Montag, 06. Juli 2020

Bausparen wird zum Trend

Seit einem Jahr ist die Agentur für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (ASWE) für das Bausparen zuständig. Die Ein-Jahres-Bilanz vom 1. Juli 2019 bis 1. Juli 2020 kann sich durchaus sehen lassen: Knapp 40 Millionen Euro wurden an 443 Beitragsberechtigte ausbezahlt.

Das Modell Bausparen hat sich bewährt, denn es macht die Errichtung eines Eigenheims möglich.
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Das Modell Bausparen hat sich bewährt, denn es macht die Errichtung eines Eigenheims möglich. - Foto: © shutterstock
Der Weg zum Eigenheim gestaltet sich in Südtirol vor allem aufgrund hoher Immobilienpreise immer schwieriger. Das hat auch letzthin eine im März 2020 getätigte Umfrage des AFI (Arbeitsförderungsinstitut) gezeigt, wonach 90 Prozent der heimischen Arbeitnehmer über unerschwingliche Immobilienpreise klagen.

Auch wer über ein relativ gutes Einkommen verfügt, sieht sich vielfach außerstande, mehrere Hunderttausende von Euro für die eigenen 4 Wände zusammenzusparen bzw. abzustottern. Folgerichtig geistert die Parole vom „leistbaren Wohnen“ schon seit vielen Jahren durch die politischen Instanzen.

Von 1. Juli 2019 bis 1. Juli 2020 fast 40 Millionen Euro

Nun scheint mit der Bausparförderung immerhin ein Modell gefunden, das die Sparfüchse mehr und mehr überzeugt. Das besagen zumindest die Zahlen, die in den vergangenen 5 Jahren vom 1. Juli 2015 bis 31. Dezember 2019 fast durchwegs gestiegen sind. Vor 5 Jahren – am 1. Juli 2015 – wurde das Bauspar-Modell lanciert – seit dem 1. Juli 2019 ist die Agentur für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (ASWE) für die Verwaltung des Bauspar-Fördertopfes zuständig. Sie hat diese Aufgabe von der inzwischen liquidierten Südtirol Finance AG übernommen.

Wie die aktuellen Zahlen, die dem Tagblatt „Dolomiten“ vorliegen, zeigen, konnte in diesem einen Jahr – vom 1. Juli 2019 bis 1. Juli 2020 – das Volumen auf beinahe 40 Millionen Euro (exakt: 39.932.648 Euro) gesteigert werden, dabei wurden 443 Gesuchsteller berücksichtigt. Dabei zeigt sich auch hier deutlich eine coronabedingte Delle, denn im 1. Halbjahr 2020 wurde mit rund 13 Millionen lediglich die Hälfte des Betrages vom 2. Halbjahr 2019 (ca. 27 Millionen) ausbezahlt. Trotzdem handelte es sich im Vergleich mit den bisherigen Jahren um einen Bestwert. In Summe wurde somit in den Jahren von 2015 bis 2019 an die 1725 bewilligten Gesuchsteller die stattliche Sume von fast 140 Millionen Euro ausbezahlt.

2 Fliegen mit einer Klappe

„Dieses Bausparmodell hat sich gut entwickelt, und die Agentur leistet auch gute Arbeit im Sinne des Bürgers“, meint dazu Soziallandesrätin Waltraud Deeg. Als die ASWE ihre Arbeit aufnahm, stellte sie bürokratische Erleichterungen in Aussicht. In dieser Hinsicht habe sich auch einiges getan – vor allem bei der ehemals hochgradig gefinkelten Antimafia-Erklärung und durch Gespräche mit den Banken seien Fortschritte gelungen. Jedoch sei die Weiterentwicklung keineswegs abgeschlossen.

Deeg plädiert für dieses Bau-spar-Konzept, weil man gewissermaßen auf zweifache Art und Weise vorsorge: einerseits für das Eigenheim, anderseits für die Rente. Grundsätzlich wird beim Bausparen der Betrag, den sich ein Bauinteressent in den 8 Jahren in einem Zusatzrentenfonds angespart hat, verdoppelt und über eine konventionierte Bank als Darlehen für die Finanzierung des Eigenheims herangezogen. Die Darlehensraten, die mit einem Fixzinssatz von einem Prozent belegt sind, werden dann in einen Rotationsfonds zurückbezahlt.

50 Prozent der Antragssteller im Alter zwischen 30 und 40 Jahre

So sollen im Land des knappen Baugrunds, der vielfach exorbitanten Immobilienpreise und eines nunmehr verschärften Raumordnungsgesetzes doch noch verstärkt junge Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen 4 Wände zu finanzieren. Zieht man alle bisherigen 5 Jahre Bausparen in Betracht, so ist das Gros der Antragsteller mit rund 50 Prozent im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, an die 15 Prozent sind jünger, der Rest älter. Bezirksmäßig sind die Pusterer Spitzenreiter, doch auch aus allen anderen Landesteilen kommt eine beachtliche Anzahl von Gesuchen.

Bausparen kann aber wohl nur eine von mehreren Schienen sein, um das oft zitierte Grundrecht Wohnen zu gewährleisten. Ärmere Familien, Arbeitnehmer und Personen in besonderen Lebenssituationen fallen oft genug durch den Rost, wenn etwa nicht auch an den Stellschrauben sozialer Wohnbau und erschwingliche Mieten gedreht wird.

az