<b>Dr. Alexander Gardetto</b> ist Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie und Sanitätsdirektor der Brixsana. Durchgeführt wurde die Operation am Landeskrankenhaus Klagenfurt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1273209_image" /></div> <BR /><BR /><b>Herr Dr. Gardetto, warum musste bei diesem 70-jährigen Mann der Oberarm amputiert werden?</b><BR />Dr. Alexander Gardetto: Der Patient hatte als Jugendlicher eine schwere Verbrennung am rechten Ellenbogen erlitten. Haut musste deshalb transplantiert werden. In der Haut bildete sich dann im Alter ein bösartiger Tumor. Der Patient kam relativ spät ins Spital – als sich der Tumor bereits ausgebreitet hatte – sowohl was die Tiefe als auch was die Fläche betrifft. Der Tumor war relativ groß und hat die Gefäße aufgebrochen – es kam zu einer akuten Blutung. Es bestand die Gefahr, dass der Patient verblutete. <BR /><BR /><b>Wie ist man bei dieser Operation vorgegangen?</b><BR />Dr. Gardetto: Zwei Eingriffe wurden durchgeführt. Beim ersten Eingriff wurde der Oberarm entfernt. Dabei werden die Nervenfasern, die vom Rückenmark ausgehen, oberhalb des Ellenbogens abgeschnitten. Für den ersten Eingriff, den das Team des Primars für Plastische Chirurgie des Landeskrankenhauses Klagenfurt, Univ.-Prof. Matthias Rab, durchführte, habe ich Tipps gegeben, wie die Nerven gut vorbereitet werden können für den zweiten Eingriff, der am vergangenen Freitag erfolgte und bei dem die erste Operation vervollständigt wurde. <BR /><BR /><b>Was wurde dann beim zweiten Eingriff erreicht?</b><BR />Beim zweiten Eingriff wurden diese Nervenfasern auspräpariert und an den verbliebenen Nerven des Oberarmstumpfes angeschlossen. Wenn der Patient in einigen Monaten eine bionische Prothese bekommt, dann hat diese Prothese Sensoren an den Fingern. Greift der Patient mit der Hand etwas an, dann leiten diese Sensoren den Impuls weiter an den Oberarm. Am Oberarm werden kleine Aktuatoren – Vibratoren – angelegt. Wenn der Patient mit dem Daumen oder Zeigefinger bzw. mit den restlichen Fingern etwas angreift, dann vibrieren genau diese entsprechenden Aktuatoren. Der Patient erhält eine authentische Rückmeldung von der Hand. Diese Meldung wird an das Gehirn weitergeleitet und das Gehirn somit ausgetrickst, zu glauben, dass die Hand noch da ist. Der Patient hat damit weder Phantomschmerzen noch Nervenschmerzen. Die Prothese wird nicht mehr als kalter Fremdkörper empfunden, den man nur bewegen kann, sondern als integrierter Teil des eigenen Körpers, den man spüren kann. <BR /><BR /><b>Welches Ziel hat nun der operierte Patient?</b><BR />Dr. Gardetto: Sein Traum ist es, auf seinem Bauernhof wieder Traktor fahren zu können. Und das wird ihm ermöglicht. <BR /><BR /><b>Sie haben ähnliche Operationstechniken bereits angewandt..</b><BR />Dr. Gardetto: Ja, am Unterarm, Unterschenkel und Oberschenkel – aber nicht am Oberarm. <BR /><BR />Interview: Stephan Pfeifhofer