Als die Bayesian gegen 4 Uhr morgens infolge des Sturms heftig zu schwanken begann, verließ Bacares, die Ehefrau des britischen Tech-Milliardärs Mike Lynch, ihre Kabine und begab sich auf die Suche nach dem Kapitän James Cutfield. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt bereits an Deck befand, überlebte sie das Unglück wie durch ein Wunder - im Gegensatz zu ihrem Mann und ihrer Tochter, die sich noch in ihren Kabinen aufhielten und ertranken. <BR /><BR />Die dramatischen Momente jener Nacht schilderte die 57-jährige Unternehmerin bei der Befragung durch den zuständigen Staatsanwalt der sizilianischen Stadt Termini Imerese. Auszüge aus dem Vernehmungsprotokoll wurden inzwischen von der Tageszeitung Corriere della Sera veröffentlicht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1218819_image" /></div> <BR /><BR />„Ich wollte wieder in die Kabine gehen, um die anderen zu warnen, aber Sasha, die irische Hostess, sagte mir, ich solle an Deck bleiben. Dann neigte sich die Bayesian plötzlich vollständig zur Seite, Wasser strömte wie ein reißender Fluss ins Innere“, berichtete Bacares. Sie stürzte und klammerte sich blutend an den Kapitän. „Er sagte mir, das Boot würde nicht kentern... Ich dachte, mein Mann und meine Tochter könnten hinausschwimmen“, so Lynchs Witwe weiter. Doch es kam anders.<BR /><BR />Insgesamt starben bei dem Unglück sieben Menschen - neben Mike und Hannah Lynch auch die Ehepaare Chris und Neda Morvillo sowie Jonathan und Judy Bloomer. Auch der Bordkoch Ricardo Thomas kam ums Leben - er war das einzige Crewmitglied unter den Opfern. Offenbar hatten die Passagiere versucht, beim Kentern die Rettungsboote im Inneren des Schiffs zu erreichen - doch die Yacht sank zu schnell.<h3> „Das hätte ich nie für möglich gehalten“</h3>„Wir besaßen die Bayesian seit zehn Jahren. Ich fühlte mich an Bord immer sicher. Oft beobachtete ich die Crew und wurde durch ihr professionelles Verhalten beruhigt. Unsere Sorgen beschränkten sich bislang auf mögliche Kollisionen mit Felsen oder die Gefahr, sich in Ankerketten zu verfangen... Dass etwas so Katastrophales passieren könnte, hätte ich nie für möglich gehalten“, so Bacares. <BR /><BR />Die Mittelmeerreise der Bayesian hatte am 4. Juli in Ligurien begonnen. Angela Bacares berichtete, dass sie und ihr Mann während der Fahrt zeitweise getrennt an Bord waren - sie verbrachte einige Tage in Mailand, er in London. In Neapel war sie mit ihrer Tochter und deren Freundin unterwegs, besuchte Capri, Positano und Amalfi. Dort stieß Mike Lynch mit weiteren Gästen wieder zur Gruppe. Es folgten Aufenthalte in Cefalù - und schließlich in Porticello, der letzten Station vor der Tragödie.<BR /><BR />Italienische Ermittler prüfen derzeit sowohl mögliche Konstruktionsmängel als auch das Verhalten der Crew. Gegen Kapitän Cutfield sowie den Schiffsingenieur Tim Parker Eaton und Matrosen Matthew Griffiths wird wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Herbeiführung eines Schiffsuntergangs ermittelt - alle drei weisen jede Verantwortung von sich. Ihnen wird vorgeworfen, Wetterwarnungen ignoriert und sich schließlich nur selbst in Sicherheit gebracht zu haben.