In der Nacht auf den vergangenen Samstag schlugen die Wölfe nahe der Hofalm bei Terenten zu. Norbert Passler, der Hirte der Alm, fand am Morgen nach der Wolfsattacke 12 der 22 Schafe tot am Boden liegend. Ein Lamm hatte trotz Kehlbiss den Angriff rund 100 Meter vor der Almhütte überlebt, starb aber noch in der darauffolgenden Nacht. <BR /><BR />„Dies ist bereits die 4. Attacke in diesem Sommer. Am 11. Juni haben wir 67 Schafe auf die Alm getrieben. Davon leben heute noch 22. Bisher blieb meine Herde zum Glück verschont, doch nun hat es auch meine Tiere getroffen“, erklärt Amort gegenüber STOL.<BR /><BR /><i>Bevor Sie weiterlesen, stimmen Sie ab:</i><BR /><BR /> <div class="embed-box"><div data-pinpoll-id="242657" data-mode="poll"></div></div> <BR /><BR /><b>Sollte sich die Umfrage nicht automatisch öffnen, <a href="https://tools.pinpoll.com/embed/242657" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">klicken Sie hier auf diesen Link.</a></b><BR /><BR />Vielmehr als über den finanziellen Verlust ärgert sich der Landwirt über den emotionalen Schaden, den die Raubtierangriff anrichten: „Die Gewinnspanne bei der Schafzucht ist verschwindend gering. Ich gehe dieser Tätigkeit aus Leidenschaft nach. Die Schafe sind eher Haus- als Nutztiere für uns. Zu den Tieren habe ich und vor allem meine Kinder eine starke Bindung. Sie sind alle über Jahre bei uns zu Hause aufgewachsen, alle haben einen eigenen Namen. Nun muss ich meinen Kindern erklären, dass die Paula, die Frieda und 10 weitere Tiere qualvoll sterben mussten.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="919399_image" /></div> <h3> Keine Alternative zur Alm</h3>Obwohl nur noch knapp die Hälfte seiner Herde übrig ist, will Amort seine Schafe trotzdem nicht von der Alm holen – weil es für ihn keine Alternative gibt.<BR /><BR />„Ich bin ein Kleinbauer. Direkt an meiner Hofstelle habe ich keine geeignete Weide und müsste dann Futter für die Tiere zukaufen. Darüber hinaus sind mir die Schafe aber einfach zu Schade, um sie im Stall abzustellen. Die Tiere gehören im Sommer frei auf die Alm, dort sind sie am besten aufgehoben. Eingesperrt im Stall gehen sie ein“, so Amort.<h3> Herdenschutz bereitet Probleme</h3>Anfangs seien die Schafe auf der Alm noch eingezäunt gewesen, man habe schließlich um die Gefahr durch Wolfsangriffe gewusst, erklärt Amort. Dabei sei man allerdings schnell auf Probleme gestoßen. „Bereits am ersten Tag hing ein Rehbock im Zaun. Außerdem wurde das eingezäunte Gelände schnell zu klein und die Tiere wollten auch aufgrund der hohen Temperaturen weiter in die Höhe ziehen. Also haben wir sie frei gelassen, das wurde uns nun zum Verhängnis“, erklärt Amort.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="919420_image" /></div> <BR />Nach den jüngsten Rissen sind die verbliebenen Schafe auf der Alm wieder eingezäunt. Ein Hirte treibt die Tiere am Abend in Richtung der Almhütte. „Das ist natürlich alles mit einem enormen Aufwand verbunden“, sagt Amort.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="919402_image" /></div> <BR />Auf Probleme beim Herdenschutz weist auch Tierarzt Dr. Helmuth Gufler, Spezialist für das Gesundheitsmanagement kleiner Wiederkäuer, hin. Er räumt mit einige Mythen rund um das Thema Wolf und Herdenschutz auf und erklärt, welche Probleme sich aus den bekanntesten Forderungen ergeben, die Wolfsschützer an Weidetierhalter stellen. <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/probleme-mit-dem-herdenschutz-bei-der-umsetzung-haperts" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier geht es zum Artikel.</a><h3> „Will man, dass wir alle aufgeben?“</h3>Amort sei klar, dass man die Wölfe nicht mehr aus Südtirol hinaus bekomme, trotzdem müsse die Politik endlich aktiv werden: „Wir fühlen uns bei dieser Problematik völlig allein gelassen. Will man, dass wir alle aufgeben? Was passiert, wenn wir die Schafe nicht mehr auf die Alm treiben? Dann fallen die Wölfe eben die Kühe an. Es braucht endlich Konzepte, wie wir mit den Raubtieren umgehen wollen.“<BR /><BR />Dass es bis dahin noch ein weiter Weg sein dürfte, zeigen dunkle Gewitterwolken über Südtirols Wolfsgesetz: Gegenüber SVP-Senator Meinhard Durnwalder kündigte Rom Einwände an, die in einer Anfechtung enden könnten. Ein Termin bei Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin, bei dem Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landesrat Arnold Schuler am Montag intervenieren wollten, ist kurzfristig geplatzt. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/dunkle-wolke-ueber-wolfsgesetz-rom-kuendigt-beanstandungen-an" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr dazu lesen Sie hier.</a><BR /><BR />Doch lange Zeit hätten die Landwirte nicht mehr, so Amort: „Wenn über den Sommer einige Schafe gerissen werden, ist das zwar ärgerlich, aber verkraftbar. Wenn es so weitergeht, dann bleibt von unseren Schafen bis zum Herbst nichts mehr übrig. Dann können wir uns vielleicht noch eine Glocke unter den Arm klemmen und ins Tal hinunter tragen. Bereits jetzt ist über die Hälfte unserer Tiere getötet und liegen gelassen worden – fressen tun sie dann die Geier, nicht die Wölfe.“<BR /><BR />Die DNA-Analysen sollen noch Gewissheit bringen, dass es sich bei den Angreifern um Wölfe handelte. Da alle Tiere durch einen Kehlbiss starben, haben laut Hirten die Förster vor Ort dies bereits bestätigt.<BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/tag/Gro%C3%9Fraubtiere" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Mehr zur Problematik mit Wolf und Bär lesen Sie hier. </a></b>