Was die Vertreter von Sozialgenossenschaften über das Modell denken – und wo ihrer Meinung nach in Südtirol nachgebessert werden sollte. <BR /><BR />Etwa 7 Millionen Menschen in Italien sind über 75 Jahre alt – die allermeisten gehören aber nicht zum „alten Eisen“, denn 80 Prozent sind noch aktiv und nur 20 Prozent pflegebedürftig: Dies betonte Referent Samuele Verucchi, Projekt Manager für „Active Aging“, auf der Tagung „Generationenübergreifendes Wohnen“ im Palais Widmann. Dabei stand die Rolle der Genossenschaften angesichts der zunehmenden Lebenserwartung im Zentrum. <h3> Kinder mit Beeinträchtigung und ihre Mütter, Senioren und Arbeitslose unter einem Dach</h3>Als ein besonderes Beispiel für generationenübergreifendes Wohnen gilt ein innovatives Projekt in Cervia (Provinz Ravenna): Dort führt die Genossenschaft Sole ein „solidarisches Kondominium“ („Pantera Rosa“), in dem Menschen verschiedener Generationen zusammen wohnen, zugleich aber auch betreut werden, erklärt die Direktorin des Amtes für die Entwicklung des Genossenschaftswesens in Südtirol, Manuela Paulmichl. <BR /><BR />In dem Haus leben Mütter mit Kindern mit schwerer Beeinträchtigung, über 60-Jährige, die kein familiäres Netz mehr haben und unter gesundheitlichen Problemen zu leiden haben und Menschen, die die Arbeit verloren haben und deshalb in finanziellen Schwierigkeiten sind. <BR /><BR />Sozialassistenten entscheiden darüber, wer in diesem Haus aufgenommen wird, berichtet Genossenschaftspräsidentin Roberta Massi. Die Menschen in diesem Haus werden gesundheitlich betreut – Krankenpfleger stehen den Hausbewohnern zur Seite. Und 2 Familien in dem Haus agieren als Tutoren, sie sind Ansprechpartner für Fragen des Zusammenlebens. 2 Jahre lang können die Menschen in diesem Haus bleiben – etwa 35 leben zurzeit dort. <BR /><BR />Auch in Südtirol gibt es ähnliche Projekte – betreutes und begleitetes Wohnen, erklärt Ressortdirektor Luca Critelli. Ein Modell für die Zukunft könnte es sein, eine Pflegekraft („badante“) nicht nur für einen alten Menschen, sondern für mehrere einzusetzen, wie etwa in WOBI-Wohnungen. Dabei würde allerdings die Abstimmung zur Herausforderung – wenn alte Menschen zur gleichen Zeit den Dienst der einen „badante“ benötigten.<h3> Forderung nach Miteinander statt Nebeneinander</h3>Leonhard Resch, Vorstandsmitglied der Genossenschaft „Wohnen im Alter“, gibt zu bedenken, dass heute viel in Strukturen investiert werde, es brauche aber auch Sozialarbeiter, die für Seniorenthemen sensibilisiert werden und Quartiersarbeit leisten: Diese Sozialarbeiter könnten älteren Menschen, die allein leben, Tipps geben, wie Barrieren abgebaut werden und wie sie insgesamt sicherer in ihrer Wohnung leben können. Zudem könnten diese Quartiersarbeiter die Nachbarschaftshilfe ankurbeln und am Laufen halten. Im neuen WOBI-Gesetzentwurf sei genau diese Funktion auch enthalten, erklärt Resch.<BR /><BR />Karl Tragust, Vorsitzender der Sozialgenossenschaft Sophia, würde es begrüßen, wenn das Modell der Zeitbanken, Seniorenclubs und Begleitdienste unter einem Dach zusammengeführt würde – in einer Sozialgenossenschaft. Hier brauche es ein Miteinander statt eines Nebeneinander.<BR />