<b>Am 6. November hat ein Brand ihr Wohnhaus am Untererschbaumerhof zerstört. Wie geht es ihnen heute – vor allem, wo wohnen und leben sie heute?</b><BR />Martin Leitner: Im ersten Moment hat man keine Zeit zum Denken, man ist total im Schock. Ich bin selbst Feuerwehrmann, Mitglied der Feuerwehr Spinges. Als ich über die Handy-App vom Brand erfuhr, war das ein erster Schlag. Ein Brand kann passieren, aber man rechnet nicht damit. Wir, mein Vater, meine Partnerin und ich, sind seit dem Tag des Brandes im Nachbarhaus untergebracht, das seit fünf Jahren leer stand. Die Nachbarin hat uns diese Wohnmöglichkeit angeboten. Das Haus ist alt und kalt, nur in der Küche gibt es einen Herd zum Heizen. Aber es liegt oberhalb unseres Hofes, weshalb ich meine Arbeiten dort wie bisher weiterführen kann. Zwei andere Wohnangebote wären nur vorübergehend oder weiter weg gewesen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1255956_image" /></div> <BR /><b>War das Haus eingerichtet?</b><BR />Leitner: Bis auf die Schlafzimmer ja. Die Dorfbevölkerung hat sofort geholfen, Matratzen und Bettgestelle organisiert und aufgebaut. Ich habe das gar nicht so wahrgenommen, weil ich den ganzen Brandtag über beim Haus geblieben bin. Auch Lebensmittel und Kleidung brachte sie vorbei. Der Feuerwehrkommandant hat eine Liste erstellt, was gebraucht würde. Diese hat er über unsere Dorf-WhatsApp-Gruppe geteilt. Die Menschen sind sehr solidarisch. Auch der Bäuerliche Notstandsfonds hat uns eine finanzielle Soforthilfe geschickt.<BR /><BR /><b>Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei. Neujahr steht vor der Tür. Jede Familie hat ihre Festtraditionen. Wie feiert man solche Tage, wenn ein Brand Bekleidung, Christbaumschmuck, die Krippe und alles, was man hatte, vernichtet hat?</b><BR />Leitner: Ein Kollege hat uns Christbaumschmuck vorbeigebracht. Wir haben einen Zweig damit geschmückt, und auch einen Christbaum vor dem Haus aufgestellt. Es ist wichtig in solchen Momenten, an Traditionen festzuhalten, weil sie Halt geben. Wir sind zusammengesessen, sind in die Kirche gegangen (Leitner ist Mesner; Anm. der Red.), haben Zusammenhalt gezeigt. Es hat keinen Sinn, alles schleifen zu lassen. Keine Person kam zu Schaden. Es geht weiter. Materielle Sachen kann man ersetzen. <BR /><BR /><b>Dennoch sind viele Erinnerungen damit verbunden?</b><BR />Leitner: Ja. Alles ist verloren. Nur in Gedanken hat man es noch: alte Schriftstücke und Bücher, Gegenstände unserer Vorfahren, Fotos, Papiere, unseren Ahnenpass. Das alles hat einen großen ideellen Wert, gibt Identität. Auch das Haus, schön mit Holz gestaltet, jedem Sturm hat es standgehalten… Schade. Aber es nützt nichts, zu viel nachzutrauern. Das bringt einem nichts zurück.<BR /><BR /><b>Wie geht es jetzt weiter?</b><BR />Leitner: Ich bin versichert, aber der gesamte Schaden ist nicht gedeckt. Bis mit der Versicherung alles geklärt ist, braucht es Geduld. Ich habe mir einen Rechtsbeistand geholt, weil man sich allein schwertut und auch vieles nicht weiß, wie etwa dass man bereits nach 30 Tagen um Anzahlung eines gewissen Prozentsatzes der Schadenssumme ansuchen kann. Noch muss alles bleiben, wie es ist. Die Grundmauern stehen, sind aber durchnässt und geschädigt. Deshalb kann ich auch nichts planen, vielleicht muss ich einen neuen Standort für das Wohnhaus suchen.<BR /><BR /><b>Was sind Ihre Wünsche für das neue Jahr?</b><BR />Leitner: In erster Linie, dass alle gesund bleiben. Der Wunsch ist auch, dass wir wieder etwas neu aufbauen können, damit wir wieder eine Heimat haben.<BR /><BR /><BR />Zur Unterstützung der Familie beim Wiederaufbau wurde eine private Spendenaktion ins Leben gerufen.