<BR /><b>Der AEB-Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt Licht und Schatten. Fangen wir mit dem Licht an: Was gibt Grund zur Freude?<BR /></b>Angelika Stampfl: Besonders erfreulich ist das Pilotprojekt an der Landeshotelfachschule Hellenstainer in Brixen, an der ab Herbst erstmals Schüler mit Beeinträchtigung bis zur Matura bleiben können. Bisher war der Bildungsweg für unsere Kinder nach drei Jahren abgeschlossen. Unser Ziel ist, dies auf alle LFS ausweiten zu können.<BR /><BR /><b>Drei Jahre LFS reichen nicht?<BR /></b>Stampfl: Nein! Wenn unsere Kinder die LFS nach drei Jahren verlassen müssen, sind die meisten noch keine 18 Jahre – und können daher nicht arbeiten. Sie sind also notgedrungen ohne Beschäftigung zu Hause und verlernen sehr viel von den Kompetenzen, die sie in der Schule erworben haben. Zudem fehlt ihnen natürlich auch der Teil der Ausbildung, der in den beiden letzten Jahren vermittelt wird. Mit den kompletten fünf Jahren haben sie viel mehr Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das ist unser Ziel. <BR /><BR /><b>Gibt es weitere Probleme?<BR /></b>Stampfl: Auch für Eltern von Kindern mit Behinderung ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein riesiges Thema – und auch aus diesem Grund ist eine fünfjährige Schulzeit wichtig. Das führt oftmals dazu, dass Kinder, für die eine praxisbezogene Ausbildung an einer LFS die beste Lösung wäre, andere Oberschulen besuchen, bei denen sie bis zur Matura bleiben können. <BR /><BR /><b>Wie ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt?<BR /></b>Stampfl: Gerade im Gastrobereich tut sich etwas, weswegen auch die Pilotschule gut gewählt ist. Zudem wurde mit dem Berufsbild der Verwaltungshilfskraft eine neue Anstellungsmöglichkeit an den öffentlichen Betrieben geschaffen. Leider hat sich das noch nicht richtig implementiert. Es muss noch besser kommuniziert werden.<BR /><BR /><b>Und wo drückt der Schuh am meisten?<BR /></b>Stampfl: Das größte Problem ist der Personalmangel, der sich wie ein roter Faden durch den gesamten Bereich der Betreuung von Menschen mit Behinderung zieht. Das fängt in den Schulen mit Mitarbeitern für Integration und Integrationslehrkräften an, geht über die Mitarbeiter in den stationären und teilstationären Einrichtungen weiter bis hin zu den Therapeuten im Rehabilitationsdienst. Früher hieß es immer „wir haben kein Geld“, jetzt heißt es, „wir haben kein Personal“. <BR /><BR /><b>Mit welchen konkreten Auswirkungen? <BR /></b>Stampfl: Ein eklatantes Beispiel ist sicher der Götschelehof in Brixen, eine tolle neue Struktur, in der unter anderem Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung untergebracht sein sollten. Doch sieben Betten bleiben leer, weil es an Mitarbeitern mangelt. Die Plätze würden aber dringend gebraucht. Überhaupt gibt es derzeit lange Wartelisten für Plätze in den stationären Strukturen – und so gut wie keine Chance auf einen Wohnplatz. Neuaufnahmen sind derzeit in der Regel Notaufnahmen – wenn Eltern schwer erkranken oder sterben. Und es braucht mehr Kurzzeitpflege-Angebote zur Entlastung der Familien. <BR /><BR /><b>Stichwort Schule...<BR /></b>Stampfl: Die Personalressourcen sind auch hier knapp. Aber es kann nicht sein, dass unsere Kinder daheim bleiben müssen, wenn der Mitarbeiter für Integration ausfällt. Hier sollten Schulen und Eltern gemeinsam kämpfen. Denn eines muss allen klar sein: Eine versäumte Förderung bei den Kindern führt zu weniger Selbstständigkeit und damit zu einem intensiveren Betreuungsbedarf im Erwachsenenalter, die Lebensqualität schwindet – und es kommt letztendlich viel teurer.