Freitag, 10. April 2015

Bausparen zum Zweiten: Was ist jetzt besser?

"Das Südtiroler Bausparmodell startet im Juli", erklärt Wohnbaulandesrat Christian Tommasini, nachdem er mit allen Beteiligten das bislang kränkelnde Modell noch einmal überprüft hat. Das Land stellt die Gelder zur Verfügung, Pensplan zertifiziert die Rentenposition und die Banken führen alle operativen Schritte durch. STOL hat nachgefragt, ob das gut oder schlecht ist.

Badge Local
Foto: © shutterstock

Eigentlich hätte am 16. April der Start des Bausparens in Südtirol zelebriert werden sollen. Doch daraus wurde nichts. Das Projekt war unausgegoren und musste noch einmal zurück in die Landesregierung. Nun erfolgt der zweite Anlauf.

Die Voraussetzungen

Voraussetzungen für ein Bauspardarlehen sind folgende: Interessierte dürfen nicht älter als 55 Jahre sein, müssen seit mindestens fünf Jahren in Südtirol ansässig und seit mindestens acht Jahren in einen vertragsgebundenen Zusatzrentenfonds eingeschrieben sein. Sind diese Grundvoraussetzungen erfüllt, kann bei einer der beteiligten Banken ein Bauspardarlehens beantragt werden.

Dieses zinsgünstige Darlehen kann maximal das Doppelte des angereiften Kapitals auf der Rentenposition betragen. Hat jemand dort also 40.000 Euro angespart, hat er Anrecht auf ein Bauspardarlehen in Höhe von 80.000 Euro. 

Fixer Zinssatz, aber welcher?

"Die Idee des Bausparens ist eine sehr gute Idee. Aufgrund der geringen Wohnbauförderung, die wir derzeit haben, wird es sicher Leute geben, die das Bausparen nutzen. Es wird aber einige zeit brauchen, bis es anläuft", so Rentenexperte Helmuth Renzler auf Anfrage vom STOL. Er habe inhaltlich zum überarbeiteten Modell aber noch nichts gesehen. "Was mich interessiert, sind die Zinssätze, die nirgendwo aufscheinen", so Renzler. 

Denn: Der Zinssatz soll laut Tommasini für das Bauspardarlehen auf 20 Jahre fixiert werden.

"Wenn der Zinssatz niedrig ist, dann ist es gut. Wenn er drei Prozent beträgt, dann ist das nicht gut", so Renzler. Zudem interessiere ihn, wie die Besteuerung funktioniert - sprich, ob sie nach den Regeln des Pensionsfonds erfolgt, oder ob die progressive Besteuerung wie beim Lohn greift. Da das Land das Geld vorstrecke, "befürchtet" Renzler Letzteres.

Rückzahlungsmodalitäten sind "problematisch"

Und noch einen Punkt spricht Renzler an: "Es geht um die Rückzahlungsmodalitäten. Denn man kann das Darlehen mit einer monatlichen Fixrate begleichen, aber auch zum Zeitpunkt der Pensionierung auf das Geld im Pensionsfonds zurückgreifen", so der Rentenexperte. Zweiteres verknüpft er mit einer starken Befürchtung, "denn dann fehlt das Geld bei der Altersvorsorge." 

Ausschließlich über Banken abgewickelt

Was sich im Unterschied zum ersten Modell noch geändert hat: Der gesamte Prozess soll ausschließlich von den Banken abgewickelt werden. In Bezug auf die Zuständigkeiten von Pensplan und Banken hatte das "alte" System gekrankt.

An der Bankenabwicklung findet Renzler nichts zu beanstanden. Und der zuständige Landesrat Christian Tommasini schon gar nicht: „Die Prüfung des bisherigen Modells hat sich gelohnt, denn jetzt ist es uns gelungen, das Bausparen so zu organisieren, dass alle – besonders  die Bürger – davon profitieren: Das Modell ist jetzt klar strukturiert, die einzelnen Partner haben klar zugewiesene Rollen und für den Bürger wird die Abwicklung vereinfacht.“

Ganz so euphorisch ist der Rentenexperte nicht: Einiges sei noch zu klären. Ein definitives Urteil wolle Renzler erst abgeben, "nachdem man alle Unterlagen einsehen konnte".

stol/ker

stol