Montag, 03. Mai 2021

Bauer Aug' in Aug' mit dem Bären in Marling: Mehrere Tiere gerissen

In der Nacht auf Montag hat ein Bär den Flatscherhof in Marling heimgesucht und mehrere Ziegen und einen Ziegenbock gerissen. Auch vertreiben ließ er sich nur ungern, wie der Bauer berichtet.

Der Bär riss mehrere Tiere am Flatscherhof in Marling.
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Der Bär riss mehrere Tiere am Flatscherhof in Marling. - Foto: © Videoaktiv Schnalstal
Erst am Samstag war ein Mann einem Bären im Ultental über den Weg gelaufen – hier verlief die Begegnung friedlich – , jetzt hat wohl dasselbe Großraubtier am Flatscherhof oberhalb der Quadrathöfe wieder zugeschlagen.

Schon kurz nach der Heimkehr auf den Hof am Sonntagabend bemerkte Peter Raich, dass etwas nicht stimmte: „Als ich gegen 22.30 Uhr nach den Hennen sehen wollte, merkte ich gleich, dass etwas passiert sein musste: Die Ziegen standen alle zusammengepfercht auf einem Haufen in ihrer Einzäunung, auch der Hund kauerte in der Ecke“, berichtet der Bauer gegenüber STOL.

Vorsichtig geworden schnappte er sich eine Schaufel und kehrte zur Herde zurück – und stand plötzlich wenige Meter entfernt vor einem Bären. Mit Steinen versuchte Raich, das Raubtier zu vertreiben, was auch funktionierte, aber nur vorübergehend.

„Sobald ich wieder Richtung Haus ging, kam der Bär wieder zurück“, berichtet der Bauer.

Inzwischen waren auch der Jagdaufseher und die Feuerwehr alarmiert worden, die ebenfalls versuchten, das Großraubtier zu vertreiben.

Der Jagdaufseher schoss mehrmals in die Luft, was den Bären schließlich in den angrenzenden Wald vertrieb. Anschließend wurde für die Nacht ein Wachposten aufgestellt.

„Wir haben den Bären heute Früh schon wieder zwischen den Bäumen gesehen.“

Bevor Raich am Sonntagabend nach Hause kam, hatte der Bär bereits zugeschlagen: 7 Ziegen, ein Schaf, einige Kitz und auch einen Bock hatte das Großraubtier schon gerissen, nach 2 weiteren Böcken und einigen Kitz wird noch gesucht. „Wir haben Blutspuren entdeckt, also hat er diese wohl auch schon verletzt“, so Raich.



„Ich habe seit 5 Jahren mit den Tieren gearbeitet, allein der Bock ist ein großer finanzieller Verlust“, erklärt Raich. „So kann das nicht weitergehen! Der Bär lässt sich auch nicht vertreiben.“

Die Kälber, die in einer Einzäunung neben den Ziegen untergebracht waren, ließ der Bär in Ruhe.

Wohl der gleiche Bär wie im Ultental

Die Forst-Experten des Landes und die Carabinieri sind am Montagvormittag am Flatscherhof vor Ort, um die Risse zu begutachten.

Aller Voraussicht nach handelt es sich um einen jungen Bären aus dem Trentino, der am 1. Mai im Ultental gesichtet worden war.

Dies soll nun anhand von genetischen Untersuchungen festgestellt werden. Auch in der Gemeinde Plaus sei der Bär bereits gesichtet worden, erklärte der Direktor für Jagd und Fischerei Luigi Spagnolli. Man gehe sämtlichen Hinweisen nach.

Der Bär soll am Abend mit einem Käfig gefangen werden.

Begegnung mit dem Bär kann lebensgefährlich sein

Die Begegnung mit einem Bären kann lebensgefährlich sein. Das Amt für Jagd und Fischerei gibt deshalb folgende Verhaltensregeln vor:

Generell gilt: Nicht mit freilaufenden Hunden spazieren, bei einer Begegnung mit dem Bären ruhig bleiben, langsam rückwärts bewegen, mit ruhiger Stimme sprechen.

Im Fall, dass ein Bär angreift: Den Bären nicht anschreien und nicht versuchen, ihn zu treten. Mit verschränkten Fingern im Nacken hinlegen und mit den Armen den Kopf schützen.




Bauernbund-Ortsobmann: „Die Leute haben Angst vor dem Bären“

Die Reaktionen auf die Vorfälle lassen nicht lange auf sich warten: Am Montagnachmittag warnt Andreas Gögele, Ortsobmann von Marling im Südtiroler Bauernbund: „So geht es nicht weiter! Die Leute haben Angst vor dem Bären und dass er wiederkommt.“ Auch andere Bauernbund-Ortsgruppen fordern eine rasche Lösung zum Großraubwild.



Gemeinsam mit den Bauernbund-Ortsobleuten von Partschins, Algund, Plaus, Naturns und Tscherms fordert Gögele die politischen Verantwortungsträger auf, dass eine Lösung für das Großraubwild gefunden werde. „Die ungebremste Verbreitung von Bär und Wolf muss gestoppt werden, sonst werden die Probleme immer größer“, betont Gögele.

Die Bauernbund-Ortsgruppen weisen auch auf drohende Probleme für den Tourismus hin. „Die Gegend rund um das Vigiljoch ist ein touristisch stark genutztes Gebiet. Wenn Bären dieses Gebiet durchstreifen, werden auch Touristen und Wanderer ausbleiben.“

Auch Herdenschutz biete keine Lösung. „Der Bär war selbst durch das Einschreiten des Bauern nicht von seinem Angriff abzubringen. Das muss uns beunruhigen.“

liz

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