. <BR /><BR />Zwar werde derzeit an der Erhöhung weiterer Bahnsteige gearbeitet, doch bis alle Probleme behoben sind, dürften Monate bis Jahre vergehen. „So lange können wir auf keinen Fall warten“, mahnt Ploner. Als kurzfristige Maßnahme schlägt er feste, barrierefreie Einstiegsbereiche mit Rampen oder Hebebühnen vor, betreut vom Zugpersonal. Diese sollten klar gekennzeichnet und die zugehörigen Abteile auf Rollstuhlfahrer zugeschnitten sein.<BR /><BR />„Die wochenlang defekten Aufzüge an den Bahnhöfen, die jede Barrierefreiheit zunichtemachen, sind ein klarer Gesetzesverstoß gegen das Landesgesetz Nr. 7/2015, das Menschen ein Recht auf barrierefreien Zugang garantiert“, betont Ploner. Brisant sei zudem, dass Südtirol für RFI die Schneeräumung entlang der Bahnstrecken übernehme – bisher für über eine Million Euro. <BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src="https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="68f6300ba641dadb6c3a7d63" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = "https://view.genially.com/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <h3>Zahlungen einstellen, bis Verpflichtungen erfüllt sind</h3>„Wir zahlen die Schneeräumung, und RFI schafft es nicht, Aufzüge rasch zu reparieren. Eigentlich müsste man die Zahlungen einstellen, bis sie verlässlich ihre Verpflichtungen erfüllt.“<BR /><BR />Ploner sieht die Landesregierung in der Mitverantwortung und fordert, den Druck auf die italienischen Staatsbahnen deutlich zu erhöhen oder die Bahnhöfe selbst zu übernehmen: „Wenn Gesetze nicht eingehalten werden, muss man ordentlich auf den Tisch klopfen.“ Er mahnt, rasch zu handeln: „Wir dürfen nicht noch ein Jahr warten – das geht nicht mehr.“ <BR /><BR />Besonders die Zustände in Brixen müssen korrigiert werden: „In dem Moment, wo eine Struktur da ist, muss sie genutzt werden. Man muss es den Menschen leicht machen – alles andere ist Fahrlässigkeit.“ Die Frage ist und bleibt: Sind ein paar Sekunden Zeitersparnis – die der Zug dann oft wieder verliert, sobald er in Bozen bei der Einfahrt ein paar Minuten warten muss – wichtiger als die Barrierefreiheit, die ein Grundrecht und gesetzlich vorgesehen ist?<BR /><BR />Detaillierte Infos zu Barrierefreiheit in den Bahnhöfen entlang der Bahnstrecken in Südtirol und zur Vormerkung für Assistenz: <a href="https://www.suedtirolfueralle.it/de/unterwegs" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">https://www.suedtirolfueralle.it/de/home</a>