Samstag, 20. Juni 2015

BBC berichtet über Südtirol: Flüchtlinge im Fokus

BBC World News berichtet am Samstag über die aktuelle Flüchtlingssituation und setzt dabei den Fokus auf Österreich und Südtirol. Dreh- und Angelpunkt: der Bozner Bahnhof.

Die Flüchtlinge müssen den Zug in Bozen verlassen. Für eine Fahrt über den Brenner haben sie nicht die gültigen Dokumente. Foto: reuters
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Die Flüchtlinge müssen den Zug in Bozen verlassen. Für eine Fahrt über den Brenner haben sie nicht die gültigen Dokumente. Foto: reuters

Immer wieder hat sich die britische Rundfunkanstalt BBC auch mit Südtirol-Themen auseinandergesetzt. Die Berichte über den Gletschermann Ötzi oder die gespaltene Südtiroler Identität liegen allerdings schon drei Jahre zurück. Lustige Sendungsbeiträge über den "Foodie-Donnerstag mit Bozner Sauce" oder aktuelle Meldungen über die Festnahme eines gesuchten FIFA-Mitglieds in Bozen finden sich natürlich zwischenzeitlich. 

Doch nun wird wiederum ein Thema hintergründiger beleuchtet. Ein Thema, das derzeit nicht nur Italien in Atem hält, sondern ganz Europa: Der Flüchtlingstrom über das Mittelmeer nach Norden.

Die Situation am Bahnhof Bozen

So heißt es in dem Artikel u.a. (Bericht hier), Südtirol habe mit einem zunehmenden Strom an Flüchtlingen zu kämpfen, die nach Deutschland oder Skandinavien wollen. "Als der Zug von Venedig nach München am Bozner Bahnhof einfährt, ist die italienische Polizei bereits da, um ihn ,in Empfang' zu nehmen."

Warum? "Bozen ist der letzte Stopp vor der Grenze", wird erklärt.

 

Die Flüchtlinge, wenn sie am Bahnhof Bozen ankommen. Foto: reuters

Da die Flüchtlinge nicht die richtigen Dokumente hätten, um über die Grenze zu kommen, würden sie einer nach dem anderen aus dem Zug eskortiert. "Da waren sechs-sieben Afrikaner, die aufstanden und sich zum anderen Ende des Zuges flüchteten", berichtet ein Student, der sich in demselben Zug befand.

Unter dem Motto "Wer kann eine Geschichte besser erzählen als der, der sie lebt" werden die BBC-Beiträge mit Menschen vor Ort gestaltet. 

Keine oder unzureichende Dokumente: Aussteigen bitte!

Neben dem Student Lindsay befand sich zu dem Zeitpunkt eine syrische Familie, die mit Babys und Kleinkindern unterwegs war. "In ihren nagelneuen Pässen war kein einziger Stempel - und so mussten auch sie den Zug verlassen. Es tut mir leid für die Familie, vor allem die Kinder wissen nicht, was da vor sich geht", wird Lindsay zitiert.

Szene wie diese seien in Bozen an der Tagesordnung, berichtet BBC.

Der Landeshauptmann und die blinden Behörden

BBC-Korrespondentin Bethany Bell kam eigens für den Bericht nach Bozen, um sich ein Bild der Lage zu machen. Dazu wurde auch Landeshauptmann Arno Kompatscher befragt.

 

Arno Kompatscher im BBC-Interview.

"Es mag sein, dass die italienischen Autoritäten auf einem Auge blind sind, wenn es darum geht, dass die Flüchtlinge nach Norden weiter wollen. Sie hoffen es sogar", gibt Kompatscher zu.

Gestrandet - ohne Ausweg

Dadurch sei auch die syrische Familie getrennt worden. Der Bruder und einige andere hätten richtige Papiere gehabt, andere nicht - und so ging es nicht für alle weiter gen Norden. "Der Rest der Familie ist mit wenig Geld und ohne Ausweg hier gestrandet", berichtet BBC. Alle wollten nach Deutschland.

 

Nur gültige Fahrkarten allein helfen nicht bei der Flucht nach Norden. Es braucht gültige Papiere.

Die Familie erhielt etwas Hilfe am Bahnsteig, Lebensmittel seien von Freiwilligen an sie verteilt worden. Helferin Waltraud Kranebitter berichtet von unmenschlichen Geschichten, die ihr die Gestrandeten erzählt hätten. Sie könne verstehen, warum die Menschen ihr Leben riskierten, um nach Europa zu gelangen.

Nicht zurückschicken

"Einmal dass sie hier sind, sind sie hier. Man kann sie nicht wieder zurückschicken", ist Kranebitter überzeugt.

 "Europa muss das Problem gemeinschaftlich lösen", wird Arno Kompatscher zitiert. Italien alleine könne den Strom nicht bewältigen. 

Und in der Zwischenzeit versuchen die in Bozen Gestrandeten immer wieder auf ein Neues ihr Glück, bis es ihnen schließlich gelingt, durch Österreich zu kommen. Die syrische Familie hat es laut BBC mit dem nächsten Zug bis Innsbruck geschafft. Ab da ginge das Zittern weiter, denn es sei neuerlich eine Grenze zu passieren.

stol/ker

stol